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Wirtschaft Bahn AG auf Sparkurs: Kleinen Güterbahnhöfen droht das Aus
Nachrichten Wirtschaft Bahn AG auf Sparkurs: Kleinen Güterbahnhöfen droht das Aus
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00:00 23.03.2016
Rostock/Berlin

Beim Güterverkehr der Deutschen Bahn droht Kahlschlag: Der Betriebsrat der DB-Güterverkehrssparte DB Cargo fürchtet „Sparmaßnahmen ungeahnten Ausmaßes“.

Die Belegschaft solle „für die Managementfehler der vergangenen Jahre büßen“, heißt es in einem der OZ vorliegenden Schreiben.

Fakt ist: Nach internen Plänen sollen 215 der etwa 1500 Verladestationen in Deutschland nicht mehr angefahren werden. Es geht vor allem um kleine Abfertigungspunkte, an denen oft nur einzelne Wagen abgeholt werden. Sie stünden für lediglich 0,4 Prozent des Güterbahn-Umsatzes in Deutschland.

Besonders betroffen sei der Osten Deutschlands, betont Thomas Pfarr, Chef des auch für Mecklenburg-Vorpommern zuständigen DB-Cargo-Betriebsrats. Er befürchtet, dass jetzt Gespräche mit Kunden der Bahntochter DB Cargo (früher: DB Schenker Rail) geführt werden, damit diese sich nach möglichen Alternativen zum Bahntransport umsehen. Das will Pfarr unbedingt verhindern: „Wenn die Kunden erfahren, dass die Bahn ab dem Fahrplanwechsel im Dezember nicht mehr für sie fahren will, springen sie ab.“ In MV bedient DB Cargo rund 40 Verladestellen und Abfertigungspunkte.

Ein Schritt in die falsche Richtung, kritisiert Marcel Drews, Landes-Chef des Fahrgastverbands Pro Bahn: „Das verlagert Transporte von der Schiene auf die Straße.“

Ein weiterer Kritikpunkt des Betriebsrats: der geplante Stellenabbau. Die Bahn will bei der Sanierung des Schienengüterverkehrs auch rund 2100 Arbeitsplätze streichen. Ziel: geringere Fixkosten.

Die Güterbahn will bis Ende 2018 wieder profitabel werden. Geplant ist, den Umsatz bis 2020 um 700 Millionen Euro auf 5,5 Milliarden Euro zu steigern. Damit soll ein Gewinn vor Zinsen und Steuern von 200 Mio. Euro erwirtschaftet werden. Die Sparte war 2015 mit minus 183 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern deutlich in die Verlustzone geraten.

Schwierigkeiten hat die größte Güterbahn Europas aber schon länger. In den vergangenen fünf Jahren musste sie Aufträge an die Konkurrenz abgeben: Der Marktanteil von DB Cargo ging um zehn Prozentpunkte auf 62 Prozent (2015) zurück. Gründe: „Mangelnde Qualität und zu hohen Kosten“, sagt ein Insider. Die Lieferungen erreichten zu oft ihre Ziele nicht pünktlich. Es seien auch Kunden nach den Lokführerstreiks im vorigen Jahr abgesprungen und nur ein Teil davon zurückgekehrt. Im Wettbewerb mit dem Lkw-Verkehr hat die Bahn wegen der niedrigen Dieselpreise einen schweren Stand. Rund 40 Prozent des Umsatzes macht DB Cargo mit Einzelwagen, die mehrmals umgekoppelt mit verschiedenen Zügen ans Ziel kommen.

Ziel des Sanierungskonzepts sei es, den Güterverkehr effizienter zu machen. So sollen die Standzeiten der Loks verkürzt werden. Lokführer sollen bald etwa 70 Prozent statt bisher 55 Prozent ihrer Arbeitszeit Züge bewegen. Für eine Güterzugfahrt quer durch Deutschland werde künftig ein einziges Team zuständig sein, nicht bis zu neun verschiedene wie bisher.

Ein Bahnsprecher sagt gegenüber OZ, über den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Verladestellen gebe es noch keine Beschlüsse. Klar sei jedoch, dass „niemand arbeitslos wird“. Denn: Es bestehe ein „tarifvertraglich verankerter Schutz der Mitarbeiter“. Gleichzeitig gebe „es einen hohen Personalbedarf in anderen Bereichen des DB-Konzerns“. Klartext: Möglich sind andere Einsatzorte und neue Aufgaben.

Von Bernd Röder und Thomas Luczak

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