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Beschäftigte und Politik richten sich auf Opel-Verkauf ein

Arbeitsplätze im Vordergrund Beschäftigte und Politik richten sich auf Opel-Verkauf ein

Opel war wohl die längste Zeit Teil des General-Motors-Konzerns. Am Ende einer turbulenten Woche richten sich Politik und Arbeitnehmer nur noch darauf ein, bei einem Verkauf an PSA möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

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Opel hat rund 38 200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland.

Quelle: Andreas Arnold

Frankfurt/Rüsselsheim. Die Bundesregierung geht von einer Übernahme von Opel durch den französischen Autokonzern PSA Peugeot Citroën aus. Die Vertragsverhandlungen zwischen den Unternehmen seien „relativ weit fortgeschritten“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Die Opel-Betriebsräte und die IG Metall boten dem französischen Konzern konstruktive Gespräche an.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete, verhandeln die beiden Konzerne über einen Preis für Opel in Höhe von zwei Milliarden Dollar (rund 1,9 Milliarden Euro) - davon wären rund eine Milliarde in bar sowie einer Milliarde für Schulden. Ein Opel-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte, es werde alles, was politisch möglich sei, getan, „dass die Arbeitsplätze und Standorte in Deutschland gesichert sind.“ Die Gespräche seien in Gang gebracht worden und müssten nun abgewartet werden, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau. Für Bund und Länder soll Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) die Gespräche mit den Unternehmen und der französischen Regierung koordinieren.

Die Bundesregierung war von den Übernahmeplänen überrascht worden. Opel hat rund 38 200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Es gibt Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern. Der rund dreimal so große PSA-Konzern und Opel arbeiten bereits seit 2012 in verschiedenen Projekten in Europa zusammen.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann bezeichnete ein Zusammengehen seines Unternehmens mit PSA als „prinzipiell sinnvoll“. Man setzte alles daran, die Zukunft von Opel nachhaltig zu gestalten, verbreitete der Manager ebenso auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Hier eröffnet sich die Chance, einen europäischen Champion zu schaffen und nach 88 Jahren Zugehörigkeit zu GM ein neues erfolgreiches Kapitel unserer Geschichte aufzuschlagen“, schrieb Neumann in einem Brief an die Mitarbeiter, der „Bild am Sonntag“ vorliegt. Nach Informationen des „Manager Magazins“ soll Neumann auch im Fall einer Übernahme Chef eines weiterhin eigenständigen Unternehmens Opel bleiben.

Die IG Metall will bei der möglichen Übernahme auf die bestehenden Tarifverträge pochen. Sowohl die Arbeitsplatzgarantien als auch die Zusagen der Opel-Mutter General Motors zu Investitionen und Produktionsplanungen müssten eingehalten werden, sagte der Chef des Gewerkschaftsbezirk Mitte, Jörg Köhlinger, in Frankfurt. „Wir erwarten, das alle Standorte und Arbeitsplätze gesichert bleiben.“

Die Mitarbeiter machen sich natürlich Sorgen, wurde am Werkstor in Rüsselsheim deutlich. „Was soll schon für eine Stimmung sein? Derselbe Scheiß wie damals bei Magna!“, erinnert einer an den Fastverkauf aus dem Jahr 2009. Ein Kollege sieht das anders: „Das heißt doch nichts Böses, wenn Peugeot kommt.“ Der Besitzer sei egal - Hauptsache, der Lohn werde gezahlt. „Ich habe nichts gegen GM, aber auch nichts gegen Peugeot.“

Nach Köhlingers Darstellung sind die fast 20 000 Opel-Beschäftigten in Deutschland bis Ende 2018 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt, während die Investitionszusagen sogar bis ins Jahr 2020 reichen und auch für die Zeit danach ihre arbeitplatzerhaltende Wirkung entfalten. „Es geht nicht nur um technische Prozesse, es geht auch um die Menschen“, erklärte der Gewerkschafter im Anschluss an eine Betriebsversammlung am Opel-Stammsitz Rüsselsheim.

PSA und General Motors seien den Beschäftigten noch viele Antworten schuldig, etwa zum industriepolitischen Konzept eines möglichen Zusammenschlusses, meinte Köhlinger. Ein wichtiges Ziel sei es, Opel als Marke zu erhalten. Die Arbeitnehmervertreter seien zu konstruktiven Gesprächen bereit und erwarteten von der Unternehmensseite Transparenz. In der Zusammenarbeit mit PSA lägen auch viele Chancen, etwa bei der Nutzung gemeinsamer Plattformen, zusätzlichen Absatzchancen und Skaleneffekten etwa im Einkauf. Bei den anstehenden Herausforderungen etwa zur Elektrifizierung könne er sich auch eine weitere strategische Zusammenarbeit mit GM vorstellen.

Die Tarifverträge haben ihren Ursprung in der vorangegangenen Sanierung. Im Rechtsstreit um das Ende der Autofertigung im Opel-Werk Bochum hat das Landgericht Darmstadt am Freitag die Klage des früheren Betriebsratschefs Rainer Einenkel abgewiesen. Er hatte versucht, einen Aufsichtsratsbeschluss zur Vorbereitung der Werksschließung aus formalen Gründen für nichtig erklären zu lassen. Das lehnte die Zivilkammer ab, wie ein Justizsprecher am Freitag mitteilte. Für die Opel-Mitarbeiter in Bochum kommt das Urteil ohnehin zu spät: Am 5. Dezember 2014 wurde dort der letzte Wagen gefertigt.

Die deutschen Opel-Händler schreckt eine Übernahme durch PSA nicht. „Beide Hersteller bringen zukunftsweisende neue Modelle auf den Markt, warum soll daraus nicht mehr werden?“, sagte Peter Hübner, Vorstand des Händlerverbandes VDOH, dem „Tagesspiegel“ (Samstag). Dass sich Opel-, Peugeot- und Citroën-Autohäuser nach einer Übernahme gegenseitig kannibalisieren würden, sei unwahrscheinlich.

dpa

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