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Wirtschaft Bio-Ei-Landwirte fühlen sich zu Unrecht verdächtigt
Nachrichten Wirtschaft Bio-Ei-Landwirte fühlen sich zu Unrecht verdächtigt
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00:00 14.03.2013
Durchleuchtet: Jedes einzelne Ei wird von Hand untersucht.
Todendorf

Friedrich Behrens (59) hat das Vertrauen ins Ei noch nicht verloren. Durchschnittlich 500 Eier verzehrt der Landwirt aus Fürstenhof bei Gnoien (Landkreis Rostock) pro Jahr. Behrens‘ Branche ist aber ins Gerede gekommen. Wie viel Bio steckt im Bio-Ei? Erst diese Woche verhängte das Schweriner Landwirtschaftsministerium ein Verkaufsverbot für die Eier von 12

000 Öko-Hennen aus Mecklenburg-Vorpommern als Bio-Ware. Die Tiere sollen auf zu wenig Fläche gehalten worden sein. Vor zwei Wochen wurden bundesweit ähnliche Fälle bekannt.

Auch Behrens stand schon in der Kritik. Tierschützer filmten nachts heimlich in seinen Ställen. Vergangenen Sommer zeigte der MDR Bilder, die aus Anlagen stammen sollen, die zur Erzeugergemeinschaft Fürstenhof gehören, deren Geschäftsführer Behrens ist. Die Tiere wirkten dreckig und zerrupft, die Ställe überfüllt. Der Begriff vom „Industrie-Bio“ machte daraufhin die Runde.

„Es gibt keinen Grund, nachts bei uns einzusteigen“, sagt Behrens. Jeder könne seine Tiere sehen. Allerdings begleitet und am Tage. Auch für die Medien stehe jeder Stall der von ihm mitgegründeten Erzeugergemeinschaft offen. Der Zusammenschluss aus 14 Betrieben liefert jedes zehnte Bio-Ei in Deutschland. Behrens, der eigentlich gelernter Verkäufer ist, erwarb 2003 die Domäne Fürstenhof und gründete einen Biobetrieb, der täglich rund 20 000 Eier erzeugt. Zuvor hatte er in Niedersachsen auf konventionelle Art Eier produziert.

In der Domäne leben 28 000 Hühner in drei Stallgebäuden, jeweils 3000 Tiere in räumlich abgetrennten Einzelställen. Das ist die zulässige Obergrenze. Der Bund für Umwelt und Naturschutz fordert maximal 1000 Tiere je Stall. Sonst sei es industrielle Tierhaltung.

„Wir sind kein Industriebetrieb“, sagt Behrens. Er öffnet die Tür zum größten Gebäude. In dem langen, flachen Hallenbau leben insgesamt 21 000 Tiere. Die Hühner verteilen sich auf drei Bereiche — einen fensterlosen Legestall, einen halboffenen „Wintergarten“ und ein großes Freilaufgelände. Vier Quadratmeter je Henne müssten es sein. Ein Teil der Vorwürfe, die in diesen Wochen diskutiert werden, dreht sich um die Einhaltung dieser Vorschrift.

Im Legebereich ist es sehr voll, im Wintergarten drängen sich deutlich weniger Hühner, auf der Freilauffläche ist es gähnend leer. Bei dem eisigen Winterwetter ist es den Hennen zu kalt. Viele Tiere haben federlose und gerötete Hinterteile. Ansonsten machen sie einen gesunden, sauberen Eindruck. Der nackte Hintern sei eine Folge des Sitzens beim Eierlegen, erklärt Behrens. Die Tiere in diesem Stall sind 53 Wochen alt und haben noch ein Jahr als Legehenne vor sich. Dann enden sie als Suppenhuhn oder in Fertiggerichten. In einem anderen Gebäude sind jüngere Hühner — ohne nackte Hinterteile.

Behrens wirft den Tierschützern von Animal Rights Watch, die heimlich in seinem Ställen filmten, vor, anderen ihre Ideologie aufzwingen zu wollen — die daraus bestehe, überhaupt keine Tierprodukte zu verwenden. Die Schreiadler, die rund um Gnoien leben, stört dieser Streit jedenfalls nicht. Immer wieder holen sie sich Hühner von der Freilauffläche. Die Greifvögel mögen offenbar Bio-Kost.

Verband: Tierhaltern bleibt wenig
Der Geflügelwirtschaftsverband MV hat die Geflügelhalter im Nordosten aufgefordert, die gesetzlichen Bestimmungen genau zu beachten, sagte die Verbandsvorsitzende Marion Dorn mit Blick auf das vorübergehende Bio-Eier-Verkaufsverbot für drei Firmen. Die andere Wahrheit sei aber auch, dass die Preise — auch für Eier — kaum zum Überleben reichten, erklärte Dorn auf der Jahrestagung des Verbandes. Die Geflügelhalter hätten unter massiv gestiegenen Futterkosten zu leiden, erklärte die Verbandsvorsitzende. „Das ging so weit, dass etwa ein Fünftel aller Geflügelbetriebe in diesem Winter aus Kostengründen ihre Ställe leer gelassen haben.“ Das sei überproportional viel. Da Futterkosten bereits drei Viertel aller Kosten ausmachten, könnten einige Firmen die Heizungskosten nicht mehr bewältigen. Im Nordosten werden rund sechs Millionen Hähnchen gemästet und 2,1 Millionen Legehennen gehalten.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagte, Öko-Betriebe und konventionelle Tierhalter dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer Käfighaltung vermeide, müsse auch zusätzliche Boden- und Freilandhaltungen zulassen, forderte er mit Blick auf geplante, aber umstrittene Stallneubauten.

„Unsere Betriebe verlangen erneut eine genaue Kennzeichnung des Fleisches, das in Tiefkühlprodukten verarbeitet wird“, sagte die Verbandsgeschäftsführerin Silvia Ey. So wichen Käufer oft aus Unsicherheit auf Tiefkühlprodukte aus, in denen Hähnchenfleisch aus Brasilien verarbeitet werde — dem weltweit drittgrößten Lieferanten. Dort gebe es aber auch deutlich niedrigere Umweltstandards.

„Der Verbraucher sollte das wissen und dann entscheiden.“

Gerald Kleine Wördemann

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