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Bauern sagen Nein zu Plänen von Nord Stream 2

Insel Rügen/Stralsund Bauern sagen Nein zu Plänen von Nord Stream 2

Pipeline-Konzern will Ackerland zu Weideland umwandeln, um Erdgas-Trasse bauen zu dürfen. Der Widerstand wächst

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Rügens Landwirte, hier auf dem Hof von Johann Tophoff-Kaup, wehren sich gegen Nord Stream.

Quelle: Foto: Alex Müller

Insel Rügen/Stralsund. Der Widerstand gegen die Umwelt-Pläne des Pipeline-Konzerns Nord Stream 2 für Rügen wächst. Neben betroffenen Landwirten haben am Montagabend auch Lokalpolitiker des Landkreises Vorpommern-Rügen die avisierten Kompensationsmaßnahmen im Gegenzug für den Bau der Riesenröhre durch die Ostsee geschlossen abgelehnt. Gestern hat das Thema gar die Bundeskanzlerin erreicht. Beim Besuch ihres Wahlkreises diskutierte Angela Merkel (CDU) mit dem Bauernverband in Klausdorf über das Thema. „Keiner von uns Landwirten hat Interesse an dem, was Nord Stream bei uns vorhat. Wir wollen Landwirtschaft betreiben und nicht von Subventionen leben“, sagt Johann Tophoff-Kaup aus Neklade bei Bergen.

OZ-Bild

Pipeline-Konzern will Ackerland zu Weideland umwandeln, um Erdgas-Trasse bauen zu dürfen. Der Widerstand wächst

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Nord Stream 2 plant eine 1200-Kilometer-Erdgas-Pipeline durch die Ostsee, die von Lubmin bei Greifswald bis nach Russland führen und parallel zur ersten Nord-Stream-Trasse verlaufen soll. 85 km sind auf deutschem Territorium, weswegen Ausgleichsmaßnahmen für den Umwelt-Eingriff notwendig werden. Nord Stream will dazu große Flächen Ackerland auf Rügen renaturieren, damit weniger Pestizide aus der Landwirtschaft in den Greifswalder Bodden gelangen. „Die Kompensationsmaßnahmen haben das Ziel, den Eintrag von Nährstoffen, besonders Stickstoff, sowie Pestiziden in den Greifswalder Bodden zu reduzieren und so langfristig den ökologischen Zustand des Gewässers zu verbessern“, sagt Sprecher Steffen Ebert. Dafür hat der Konzern rund 3000 Hektar Ackerland auf Rügen ins Auge gefasst, auf denen die Bauern bislang Gerste, Weizen, Raps und mehr anbauen. Das Unternehmen geht jedoch davon aus, dass letztlich nur 1000 Hektar benötigt werden. Laut Sprecher Ebert soll kein Landwirt zur Kooperation gezwungen werden. Man sei zuversichtlich, mit den betroffenen Flächeneigentümern und Pächtern im Dialog Lösungen zu finden, die für alle Seiten akzeptabel sind. Erste Gespräche dazu gab es schon. Betroffene Landwirte glauben jedoch nicht, dass Nord Stream einfach wieder abzieht, wenn sie geschlossen „Nein“ zu den Plänen sagen.

Ein Knackpunkt ist, dass die Kompensationsmaßnahmen eine Laufzeit von 25 Jahren haben. Nur für diese Zeit bekommen die Landwirte auch finanzielle Entschädigung. Nach dieser Zeit ist es allerdings gesetzlich nicht erlaubt, die renaturierten Bereiche wieder in Ackerland umzuwandeln. „Aus meiner Sicht ist das deswegen eine Enteignung“, sagt der Putbuser Landwirt Ulrich Prehl.

Aus dem zuständigen Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung von Christian Pegel (SPD) heißt es, dass eine Enteignung nicht das Ziel der Landesregierung sei, man auf eine einvernehmliche Lösung setze. Es ist demnach unklar, ob das rechtlich überhaupt durchsetzbar wäre. „Das Bundesverwaltungsgericht hat dies bei erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen für Infrastrukturprojekte bejaht, sich bisher aber nicht zur Frage geäußert, ob eine Enteignung auch möglich ist, wenn es um das Projekt eines Privaten geht, durch den die erforderlichen Kompensationsmaßnahmen ausgelöst werden“, sagt Sprecherin Renate Gundlach.

Alexander Müller

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