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Bis zu 80 Euro mehr im Jahr: Stromkosten in MV steigen

Rostock Bis zu 80 Euro mehr im Jahr: Stromkosten in MV steigen

Verbraucherschützer und Handelsverband fordern Entlastung / Stromsteuer und EEG-Umlage sollen reformiert werden

Rostock. Verbraucher müssen für die Energiewende wieder mehr bezahlen. Die Strompreise steigen im kommenden Jahr weiter an. Grund ist die EEG-Umlage zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne. Sie garantiert den Anlagen-Betreibern eine feste Vergütung. 2017 soll sie auf ein Rekordniveau von 6,88 Cent pro Kilowattstunde klettern. Allein das würde 2017 für die deutschen Haushalte zusätzliche Kosten von mehr als 800 Millionen Euro bedeuten. Zudem erhöhen sich die Netzgebühren (unter anderem für Transport und Messungen). Beides könnte dazu führen, dass die Strompreise ein neues Allzeithoch erreichen.

„Die steigenden Kosten der Energiewende können mit den niedrigen Großhandelspreisen nicht ausgeglichen werden“, sagt Jan Legerke vom Energie-Verbraucherportal Verivox. Nach dessen Prognose steigen in Mecklenburg-Vorpommern die Netzentgelte der Anbieter zwischen zehn und 20 Prozent. Das mache bei einem Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zwischen 40 und 80 Euro mehr aus. Eine gute Nachricht gibt es auch: Die Beschaffungspreise an der Strombörse – die oft für einen längeren Zeitraum ausgehandelt werden – sinken für die Versorger. Wäre das nicht der Fall, wäre die Stromrechnung noch teurer.

„Private Haushalte und der Einzelhandel zahlen einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Energiewende“, kritisiert Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Zusammen müssten sie fast die Hälfte der Aufwendungen schultern, seien aber für nur ein Drittel des Stromverbrauchs verantwortlich. Der VZBV macht sich deshalb mit dem Handelsverband Deutschland für eine Reform der Stromsteuer stark. Denn: Obwohl Handel und Verbraucher mit der EEG-Umlage bereits für die Förderung der erneuerbaren Energien bezahlten, müssten sie für den gleichen Strom auch noch Stromsteuer bezahlen. „Das muss beendet werden“, fordert Müller. Zudem dürften künftig keine Betriebe mehr von der Umlage befreit werden.

Bei ihrer Einführung vor 16 Jahren lag die EEG-Umlage bei 0,19 Cent pro Kilowattstunde. Heute ist sie mehr als 33 Mal so hoch. Nach den Berechnungen des Instituts für Wettbewerbsökonomik an der Universität Düsseldorf wird die Energiewende bis zum Jahr 2025 insgesamt 520 Milliarden Euro kosten. Dass sich die Investitionen auszahlen, findet die Naturschutzorganisation WWF Deutschland.

Grund: Es gebe Milliardeneinsparungen beim Kohle- und Ölimport sowie sinkende Börsenpreise für Strom. Laut einem aktuellen Gutachten konnten 2015 dank erneuerbarer Energien in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr die fossilen Rohstoffimporte um 8,16 Milliarden Euro gesenkt werden. Das müsse in eine ehrliche Kostenbilanz der Energiewende einbezogen werden. „Mit der Förderung Erneuerbarer Energien wird Innovation finanziert, das hat Deutschland zum weltweit geachteten Energiewendevorreiter gemacht“, sagt WWF-Mitarbeiterin Regine Günther. Geld für Kohle, Öl und Gas fließe in politisch und gesellschaftlich instabile Weltregionen. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien sei deshalb wichtig für einen wirksamen Klimaschutz und gleichzeitig eine langfristige Investition in die Unabhängigkeit und Widerstandsfähigkeit unserer Energieversorgung, ergänzt Regine Günther.

Mit Blick auf die steigenden Strompreise rät die Verbraucherzentrale, Tarife und Anbieter zu vergleichen. Viele Haushalte seien noch in der Grundversorgung bei den Stadtwerken oder bei großen Energieversorgern. Die Tarife sind besonders teuer, sagt ein Sprecher. Die Stromversorger müssen Preiserhöhungen mindestens sechs Wochen vorher mitteilen. In der Regel können die Kunden dann zum Datum der Preiserhöhung kündigen.

Kerstin Schröder

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