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Bauern in MV müssen sich auf weniger EU-Hilfe einstellen

Linstow Bauern in MV müssen sich auf weniger EU-Hilfe einstellen

In Linstow berieten 500 Experten über die Zukunft der Landwirtschaft

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Bald geht’s wieder los: Mitte März startet die Frühjahrsbestellung – wie hier auf einem Feld des Gutes Vorder Bollhagen (Kreis Rostock).

Quelle: Foto: Frank Söllner

Linstow. Deutschlands Bauern müssen sich langfristig auf weniger Unterstützung durch die EU einstellen. Allein durch den Austritt Großbritanniens werde es zu Finanzausfällen kommen, die sich nach 2020 auswirken, erklärte Rudolf Mögele von der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission gestern in Linstow (Landkreis Rostock).

OZ-Bild

In Linstow berieten 500 Experten über die Zukunft der Landwirtschaft

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Anlass war der Landwirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Mecklenburg-Vorpommern, auf dem rund 500 Teilnehmer über Perspektiven der Landwirtschaft berieten.

Der CDU-Staatssekretär im Bundesagrarministerium Hermann Onko Aikens warnte davor, EU-Direktzahlungen für Landwirte zugunsten von Umweltprojekten umzuschichten. Dieses Umschichten der Direktbeihilfen aus der ersten in die sogenannte zweite Säule der Förderung habe das Berliner Bundesumweltministerium vorgeschlagen. „Das Geld wird nicht mehr, wenn sich Beamte und Politiker um Umverteilung kümmern.“ Mögele schlug vor, die EU-Förderung wieder ganz zusammenzufassen, um Bürokratie abzubauen und doppelte Zuschüsse für gleiche Zwecke im ländlichen Raum zu vermeiden. Ungeachtet der Probleme der Agrarbranche mit teuren Bodenpreisen und zu niedrigen Milch- und Fleischpreisen rechnet das Bundesagrarministerium aber damit, dass in Ostdeutschland mehr Vieh gehalten werden könne, sagte Aikens. Dann dürfe den Bauern jedoch das Bauen neuer Ställe nicht so schwer gemacht werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) kritisierte, dass wegen der Nullzinspolitik der EU immer mehr reiche Unternehmer in die Agrarbranche drängten. Das verteure den Boden. „Wer in der Industrie Erfolg hat, leistet sich wie früher ein Gut im Nordosten.“ Das sei einst 1000 Hektar groß gewesen, heute 5000 bis 12 000 Hektar.

Als „schlechtes Beispiel“, wie EU-Geld an der Region vorbeifließe, nannte Aikens das Ende des Konzerns KTG Agrar, der 2016 in Insolvenz ging. Die Firma war mit 800 Mitarbeitern und mehr als 46000 Hektar bewirtschafteter Fläche – vor allem in Brandenburg, aber auch Mecklenburg-Vorpommern – der größte deutsche Agrarkonzern und hatte rund 10000 Gläubiger. Nun kämen die Direktzahlungen einem Rückversicherer in München und dem jetzigen Bodeneigentümer in Liechtenstein zu Gute, meinte Aikens.

Die Landwirte befinden sich nach Angaben des Landesbauernverbandes in einer schwierigen Situation. Die Milchpreise lägen mit 32 Cent pro Kilogramm Milch weiter zu niedrig, auch die Fleischpreise hätten sich noch nicht erholt, und dazu sei die Ernte 2016 für viele Betriebe schlecht ausgefallen.

Die Agrarbranche gehört mit 21000 Beschäftigten im Nordosten zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und hat im Bundesvergleich eher große Strukturen. Die Agrarbranche gilt für die Volks- und Raiffeisenbanken als sehr wichtiger Kundenkreis, sagte V&R-Sprecher Dieter Heidenreich. Lag das Kreditvolumen für die Land- und Forstwirtschaft im Nordosten 2015 noch bei 551 Millionen Euro, stieg es 2016 um vier Prozent auf 575 Millionen Euro. Die ausufernde Agrar-Bürokratie müsse aber gebremst werden.

Mehr Geld für Beratung

MV zahlt mehr für die fachliche Beratung von Landwirten. Der Landeszuschuss wird 2017 um 44 000 auf 595000 Euro aufgestockt, teilte das Agrarministerium mit. Damit können acht statt sechs Agrarberater finanziert werden. Die LMS Agrarberatung ist eine Firma mit Landesbeteiligung. Hauptsitz ist Rostock, Büros gibt es in Schwerin und Neubrandenburg. 2016 verbuchte die GmbH einen Umsatz von 6,3 Millionen Euro, 2,7 Millionen davon durch die Agrarberatung.

Winfried Wagner

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