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Wirtschaft Bio-Milch beschert Bauern gute Einkommen
Nachrichten Wirtschaft Bio-Milch beschert Bauern gute Einkommen
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00:01 17.03.2016
Burkhard Roloff vom Agrarbündnis MV Quelle: Cornelius Kettler

Für Biomilch zahlen die Molkereien den Bauern fast doppelt so viel wie für herkömmlich produzierte Milch. „So groß war die Preisspanne noch nie“, weiß Burkhard Roloff, Agrarexperte der Umweltorganisation BUND. Als Organisator einer Fachtagung des Agrarbündnisses Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow rückte er das Thema Milch in den Fokus. Der Milchmarkt sei „extrem auseinandergedriftet“, meinte Roloff. „Überproduktion und Preisverfall im konventionellen Bereich, knappe Rohstoffversorgung und steigende Preise im Bio-Sektor.“ Dem Agrarbündnis gehören Öko-Verbände, konventionelle Landwirte-Vereine sowie Natur- und Tierschutzorganisationen an.

Bis zu 50 Cent erhalten Biobauern im Bundesdurchschnitt für den Liter Milch, konventionelle Betriebe derzeit nur 24 bis 27 Cent. Trotzdem könne die Biobranche den Bedarf nicht decken. „37 Prozent der in Deutschland verarbeiteten Ökomilch stammt aus Importen, aus Dänemark zum Beispiel“, sagte Roloff. Obwohl im vorigen Jahr unter dem Druck des Preisverfalls mehr als 50 konventionell produzierende Milchviehbetriebe in MV ihre Kühe abschafften, stieg die Menge der abgelieferten Milch. Laut Marion Lorz, Fachfrau für Milch im Schweriner Agrarministerium, wurden 2015 in MV mehr als 1,6 Millionen Liter Rohmilch geliefert — etwa fünf Prozent mehr als 2013.

Sollten konventionelle Agrarbetriebe deshalb auf Öko-Produktion umsteigen? Expertin Lorz äußerte sich zurückhaltend: Ob ökologisches Wirtschaften Vorteile bringt, müssten Landwirte sorgsam prüfen.

„Dazu gehört mehr, als nur auf den Milchpreis zu gucken.“

Bei einem „Umstellertag“, zu dem Agrarminister Till Backhaus (SPD) in der vorigen Woche ins Ministerium eingeladen hatte, hätten rund 25 interessierte Landwirte teilgenommen, teilte Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth mit. „Darunter auch einige Milchbauern.“ Derzeit liegt der Anteil des Ökolandbaus in MV bei 9,3 Prozent, Minister Backhaus strebt die Ausweitung an.

Wie eine Landwirtin aus der Region Ludwigslust deutlich machte, ist die Umstellung für die Bauern nicht einfach. Während der zweijährigen Umstellungsphase dürfe die Milch noch nicht als Ökoprodukt verkauft werden. Die Unterstützungsprämie für Neueinsteiger werde aber erst nach Ablauf des Jahres ausgezahlt. Deshalb brauchten die Betriebe eine „Zwischenfinanzierung“, die zumeist nicht billig sei.

Die Agrarsprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Ursel Karlowski, als einzige Landespolitikerin gestern in Güstrow dabei, kritisierte zudem, dass MV niedrigere Ökoprämien zahlt als andere Bundesländer. In Bayern liege die Umstellungsprämie bei 350 Euro je Hektar, in Nordrhein-Westfalen bei 400 Euro. In MV stieg sie von 150 auf 260 Euro je Hektar. Karlowski: „Das Land nutzt die Steuerungsmöglichkeiten zur Förderung des Ökolandbaus nicht aus.“ Auch bei der Verpachtung landeseigener Flächen seien Ökobauern prozentual benachteiligt.

Undine Kühle von der Gläsernen Molkerei Dechow (Nordwestmecklenburg) bestätigte die wachsende Nachfrage nach Biomilch. Die Firma, die Milch von 150 Agrarbetrieben verarbeitet, suche weitere Lieferanten, „die zu uns passen“. Bei Kunden seien Produkte aus „Weide- und Heumilch“ besonders gefragt. Dass auch in der als einkommensschwach geltenden Region MV regionale Vermarktung hochwertiger Produkte möglich ist, darüber berichteten Claudia Resthöft von der Hofkäserei Alter Pfarrhof in Elmenhorst bei Stralsund und Caroline Rahm von der Naturprodukte-Molkerei Poseritz auf Rügen.

Nur zwei Prozent Öko-Kühe

52 Öko-Höfe mit rund 3300 Kühen produzieren in Mecklenburg-Vorpommern Biomilch. Dagegen liefern 813 Agrarbetriebe mit 184000 Kühen herkömmliche Milch. Somit werden nur knapp zwei Prozent der Kühe im Land ökologisch gehalten. Die Milchleistung konventioneller Kühe stieg seit 1989 von 4700 Litern im Jahr auf knapp 9000 Liter im Durchschnitt. Öko-Kühe geben pro Jahr rund 6400 Liter Milch.

Von Elke Ehlers

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