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Wirtschaft Charme-Offensive am Bosporus: Türkische Firmen zieht es nach MV
Nachrichten Wirtschaft Charme-Offensive am Bosporus: Türkische Firmen zieht es nach MV
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00:05 18.10.2017

Mit einer Menge Hausaufgaben sind Vertreter des Wirtschaftsministeriums von einem Besuch in der Türkei zurückgekehrt. Eine Delegation um Staatssekretär Stefan Rudolph (CDU) warb in Istanbul und Izmir um Investoren. Das Ziel sei die Ansiedlung türkischer Unternehmen in MV – in einer Zeit der politischen Konfrontation gerade mit Präsident Erdogan profitiert MV offenbar von der Zurückhaltung anderer Länder. Türkische Medien berichten euphorisch vom Besuch der MV-Delegation.

Türken haben eine hohe Meinung von deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und Geschäftstüchtigkeit. Es ist gut, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.„Emin Doganay, Unternehmer aus Bansin, Wirtschaftsbotschafter MV

„Wir waren die Einzigen dort“, sagt Michael Sturm von Invest in MV, der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes. Während andere Bundesländer die Türkei aufgrund der schwierigen Menschenrechtslage derzeit meiden, rückte der Nordosten mit voller Kapelle an. In Istanbul und Izmir gab es Treffen mit gut 100 Vertretern türkischer Firmen. Fast 20 Firmen haben demnach Interesse an einer Partnerschaft mit MV bekundet. Sie kommen aus verschiedenen Branchen: Medizintechnik, Metallverarbeitung, Zulieferer der maritimen Industrie oder Baustoff-Hersteller. Eine Firma will sich in Deutschland niederlassen, eine andere sucht Kooperationspartner, eine dritte braucht dringend große Produktionshallen. „Darum kümmern wir uns jetzt“, sagt Sturm. Er weiß aber auch: Die Konkurrenz in anderen europäischen Ländern ist groß.

Der MV-Besuch habe großes Medieninteresse hervorgerufen. „Gemeinsame starke und langanhaltende Wirtschaftsbeziehungen sind vor allem jetzt in der Zeit politischer Spannungen von sehr hoher Bedeutung“, berichtet etwa die Zeitung Milliyet. „Ich bin begeistert von den Bemühungen, wirtschaftlich miteinander engstens zusammenzuarbeiten“, erzählt Stefan Rudolph einem Kamerateam des türkischen Nachrichtenportals Haberler.com. Er lobt das „tolle Land“, die „tolle Unternehmerschaft“ und wirbt offensiv für MV: Hier gebe es beste Bedingungen für Unternehmen. „Wir sind hungrig aufeinander“, beschreibt Rudolph. Der Staatssekretär rechnet mit weiteren Ansiedlungen in MV.

Diesen Hunger wollen laut Invest in MV nun mehrere Firmen in MV stillen. „Zur Türkei haben wir enge Handelsbeziehungen“, erklärt Michael Sturm. Und Erfolge. Erst im Mai gab es eine andere Reise zum Bosporus. Ein Ergebnis sei die Ansiedlung der Ziel Heimtextilien GmbH, Tochter der türkischen Real Tekstil, in Greifswald. 20 bis 25 neue Jobs sollen entstehen, so Sturm. Ein anderes die Deutsche Bogenn GmbH, die im Fährhafen Sassnitz-Mukran Rohre herstellen will. Geplant seien bis zu 65 Jobs.

Wirtschaftliche Beziehungen seien in Zeiten politischer Zuspitzung nicht unproblematisch, räumt Sturm ein. Er plädiert dafür, die Türkei nicht nur über den autokratischen Staatspräsidenten Erdogan wahrzunehmen. Gerade die Region Izmir sei sehr liberal. „Die Sprache des gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolgs ist eine Sprache der Ruhe und des Vertrauens“, sagt Stefan Rudolph. Es lohne sich jede Anstrengung, die zu engen Beziehungen mit der Türkei führt.

Gegenseitiges Verständnis sei wichtig, um die Beziehungen in die Türkei zu verbessern, sagt Emin Doganay. Dies gelte gerade in politisch schweren Zeiten. Der Unternehmer aus Bansin auf Usedom ist seit vier Jahren offizieller Wirtschaftsbotschafter für MV. „Die Türken haben eine sehr hohe Meinung von deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und Geschäftstüchtigkeit“, weiß Doganay. Und es habe sich rumgesprochen, dass MV mit Förderung und Grundstücken punktet. Der Besuch in Istanbul und Izmir werde wieder Früchte tragen, glaubt er. Ein Schlüssel zum Erfolg sei Staatssekretär Rudolph: „Er kann super vermitteln und redet mit seinen Gesprächspartnern auf Augenhöhe. Das kommt gut an.“

Von Alu-Guss bis LED-Licht

17 türkische Firmen haben beim Besuch von Vertretern des Wirtschaftsministeriums MV in Istanbul und Izmir konkrete Vorstellungen geäußert – von Kooperation bis Ansiedlung. Das sind z.B.: ein Lieferant von Milchpulver, Hersteller medizinischer Ohrprodukte, von Rohrschellen, von LED-Leuchten, von Aluminium-Hochdruckgussmaschinen, von Schiff-Dieselmotoren, von Textilien, von Seranit-Produkten und Bodenbelägen, von Schrauben, von Filter- und Wasseraufbereitungsanlagen.Hinzu kommen Experten in der Nano-Technologie mit Interesse an Luftfahrt-Aufträgen oder in der Nahrungsergänzungsmittelindustrie.

65 Jobs will die Deutsche Bogenn GmbH im Fährhafen Sassnitz-Mukran schaffen. Ihr Produkt: Kunststoffrohre für den Weltmarkt.

Frank Pubantz

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