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BER-Bericht belastet Rostocks Flughafenchef

Rostock/Berlin BER-Bericht belastet Rostocks Flughafenchef

Rainer Schwarz gerät wegen Berliner Airport-Debakel unter Druck

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Rainer Schwarz, Airport-Chef von Laage

Quelle: Ove Arscholl

Rostock/Berlin. Mehr Flüge, mehr Passagiere, mehr Einnahmen: Für den Flughafen Rostock-Laage läuft es zurzeit richtig gut. Erst zweieinhalb Jahre ist es her, dass die Insolvenz des Flughafens drohte. Doch seit Ende 2014 geht es steil bergauf: Kreuzfahrtreedereien lassen ihre Passagiere über den Regionalflughafen einfliegen, die Verbindung nach München wurde ausgebaut, demnächst starten neue Linienflüge nach Zürich und Wien.

Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Projekt BER war nicht im Ansatz zu erkennen.“Abschlussbericht, S. 321

Der Erfolg hat einen Namen: Rainer Schwarz (59). Seit Dezember 2014 leitet der erfahrene Manager, ehemaliger Chef der Flughäfen in Berlin, Düsseldorf und Nürnberg, die Geschäfte im vergleichsweise überschaubaren Laage. Mit Schwarz kam die wirtschaftliche Wende. Seit ein paar Tagen wird der erfolgreiche Geschäftsführer von seiner Vergangenheit eingeholt: Der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses zum Debakel des Hauptstadtairports hat seinen Abschlussbericht vorgelegt. Am Montag wird das 1269 Seiten lange Dokument offiziell vorgestellt, seit Mittwoch steht es im Internet.

Wer Schuld hat am spektakulären Scheitern des einstigen Prestigebaus, sagt das Dokument nicht, zumindest nicht klar. Schwammig ist von einer „Verflechtung geteilter Verantwortlichkeiten“ die Rede.

Ein Beteiligter wird aber besonders oft genannt: Rainer Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughafengesellschaft von 2006 bis 2013. Ein halbes Jahr nach der geplatzten Eröffnung im Juni 2012 musste er gehen.

Der Untersuchungsausschuss- Vorsitzende Martin Delius (Piraten) wirft Schwarz „Unfähigkeit, Arroganz und Uneinsichtigkeit“ vor. Delius nennt den Rostocker Manager neben Ex-Technik-Geschäftsführer Manfred Körtgen als Hauptverantwortlichen des noch immer laufenden Debakels.

Schwarz will sich auf Anfrage nicht zu einzelnen Vorwürfen äußern. Dass der Bericht so hohe Wellen schlage, liege am Berliner Wahlkampf. Vieles sei bereits „in epischer Breite in meinem arbeitsrechtlichen Prozess behandelt worden“. Das Berliner Landgericht erklärte die Kündigung für unwirksam und sprach Schwarz rund eine Million Euro entgangenes Gehalt zu. Laut dem Bericht betrieb das Land Berlin den Prozess aber bloß halbherzig. Bei einer gerichtlichen Anerkennung von Managementfehlern hätten immense Schadensersatzforderungen gedroht – durch eine Klage von Air Berlin wegen des geplatzten Eröffnungstermins im Juni 2012.

Der Bericht lässt kaum ein gutes Haar an Schwarz. Beispiele: „Ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Projekt BER war nicht im Ansatz zu erkennen“, heißt es etwa unter Bezug auf die Befragung von Schwarz als Zeuge im Untersuchungsausschuss. Er habe „ein demonstratives Desinteresse an allen Projektabläufen an den Tag“ gelegt. Die massiven technischen Probleme vor der geplanten Eröffnung hätte Schwarz ignoriert. Und: „Ein weiteres Versagen der Geschäftsführung besteht darin, dass das Klima innerhalb der Geschäftsführung geprägt war von fehlender Kollegialität und von Machtkämpfen.“

Zwischen Körtgen und Schwarz habe „eine aggressive Stimmung geherrscht, die von gegenseitigen Schuldzuweisungen geprägt gewesen sei“, zitiert der Bericht eine frühere Projektleiterin. Zudem legt das Papier nahe, dass entweder Wowereit oder Rainer Schwarz vor dem Ausschuss gelogen haben müssen – bei der Frage, wann wer wusste, dass die Eröffnung 2012 nicht zu schaffen ist. Die Berliner Presse fordert dazu staatsanwaltliche Untersuchungen. Die oppositionelle Linke schlägt vor, die Ex-Geschäftsführer in Haftung zu nehmen.

Viel teurer als geplant

27 Millionen Passagiere soll der Flughafen Berlin Brandenburg, kurz BER, jährlich abfertigen. Noch ist es aber nicht so weit.

Nach Ansicht des Bundes, neben dem Land Brandenburg und Berlin Gesellschafter des Projekts, ist der zuletzt geplante Eröffnungstermin im Oktober 2017 nicht zu halten. Es läuft auf 2018 hinaus.

Ursprünglich sollte der Airport schon im November 2011 fertig sein.

2 Milliarden Euro Baukosten wurden in der Planungsphase 2006 veranschlagt. Inzwischen gehen die Verantwortlichen von Gesamtkosten von 5,4 Milliarden aus. Die EU zog 2015 eine Obergrenze für öffentliche Zuschüsse: Demnach wäre bei 6,5 Milliarden Euro Schluss. Ein Grund dafür, dass noch immer keine Passagiere einchecken und Flieger abheben, sind unter anderem Planungsfehler bei der Entrauchungsanlage.

Gerald Kleine Wördemann

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