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Centogene ist seltenen Erbkrankheiten auf der Spur

Rostock Centogene ist seltenen Erbkrankheiten auf der Spur

Das Rostocker Biotech-Unternehmen sorgt für Fortschritte in der Diagnostik. Heute wird der Grundstein für den neuen Firmensitz an der Warnow gelegt.

Rostock. Es geht eng zu bei Centogene im Biomedizinischen Forschungszentrum in Rostock. Vor zehn Jahren hatte der Neurologe Arndt Rolfs mit vier Wissenschaftlern das Unternehmen als Ausgründung der Universitätsmedizin Rostock ins Leben gerufen, heute beschäftigt Centogene mehr als 300 internationale Mitarbeiter. Unternehmensziel war und ist die Diagnostik von angeborenen seltenen Krankheiten, sagt Wissenschaftler und Unternehmer Rolfs. Eigenen Angaben zufolge ist Centogene inzwischen einer der Weltmarktführer auf diesem Gebiet. Nun entsteht im Rostocker Stadthafen der neue Firmensitz, heute wird der Grundstein gelegt.

 

OZ-Bild

Juliane Bengsch von Centogene begutachtet eine Analyseplatte.

Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Weltweit agierendes Unternehmen

14 000 Ärzte – hauptsächlich aus dem Mittleren Osten, aus Lateinamerika, Kanada, Indien und Skandinavien – schicken ihre Proben zu Centogene. Das Unternehmen ist weltweit tätig. Die Zentrale ist in der Hansestadt Rostock. Zweigstellen gibt es im kandischen Toronto, Delhi (Indien), Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) und in der österreichischen Metropole Wien.

„Das Unternehmen ist ein Beispiel für eine gelungene Ausgründung“, erklärt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Oft sei ein langer Atem gefragt. Bei Centogene entstünde eine Betriebsstätte mit Zukunft, die von Spitzenforschung, Entwicklung und Produktion geprägt ist. „Nachhaltige Ausgründungen schaffen hochwertige Arbeitsplätze bei uns im Land“, betont der Minister.

Rolfs, der seit mehr als 25 Jahren auf dem Gebiet der Neurogenetik forscht, spricht von einer faszinierenden Entwicklung, die bei der Therapie genetischer Erkrankungen erzielt wurde. „Aber bevor wir über Therapie sprechen können, müssen wir uns mit der richtigen Diagnostik beschäftigen“, betont er.

Von seltenen Krankheiten wird dann gesprochen, wenn weniger als 5 von 10000 Menschen betroffen sind. Trotzdem sind sie für internationale Pharmafirmen und die Gesellschaften von Interesse, sagt Rolfs, der zeitgleich noch einen Lehrstuhl für experimentelle Neurowissenschaften in Rostock innehat. Denn weltweit leiden rund 180 Millionen Menschen an einer dieser Krankheiten.

Allein in Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen von einer dieser Erkrankungen betroffen, berichtet die Selbsthilfeorganisation „Achse“, die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen. Diese Zahl mache den großen Forschungsbedarf auf diesem Gebiet deutlich. Viele Krankheiten bedeuten für den Patienten eine deutliche Verminderung der Lebensqualität und der Lebensdauer. Durch den Mangel an Forschung fehlten den „Waisenkindern der Medizin“ Medikamente und Therapien.

Ungefähr 6000 dieser Erkrankungen sind bekannt, die meisten davon sind im Bereich der Neurogenetik ansiedelt. Aktuell könnten etwa 60 davon erfolgreich behandelt werden, sagt Rolfs. Wichtig für die Diagnostik ist, dass es sich um Erkrankungen handelt, bei denen ein einziger Gendefekt für die Symptome verantwortlich ist.

„Angesichts der rapiden Entwicklung wird es in fünf Jahren Therapien für 200 bis 300 weitere seltene Krankheiten geben“, ist sich Rolfs sicher. Typisch für die Behandlungserfolge sind beispielsweise die Stoffwechselkrankheit Morbus Fabry, die direkt mit dem Schlaganfall junger Menschen korreliert ist. Oder auch Morbus Gaucher, Träger dieses Gendefekts haben ein großes Risiko, an der Nervenkrankheit Morbus Parkinson zu erkranken.

Dabei sei die Logistik kein Thema mehr, sagt Rolfs. Frühere Probleme mit der Versendung von Blutproben seien mit der Entwicklung der „CentoCard“ gelöst. Auf speziell behandelten Feldern wird das Blut der Patienten gegeben und dann einfach per Post an das Labor gesandt. Dort kann es dann getestet werden, auch komplexe Untersuchungen wie eine Gesamt-Genomsequenzierung sind möglich.

Joachim Mangler

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