Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Bankenverband unterstützt Schäubles Plan gegen Steuerbetrug
Nachrichten Wirtschaft Bankenverband unterstützt Schäubles Plan gegen Steuerbetrug
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:44 12.04.2016
Berlin

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) unterstützt den jüngsten Plan von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gegen Steuerbetrug mit Hilfe von Briefkastenfirmen im Ausland. „Dem kann man nur beipflichten“, sagte der bisherige Verbandspräsident Jürgen Fitschen in Berlin.

„Er tut nicht nur den Finanzbehörden damit etwas Gutes, sondern auch den Banken.“ Für diese sei es „eine unangenehme Situation, immer in Verbindung mit diesen Themen in ein Licht gerückt zu werden, in dem wir nicht gesehen werden wollen.“

„Ich bin sicher, dass diese Meldepflichten auch dazu führen, dass es weniger Anlass zu Zweifel gibt“, sagte Fitschen zu Schäubles Vorschlägen. Der Finanzminister hatte sich am Sonntag für ein weltweit vernetztes Transparenzregister ausgesprochen. Dadurch sollen die Hintermänner verschachtelter Unternehmenskonstruktionen sichtbar werden. Hintergrund ist die Aufdeckung Hunderttausender anonymer Briefkastenfirmen in Panama.

Fitschen, Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, übergab am Montag sein Amt als BdB-Präsident turnusgemäß nach drei Jahren an den Chef der Hamburger Privatbank Berenberg, Hans-Walter Peters. Fitschen, der im Mai auch die Führung der Deutschen Bank verlässt, scheidet auch aus dem Vorstand des BdB aus. Sein Nachfolger wird sein bisheriger Co-Chef bei der Deutschen Bank, John Cryan, der nach dem Abgang Fitschens das Geldhaus alleine leiten wird.

Der neue BdB-Chef Peters sagte, anders als vor zehn Jahren könnten die Banken heute dank moderner Datenverarbeitung leichter herausfinden, ob ihre Kunden legal erworbenes, korrekt versteuertes Geld anlegten oder nicht.

Fitschen sagte, grundsätzlich sei es nicht neu, dass Unternehmen in Steueroasen gingen. „Keiner kann behaupten, er wusste nicht, dass es so etwas gibt. Wir wissen, dass es viele Länder gibt, wo es diese Briefkastenfirmen gibt. Wir brauchen nicht nach Panama zu gehen.“ Es seien aber nicht Banken, die solche Firmen etablierten, sondern beispielsweise Anwaltskanzleien.

Die deutschen Banken kämen schon heute den gesetzlichen Pflichten zur Aufdeckung von Steuerdelikten nach, betonte Fitschen. Das zeigte etwa eine Zahl: „Im Jahr 2014 sind in Deutschland knapp 25 000 Geldwäsche-Anzeigen von Banken gemacht worden“, etwa doppelt so viele wie 2012. Das Bundeskriminalamt habe den Banken hierfür ein vorbildliches Verhalten bescheinigt.

Peters zeigte sich besorgt über die andauernde Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein negativer Zins für Einlagen der Banken bei der EZB wie die derzeit geltenden minus 0,4 Prozent seien „nur schwer auszuhalten“. Bislang kämen 70 Prozent der Bankenerträge aus der Zinsdifferenz, die die Institute erwirtschafteten. Diese Marge werde immer kleiner.

dpa

Mehr zum Thema

Der Skandal um Briefkastenfirmen in Panama zieht weitere Kreise. Die EU-Kommission droht mit einer „Schwarzen Liste“ aller Steueroasen und Strafen. Forderungen nach mehr Transparenz werden lauter.

08.04.2016

Beflügelt von Einmaleffekten in Höhe von rund 200 Milionen Euro legt die NordLB für 2015 eine robuste Bilanz vor. Die neue Führung an der Spitze der Landesbank muss sich aber fürs laufende Jahr auf ein geringeres Ergebnis einstellen. Das Schiffsgeschäft leidet.

08.04.2016

Untersuchungen und Ermittlungen zum Venezuela-Geschäft der Bundesdruckerei gab es schon früher. Jetzt taucht der Name des Staatsunternehmens zusammen mit einer Briefkastenfirma in den „Panama Papers“ auf. Der Fall sorgt für neue Brisanz.

10.04.2016

Folgende Sorten- und Devisenkurse wurden am 11.04.2016 um 16:34 Uhr festgestellt (alle Angaben in Euro): Quelle: Sorten: HSH Nordbank/Devisen: Reuters/oraise ...

11.04.2016

40 000 Stahlkocher schlagen Alarm, die Gewerkschaft warnt vor massiven Arbeitsplatzverlusten, Wirtschaftsminister Gabriel sagt Unterstützung zu - die anhaltende Krise der Branche sorgt für Unruhe.

12.04.2016

Es ist fast ein Déjà-vu: Wieder ziehen sich die Verhandlungen zwischen Athen und seinen Gläubigern in die Länge. Jetzt werden sogar zwei verschiedene Ergebnisse erwartet.

12.04.2016