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Bambi-Gala: Glamour, Tränen und politische Botschaften

68. Verleihung Bambi-Gala: Glamour, Tränen und politische Botschaften

Es ist fast wie ein großes Familientreffen der Sportler: Joachim Löw, Bastian Schweinsteiger und Angelique Kerber - sie alle stehen beim Bambi 2016 auf der Bühne. Doch es geht um mehr als Sport, es geht um Freundschaft, Nächstenliebe und Politik.

Berlin. Fußball-Bundestrainer Joachim Löw steht mit seinem Bambi auf der Bühne: „Lassen Sie uns alle zu einer deutschen Integrationsmannschaft werden“, sagt er am Ende seiner Dankesrede. Er wünsche sich, dass das, was in der Nationalmannschaft gehe, auch in der Gesellschaft funktioniere.

Für Löw sei Integration eine Selbstverständlichkeit, hob die Jury hervor. Schließlich hatten zehn Spieler, die mit der deutschen Mannschaft im Sommer zur Europameisterschaft fuhren, ausländische Wurzeln. So repräsentiere Löw ein multikulturelles, weltoffenes, modernes Deutschland.

Und so geht es bei dieser Bambi-Verleihung am Donnerstagabend längst nicht nur um Glamour und Preise. Es geht um Freundschaft, Liebe und vor allem um Weltoffenheit. Auffällig viele Preisträger und Laudatoren rufen bei der 68. Ausgabe des Burda-Preises auf der Bühne zu Nächstenliebe und Toleranz auf. Im Fernsehen sahen das 4,47 Millionen Zuschauer - mit einem Marktanteil von 16 Prozent lag die im Ersten übertragene Gala damit aber hinter den „Bergrettern“ im ZDF.

Als bester Film wird die Satire „Er ist wieder da“ ausgezeichnet. Er sei heute aktueller denn je, sagt Hauptdarsteller Oliver Masucci, der darin Adolf Hitler spielt: „Diese braune Soße, die sich da durch Europa ergießt, macht mir Sorgen.“ Auch Comedy-Preisträger Bülent Ceylan wird deutlich: „Wir dürfen uns von diesen scheiß Terroristen niemals das Lachen nehmen lassen.“ Auch rechtsextreme Tendenzen machten ihm Angst.

Natürlich wird auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Laudatio für Löw sehr politisch: „Ein Blick in die USA zeigt uns ja, auf welch dünnem Eis wir uns bewegen.“ An den Werten einer Gesellschaft müsse man immer wieder arbeiten, sagt Kretschmann. „Und jeder, ob Mario, Mesut oder Thomas, sollte Chancen haben, Erfolg zu haben und sich hochzuarbeiten.“

Besonders bewegend war für viele Zuschauer der Auftritt zweier Frauen, die die meisten zuvor noch nicht kannten: Die Schwestern Yusra und Sarah Mardini. Sie haben auf ihrer Flucht vor dem Krieg in Syrien bei einem Bootsunglück 18 Menschen gerettet - und bekommen nun den Bambi als „stille Helden“. Das Deutsch der Schwimmerin Yusra holpert noch ein bisschen. Die Botschaft kommt trotzdem an: Sie dankt Deutschland, dass es Flüchtlinge aufnimmt und hilft.

Doch natürlich gibt es sie auch - die unbeschwerten Show-Momente: So sitzt Udo Lindenberg ganz vorn auf der Stuhlkante, als Sting seine Laudatio auf den Panikrocker auf Deutsch hält. Schlagersängerin Helene Fischer hat Tränen in den Augen, als Freund Florian Silbereisen ihr auf der Bühne eine Liebeserklärung macht.

Im Saal seien viele schöne Frauen, sagt Silbereisen, der mit dem Bambi in der Kategorie Fernsehen ausgezeichnet wird. Aber man möge ihm verzeihen, wenn er sage: „Dass ich sehr glücklich und sehr stolz bin, dass die Allerschönste heute mit mir hier ist.“ Helene Fischer könnte in diesem Moment Taschentücher gebrauchen.

Ihre Liebe zeigen auch Bastian Schweinsteiger und die Tennisspielerin Ana Ivanovic. Es ist einer der ersten öffentlichen Auftritte der beiden als Ehepaar. Schweinsteiger nimmt den Ehrenpreis der Jury gerührt von seinem guten Freund und Skirennfahrer Felix Neureuther entgegen. Dieser hatte sich zuvor an seinen Freund gewandt: „Lieber Basti, du bist ein Vorbild für Millionen und nicht nur wegen deiner sportlichen Erfolge, sondern vor allem, weil du das Herz am rechten Fleck hast.“

Schweinsteigers Frau wirft Neureuther dafür eine Kusshand aus dem Publikum zu. Direkt neben ihr sitzt ihre Freundin und Tennis-Kollegin Angelique Kerber, die in der Kategorie Sport geehrt wird. „Ich hab immer für meine Träume gekämpft und die sind wahr geworden“, sagt Kerber. Diesen 17. November wird sie wohl auch abgesehen vom Bambi so schnell nicht vergessen. Sie traf den scheidenden US-Präsidenten Barack Obama, der in Berlin seinen Abschiedsbesuch absolvierte. „Das war eine große Ehre“, sagt sie später auf der Aftershowparty zu dem Treffen, über das sie auch twitterte („Ein Traum ist wahr geworden!!“ - mehr möchte sie aber nicht verraten.

dpa

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