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Banker: Frankfurt sollte vom Brexit profitieren

Firmenverlagerungen ab 2017 Banker: Frankfurt sollte vom Brexit profitieren

Wird Frankfurt nach dem Brexit das neue London? Die Hoffnungen am führenden deutschen Finanzplatz sind groß. Es gibt aber auch Zweifel - und noch einiges zu tun.

Frankfurt/Main. Frankfurt hat nach Einschätzung führender Banker gute Chancen, vom britischen EU-Austritt zu profitieren. Allerdings müsse Deutschland mehr tun, um Banken nach dem Brexit von der Themse an den Main zu locken.

„Frankfurt ist von den Standorten der, der klar am besten positioniert ist“, sagte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Marcus Schenck, bei einer Tagung in Frankfurt. Um diese Chance zu nutzen, müsse sich Deutschland aber noch bewegen. „Man wird sich Gedanken machen müssen, wie man eine größere Flexibilität kreieren kann“, sagte Schenck - etwa im Arbeitsrecht.

„Der Brexit eröffnet neue Chancen für die Banken des Euroraums“, befand der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Vítor Constâncio. Aktuell macht das Zinstief den Instituten schwer zu schaffen. Constâncio betonte jedoch: „Niedrige oder negative Zinssätze können nicht per se für niedrige Profitabilität verantwortlich gemacht werden.“

Die Geldpolitik der EZB habe im Gegenteil seit 2014 „einen positiven Effekt auf die Profitabilität der Banken“ gehabt. So seien beispielsweise die Finanzierungskosten gesunken. Die EZB sei sich durchaus bewusst, dass einige der positiven Effekte über die Zeit nachließen. Es sei klar, „dass Europas Banken ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen, um ihre Geschäftsaussichten zu verbessern“.

Das Bundesfinanzministerium rechnet damit, dass Banken und Unternehmen bald mit einer Verlagerung von Geschäften nach Deutschland beginnen werden. Im Finanzministerium gebe es „vermehrt Gesprächsanfragen„ zu diesem Thema, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Steffen. „Wir gehen aus, dass wir im Frühjahr 2017 vermehrt konkrete Entscheidungen sehen werden zu der Frage der Standortverlagerung.“

Allerdings werben andere Finanzplätze wie Dublin und Paris seit dem Nein der Briten zur Europäischen Union Ende Juni nach Beobachtung von HSBC-Deutschland-Chefin Carola Gräfin von Schmettow viel intensiver um die Finanzbranche von der Insel. „Aus Berlin und Frankfurt habe ich wenig gehört.“ Frankreich etwa locke mit Steuervorteilen.

„Ich bin optimistisch für Frankfurt und damit für Deutschland als Standort“, sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. „Das größte Risiko ist, dass wir den Engländern gefallen wollen“, sagte Kirsch mit Blick auf die anstehenden Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit den Briten. „Wir sollten an die 27 denken, die in diesem Club bleiben und etwas vorantreiben wollen. Europa kann allenfalls einen Hub brauchen im Wettbewerb mit den internationalen Finanzplätzen - und dafür muss Frankfurt kämpfen.“

Staatssekretär Steffen betonte, bei den anstehenden Austrittsverhandlungen der 27 verbleibenden EU-Staaten mit Großbritannien gehe es „ausdrücklich nicht um eine Bestrafung“ der Briten. „Es geht darum, jeden Dominoeffekt gegenüber anderen Ländern der EU-27 zu verhindern. Eine EU à la carte kann es nicht geben, man kann sich nicht die Vorteile herauspicken, es muss ein ausbalanciertes Gesamtpaket sein“, betont Steffen.

dpa

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