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Bier und Brause: Die Dose drängt wieder in die Supermärkte

Bier und Brause: Die Dose drängt wieder in die Supermärkte

Zwei Milliarden Blechbüchsen verkauft / Umweltschützer: Dosen sind unökologisch

Rostock . Die umstrittene Getränkebüchse im Supermarktregal: Vom Comeback der Dose ist die Rede; die Branche bejubelt Absatzrekorde. Über zwei Milliarden Getränkedosen seien im vergangenen Jahr in Deutschland abgesetzt worden, teilt der europäische Verband der Getränkedosenhersteller BCME mit. Das sei ein neuer „Bestwert“.

Die steigenden Verkaufszahlen von Dosen bestätigt der in Stavenhagen (Mecklenburgische Seenplatte) ansässige Discounter Netto. Der Trend sei seit drei bis vier Jahren zu beobachten, erklärt Sprecherin Kirsten Danert gegenüber der OZ. Netto betreibt in Nord- und Ostdeutschland rund 350 Filialen.

Ein Grund für die Rückkehr der Dose sei der Erfolg des Energiedrinks Red Bull. Das Getränk habe sich in der Flasche aus PET-Kunststoff „nie durchgesetzt, sondern wurde fast nur in der Dose gekauft“, sagt Kirsten Danert. Auf die Weise seien junge Leute zur Dose gekommen. Inzwischen steige auch der Absatz von Bier und Brause, etwa Coca Cola, wieder – zum Ärger von Umweltschützern.

Im Jahr 2003 wollte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) den Behältern den Garaus machen. Trittin belegte die Blechbüchse mit einem Pfand in Höhe von 25 Cent – und die Rechnung ging zunächst auf. Der Dosen-Absatz brach von rund acht Milliarden Stück zu Vor-Pfand-Zeiten ein auf nur noch 500000 Stück im Jahr 2003.

Aber nun scheint die Dose zu neuem Leben zu erwachen. Aldi Nord und Süd verkaufen wieder Dosenbier, das 2003 aus dem Sortiment gestrichen wurde. Auch Lidl setzt auf die Büchse. Der Sprecher des Dosenhersteller-Verbands BCME, Welf Jung, freut sich: Ein Absatz von mehr als zwei Milliarden Dosen zeige, dass der Verbraucher die Dose „mit all ihren Vorteilen annimmt“. So sei diese Art der Verpackung besonders im Sommer beliebt. Denn sie lasse sich einfach kühlen, sei leicht und handlich. Auch gegen das miese Umweltimage der Blechbüchse wehrt sich der Lobby-Verband. Getränkedosen seien wiederverwertbar, würden immer leichter und daher die Umwelt schonen, heißt es unter dem Stichwort „Nachhaltigkeit“ auf der BCME-Internetseite. Solche bemühten Argumente lassen Umweltschützer schäumen: „Getränkedosen gehören zu den unökologischsten Verpackungen überhaupt“, kritisiert der Recycling-Experte des Vereins Deutsche Umwelthilfe (Berlin), Thomas Fischer. Anstatt die Umwelt zu schonen, seien Dosen „hochgradig schädliche Ressourcenfresser“.

Ist die Wiederverwertbarkeit des Verpackungsmaterials also nur Augenwischerei? Ja, sagt Fischer: Aus den gesammelten Dosen werde alles Mögliche hergestellt, doch kaum neue Getränkebüchsen. So enthalte eine Weißblechdose weniger als sechs Prozent Recyclingmaterial, eine Aluminiumdose gar keine Anteile. Zudem würden zur Förderung von Aluminiumerz „vor allem in Brasilien, Australien und China ganze Landstriche umgegraben und hochgiftige Industrienebenerzeugnisse freigesetzt“.

Fischer findet harsche Worte: Die angeblichen Erfolgsmeldungen der Hersteller seien „verzweifelte Versuche einer sterbenden Industrie, sich selbst am Leben zu erhalten und künstlich Trends zu setzen, die keine sind“. Discounter würden Dosen nur listen, weil die Industrie mit Rabatten und Kampfpreisen „unverschämt günstige Angebote“ mache.

Während der Lobby-Verband einem steigenden Absatz von Bierbüchsen bei der Fußball-Europameisterschaft entgegenfiebert, bricht die Umwelthilfe eine Lanze für Mehrweg. „Mehrwegflaschen können bis zu 50-mal wiederbefüllt werden“, betont Fischer. Laut den Berechnungen des Bundesverbands Glasindustrie weise eine 0,5 Liter Glas-Mehrwegflasche für Bier mit 450 Kilometer Transportentfernung bereits nach zwei Wiederbefüllungen eine bessere Klimabilanz auf als eine Weißblechdose mit demselben Füllvolumen.

Axel Meyer

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