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Nachrichten Wirtschaft „Bananen“ helfen beim Düngen
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08:42 09.06.2017
Der N-Sensor auf dem Traktor ermittelt, wie viel Stickstoff die Pflanzen aufgenommen haben.

„Banane“ oder „Surfbrett“ nennen Spaßvögel das eigenartige Teil auf dem Dach des Treckers. Gemeint ist ein Messgerät, das Bauern beim optimalen Düngerstreuen unterstützt. „Es kommt darauf an, dass jedes Kilo Stickstoffdünger bei der Pflanze ankommt“, sagt Dr. Kerstin Berlin. Die Expertin für Pflanzenernährung arbeitet für den Düngemittelhersteller Yara in Poppendorf bei Rostock. Derzeit ist sie viel in Agrarbetrieben unterwegs. Seit Anfang Juni ist die Düngeverordnung in Kraft, die der Bundesrat im März beschlossen hatte.

Hightech-Sensoren können ermitteln, wieviel Stickstoff Pflanzen brauchen. 120 Agrarbetriebe nutzen solche Geräte in Mecklenburg-Vorpommern.

Die neuen Richtlinien setzen vor allem dem Einsatz von Stickstoff (N – lat.: Nitrogenium) strengere Grenzen.

Direkt an das Yara-Werk grenzt ein Weizenschlag, auf dem die Agrarunion Poppendorf in diesem Jahr erstmals Versuchsparzellen zur Verfügung stellt. „Es ist praktisch, wenn wir Landwirten bei Werksbesuchen verschiedene Düngestrategien nicht nur erläutern, sondern auch gleich auf dem Feld demonstrieren können“, meint Düngespezialistin Kerstin Berlin.

Landwirt Lutz Scheibler, Chef der Poppendorfer Agrarunion, und sein Mitarbeiter Konrad Harbort testen in diesem Jahr erstmals das „Surfbrett“ oder – korrekter ausgedrückt – den N-Sensor. Mit Berufskollegen aus der Region Ribnitz-Damgarten trafen sie sich in dieser Woche zum Fachsimpeln. 120 Agrarbetriebe in MV nutzen bereits diese Technik. Auch andere Hersteller bieten ähnliche Neuentwicklungen an.

Der sogenannte N-Sensor besteht aus zwei Spektrometern, Lichtleitern mit Optik sowie der Betriebs-Elektronik. Das Gerät misst auf dem Feld die Biomasse und den Chlorophyllgehalt in den Blättern. „Das gibt uns Auskunft darüber, wie viel Stickstoff die Pflanzen bereits aufgenommen haben und wie viel sie jetzt noch brauchen“, erläutert Expertin Kerstin Berlin.

„Wenn wir den aktuellen Stickstoffbedarf der Pflanzen kennen, können wir präziser arbeiten“, bestätigt Martin Bentzien von der Landwirtschafts GmbH Kavelsdorf (Vorpommern-Rügen). Der Agrarbetrieb arbeitete sogar schon mit dem Vorgängermodell der „Banane“ und nutzt jetzt das aktuelle Modell. Sven Heidkamp, der junge Geschäftsführer der Michael Rehmer GmbH in Kaschow bei Grimmen, berichtet ebenfalls über positive Erfahrungen mit dem 45000 Euro teuren Gerät. „Man kann passgenauer als vorher düngen.“

Ob sie damit tatsächlich Stickstoff sparen, davon sind die Bauern aber nicht überzeugt. „Wahrscheinlich brauche ich die gleiche Menge Stickstoff“, sagt der Poppendorfer, Lutz Scheibler. „Aber die werden nicht mehr gleichmäßig über den Acker gestreut.“ Da die Pflanzen auf einem Schlag an verschiedenen Stellen unterschiedlich stark wachsen, werden sie nun unterschiedlich gedüngt. Scheibler: „Dieselbe Menge Dünger bringt dann bessere Erträge.“

Frank Hartmann aus Wustrow jedoch winkt ab. Für seinen 300-Hektar-Betrieb kommt die Anschaffung nicht in Betracht. „Viel zu teuer“, meint er. Immerhin nutzt Hartmann den kleinen N-Tester – ein Handgerät, das ebenfalls den Chlorophyllgehalt der Pflanzen anzeigt. Bei dem Treffen in Poppendorf sehen die meisten Landwirte die neue Düngeverordnung erstaunlich gelassen. Die meisten von ihnen sind Ackerbauern. Die strengeren Grenzwerte bringen sie nicht wirklich aus der Fassung. „Wir wussten ja, dass sie kommt und haben uns schon darauf eingestellt“, sagt Marten Bentzien. Die Ackerbauern wissen aber auch, dass Betriebe mit hohen Tierbeständen mehr Probleme mit den neuen Vorschriften haben. Bentzien: „Vor allem in Niedersachsen, da ist die Viehdichte ja viel höher als hier bei uns.“

Allerdings gibt es auch in MV Regionen, in denen das Grundwasser stark mit Nitraten belastet ist. Dort müssen die Landwirte möglicherweise mit zusätzlichen Einschränkungen rechnen, hieß es gestern aus dem Schweriner Agrarministerium. Denn die neue Düngeverordnung verpflichtet die Länder in solchen Gebieten zu „zusätzlichen Maßnahmen“.

Landesbauernpräsident Detlef Kurreck kritisiert, dass die neuen Vorgaben für die Bauern mit mehr Bürokratie verbunden sind. „Alles muss nachgewiesen und abgerechnet werden, der Aufwand ist beträchtlich. Das ärgert uns natürlich“, sagt der Landwirt, selbst Ackerbauer bei Bad Doberan. Er begrüßt aber, dass für Betriebe, die neue Gülletechnik brauchen, Förderprogramme aufgelegt wurden.

Neue Richtlinie: im Herbst weniger Stickstoff auf den Acker

Die Düngeverordnung schreibt den Bauern vor, vor dem Düngen den Bedarf der Pflanzen exakter zu ermitteln. Ziel ist es, die Effizienz der eingesetzten Nährstoffe zu steigern.

Außerdem gelten strengere Fristen. Auf Ackerflächen darf maximal bis 1. Oktober, auf Grünland bis 1. November gedüngt werden, da die Pflanzen im Winter keine Nährstoffe aufnehmen. Dann besteht die Gefahr, dass sie in Gewässer ausgeschwemmt werden. Im Herbst wird die Stickstoffgabe auf maximal 60 Kilogramm pro Hektar begrenzt. Die Abstände für Stickstoff- und Phosphatdüngung in der Nähe von Gewässern vergrößern sich.

Agrarbetriebe mit Vieh müssen für Gülle und Gärreste Lagermöglichkeiten für mindestens sechs Monate bereithalten. Organischer Dünger soll künftig innerhalb von vier Stunden in den Boden eingearbeitet werden.

Elke Ehlers

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