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Wirtschaft „Da ist noch viel Arbeit im Maschinenraum“
Nachrichten Wirtschaft „Da ist noch viel Arbeit im Maschinenraum“
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06:32 13.04.2017
Claus Ruhe Madsen (44), Präsident der IHK zu Rostock Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa

Irgendwann kommt der Berg in Bewegung, sagt der alte und neue Präsident der IHK zu Rostock und Möbel-Wikinger-Chef Claus Ruhe Madsen. Im OZ-Interview spricht er über seine Ziele.

36 000 Firmen vereint

Die IHK zu Rostock ist eine Selbstverwaltungseinrichtung der gewerblichen Wirtschaft und wird von rund 36 000 Mitgliedsunternehmen aus der Stadt Rostock sowie den Landkreisen Rostock und Vorpommern-Rügen getragen.

Aufgaben: die Interessen der Firmen wahrzunehmen und für die Förderung der Wirtschaft zu wirken.

Herr Madsen, Sie wurden erneut zum Präsidenten der IHK zu Rostock gewählt – mit 100 Prozent der Stimmen. Zufrieden?

Claus Ruhe Madsen: Die Wiederwahl hat mich natürlich sehr gefreut. Das Ergebnis gibt Rückenwind – und es macht die schwierigen Herausforderungen leichter.

Macht das Amt immer noch Spaß?

Herausforderungen machen natürlich Spaß. Und da ist noch viel Arbeit im Maschinenraum nötig. Die muss so gemacht werden, dass die Unternehmer auf dem Sonnendeck nicht davon beeinträchtigt werden. Ziel ist, alle angestoßenen Veränderungen weiterzuführen und dazu nicht nur alle Mitarbeiter mit im Boot zu haben, sondern es sollen auch alle in die gleiche Richtung paddeln.

Sie hatten vor der Wahl von einem Zehn-Punkte-Plan gesprochen, aber kaum Details verraten. Was genau steht denn auf Ihrer Agenda?

Aus zehn Punkten sind mittlerweile 54 geworden. Ganz wichtig ist mir, die Arbeit der Kammer transparenter zu machen. Wir müssen besser darstellen, wie die Vergabe von Aufträgen läuft, wer unsere Lieferanten sind, welche Verträge wir abschließen. Gleiches gilt für IHK-Veranstaltungen: Kommen die gut an? Sind die notwendig? Brauchen wir vielleicht ganz andere?

Was soll konkret auf den Prüfstand?

Ich würde die IHK gerne in eine grüne Kammer umbauen, nachhaltig bei allen Ressourcen, bei den Mitarbeitern, bei der Energie, beim Catering, und papierlos. Die Mitarbeiter müssen mehr gefordert und gefördert werden. Ziel ist mehr Austausch – zum Beispiel mit der EU oder Kammern in Skandinavien. Wir brauchen ein Verbesserungsmanagement, müssen Mitarbeiter und Unternehmen nach Verbesserungsvorschlägen fragen. Ich möchte die Schwarmintelligenz der Mitglieder besser nutzen – schnelle Kommunikation, wenn Fragen wie zum Beispiel zu Kurabgabe oder Sonntagsöffnung anstehen. Ich möchte einen Think Tank einrichten mit Menschen aus der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung, gern auch mit Journalisten und Kirchenleuten.

Was soll sich für die Unternehmen ändern?

Das Sonnendeck soll entscheiden. Was gewünscht ist, das machen wir dann. Wenn heute alle Smoothies wollen, können wir vielleicht Tequila Sunrise von der Karte nehmen. Und wir müssen besser erklären, was wir anbieten. Ich möchte jedenfalls mehr Angebotsvielfalt und eine „One-Stop-Strategie“

Was genau ist das?

Wir alle wünschen uns ein schlankes E-Government, und dass die Verwaltung alle meine Wünsche an einem Ort erfüllen kann. Beispiel Rostock: Brauche ich einen neuen Pass, muss ich zum Neuen Markt, will ich ein Auto anmelden, muss ich in die Südstadt, und das Bauamt ist am Holbeinplatz. Die IHK sollte das anders machen: Ich wünsche mir, dass ein Unternehmer aus Bayern, der hier an der Küste Urlaub macht, zu uns kommen kann und wir nehmen uns seiner Probleme an.

Sind da nicht bundesweite Umstrukturierungen nötig?

Ja. Aber ich bin gern bereit, mit den anderen 79 IHK-Präsidenten zu diskutieren, auch mit der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammer – d. Red.) habe ich darüber gesprochen. Fazit: Die Kammern sind interessiert. Klar geht das nicht von heute auf morgen, aber irgendwann kommt der Berg in Bewegung. Ziel ist, Stück für Stück offene, von den Unternehmen gewünschte Kammern zu schaffen.

Was ist mit den Beiträgen?

Schon heute zahlen vier von zehn Unternehmen nichts. Wir wollen aber die Pflichtbeiträge noch weiter senken, auch große und mittlere Unternehmen entlasten. Dafür müssen wir Kosten reduzieren und das Verursacherprinzip einführen. Ziel: Der, der Leistungen in Anspruch nimmt, soll sich auch mehr an den Kosten beteiligen.

Ein ambitioniertes Programm – ist das in vier Jahren und elf Monaten zu schaffen?

Fakt ist: Es muss sich etwas ändern. Aber wir wollen keine radikalen Änderungen, sondern gut abgestimmte. Einige Themen müssen wir mit anderen Kammern klären, aber wir wollen nicht ewig warten. Und nicht jede Änderung ist auch eine Verbesserung: Wenn sich etwas nicht bewährt, drehen wir es zurück. Die Zusammenarbeit mit Herrn Rademacher (IHK-Hauptgeschäftsführer, d. Red.) läuft jedenfalls sehr konstruktiv. Und die Kammer macht auch heute schon gute Arbeit. Aber: Es gibt nichts, was man nicht noch besser machen könnte.

Interview: Thomas Luczak

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