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Nachrichten Wirtschaft Branche schlägt Alarm: Ingenieure fehlen im Nordosten
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00:00 21.10.2017
Schwerin/Wismar

. Die Ingenieurbranche in MV schlägt Alarm. Landesweit fehlen Hunderte Bauingenieure. „Die Lage ist katastrophal“, sagte der Sprecher des Ingenieurrates, Ralph Seehase. Mehr als die Hälfte der in der Ingenieurkammer organisierten 1135 freiberuflichen Bauingenieure sei über 55 Jahre alt. Damit gehen rund 600 Ingenieure in den kommenden zehn Jahren in Rente. Dazu kämen die Bauingenieure in den Verwaltungen, Behörden und der Baubranche. Der Ingenieurrat – ein Zusammenschluss von Ingenieurverbänden, Ingenieurvereinen und der Ingenieurkammer in MV – hat hochgerechnet: Um den Bedarf in Planungsbüros, Ämtern und im Baugewerbe zu decken, müssten jährlich 120 Ingenieure neu in den Beruf einsteigen. Doch der Markt sei leer gefegt.

„Bauingenieure planen, bauen und überwachen den Bau von Schulen, Brücken, Straßen. Das ist die gesamte Infrastruktur.“ Fehlten die Fachleute, könnten diese Bauten nicht oder nur zeitverzögert entstehen. Die Überalterung macht auch vor den Behörden des Landes nicht halt. Nach Angaben des Verkehrsministeriums sind aktuell in den Straßenbauverwaltungen keine Ingenieurstellen unbesetzt.

Allerdings werden in den Ämtern und Behörden bis 2030 knapp 90 Ingenieure aufgrund ihres Alters ausscheiden.

Im Zuge der Baukrise Anfang der 2000er Jahre wurden viele Stellen für Ingenieure abgebaut – diese Fachkräfte fehlten jetzt, sagt Seehase. Zudem seien Ausbildungszweige für Bauingenieure in Neubrandenburg und an der Uni Rostock geschlossen worden. Die Hochschule Wismar sei deshalb die einzige Ausbildungsstätte im Land. Dort beginnen jährlich rund 65 junge Menschen ein Hochschulstudium.

Ziehe man die Studienabbrecher und diejenigen ab, die in anderen Bundesländern einen Job finden, stünden pro Jahr rund 20 Berufseinsteiger zur Verfügung – ein Sechstel dessen, was benötigt werde. Wegen der attraktiven Jobangebote mit höheren Gehältern in anderen Bundesländern sei es schwer, Berufsnachwuchs nach Mecklenburg-Vorpommern zu holen. „Jetzt ist die Politik gefragt, um die Weichen zu stellen“, sagte der Wismarer Professor für Bauingenieurswesen, Dieter Glaner.

Der Ingenieurrat schlägt deshalb zusammen mit der Hochschule Wismar vor, in Mecklenburg-Vorpommern wieder einen Studiengang für Bauingenieure mit Uni-Abschluss zu eröffnen. Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr. Um diese Ausbildung als Double-Degree-Studiengang in Wismar anbieten zu können, müsste die Hochschule mit einer Universität kooperieren. „Mit einem Uni-Abschluss wird der Beruf für junge Leute attraktiver“, zeigte sich der Ingenieurrat überzeugt. Die universitäre Ausbildung vermittle Schlüsselqualifikationen, die für leitende Ingenieursaufgaben erforderlich seien. Zudem seien die Verdienstmöglichkeiten deutlich besser.    

Bundesweit waren nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) im zweiten Quartal 2017 durchschnittlich 78 380 offene Stellen zu besetzen. Haupttreiber dieser Entwicklung sei die hohe Nachfrage nach Bauingenieuren, sagte VDI-Pressesprecher Marco Dadomo. In diesem Bereich seien knapp 30 000 offene Stellen gemeldet worden. Öffentlicher Dienst und Privatwirtschaft machen einander dabei Konkurrenz.

Aufgrund der konjunkturellen Entwicklung sei die Jobsicherheit, die der öffentliche Dienst bot, inzwischen auch in der freien Wirtschaft gegeben. Hinzu kämen in den westlichen Bundesländern deutliche Verdienstunterschiede. So liegen die durchschnittlichen Einstiegsgehälter für Ingenieure in der freien Wirtschaft bei 48000 Euro (Universitätsabschluss) und etwa 45

000 Euro (Fachhochschulabschluss oder duales Studium). Die Einstiegsgehälter im öffentlichen Dienst liegen niedriger: bei etwa 40 500 (gehobener Dienst) und 45000 Euro (höherer Dienst).

Martina Rathke

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