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Das Ende der Freiland-Eier

Rostock Das Ende der Freiland-Eier

Nach zwölf Wochen Stallpflicht wegen der Vogelgrippe gelten die Eier als Bodenhaltungsware / In MV erhalten Bauern dafür keine Entschädigung

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Freilandeier werden umdeklariert: Der neue Code zeigt an, dass das Ei jetzt aus deutscher (DE) Bodenhaltung (2) in MV (13) kommt.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Rostock. /Bad Doberan. Ein kleiner weißer Aufkleber überdeckt den bisherigen Schriftzug: „Bodenhaltung“ steht auf der Packung. „Aufgrund der Stallpflicht“. So macht der Lieferant deutlich, dass er keine Eier aus Freilandhaltung mehr liefern kann. In dem Edeka-Markt in Bad Doberan finden Kunden auf einem A-4-Blatt dazu noch eine Erklärung. Dass die Eier aus dem Freilandstall jetzt anders gekennzeichnet werden, hängt mit der Vogelgrippe zusammen. Seit Mitte November ist sämtliches Federvieh in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein eingesperrt.

OZ-Bild

Nach zwölf Wochen Stallpflicht wegen der Vogelgrippe gelten die Eier als Bodenhaltungsware / In MV erhalten Bauern dafür keine Entschädigung

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Was bedeutet der Code auf dem Ei?

„„Schon seit Beginn der Stallpflicht hätten Eier als Bodenhaltungsware gekennzeichnet sein sollen.“Uta Nehls, Verbraucherzen-

trale MV FOTO: HJO

Verbraucherschützer begrüßen, dass die Eier nun anders deklariert werden. „Wir fordern das schon seit Beginn der Stallpflicht“, sagt Uta Nehls von der Verbraucherzentrale MV in Rostock. „Hühner, die im Stall leben, legen nun mal keine Freilandeier“, meint sie. Doch das Gesetz gewährt den Produzenten eine Übergangsfrist. Zwölf Wochen durften Hühnerhalter die Eier übergangsweise noch als Freilandware verkaufen. Diese Frist aber lief am 4. Februar in den ersten Landkreisen aus.

„Alle Eier, die danach gelegt werden, müssen als Ware aus Bodenhaltung vermarktet werden“, erläutert Silvia Ey vom Landes-Geflügelwirtschaftsverband in Neubrandenburg. In den Ställen ändert sich ansonsten nichts. „Die Hühner bekommen das gleiche Futter. Sie scharren in ihren überdachten Wintergärten sogar an frischer Luft, haben also mehr Platz und Bewegung als Hennen in der herkömmliche Bodenhaltung.“

Trotzdem werden in Supermärkten noch Freiland-Eier verkauft. Das müssen keine Schummel-Eier sein, meint Fachfrau Ey. „Wenn die Eier vor dem 4. Februar gelegt wurden, ist das in Ordnung.“ Das Legedatum geben die meisten Produzenten jedoch nur selten an. Anhaltspunkt könne aber das Mindesthaltbarkeitsdatum sein, das bei Hühnereiern 28 Tage beträgt, sagt Verbraucherschützerin Nehls.

Allerdings: Die Handelsketten gehen mit dem Thema unterschiedlich um. „Wir möchten keine überklebten Verpackungen“, sagt Frank Meißler, Chef im Globus-Markt Roggentin bei Rostock. Aus seiner Sicht würde das die Kunden nur noch weiter verunsichern. Derzeit laufe „der Abverkauf der letzten Freilandeier“, danach sei damit Schluss, „bis die Tiere wieder an die Sonne dürfen“.

Torsten Möller vom Poseritzer Eierhof, der für mehrere Hühnerfarmen auf der Insel Rügen die Vermarktung übernimmt, liefert schon seit Tagen nur noch Bodenhaltungseier aus. Etwa sieben Millionen Eier vermarktet Möller pro Jahr. „In Zeiten ohne Vogelgrippe sind fast die Hälfte davon Freilandeier“, berichtet er. Ein Großteil davon wird in der Packstelle Kritzkow (Landkreis Rostock) versandfertig gemacht.

„Wir haben uns auf die neue Situation eingestellt“, sagt Lothar Holtmann, Vertriebsleiter der Hühnerhof Heidegold GmbH, die die Kritzkower Abpackstation – eine der größten in MV – betreibt. Als sich abzeichnete, dass die Stallpflicht länger als zwölf Wochen dauern würden, habe sich das Unternehmen mit ausreichend Bodenhaltungs-Verpackungen bevorratet. Holtmann: „Jede Freiland-Verpackung neu zu bekleben,wäre für uns zu aufwendig.“

Die Geflügelhalter drücken indessen finanzielle Sorgen: Für Bodenhaltungseier erhalten sie pro Stück mindestens drei Cent weniger. In Schleswig-Holstein sollen Landwirte deshalb einen Ausgleich erhalten, pro Betrieb bis zu 15000 Euro. Im Schweriner Agrarministerium war über eine solche Entschädigung ebenfalls beraten worden, dort ist sie aber inzwischen vom Tisch. „Die Vergabe solcher Gelder muss in Brüssel beantragt werden“, sagt Ministeriumssprecherin Eva Klausner-Ziebarth. Der hohe bürokratische Aufwand stehe in keinem Verhältnis zu dem, was bei den Bauern ankommen würde. „Das wäre eher eine symbolische Hilfe.“ Das sieht die Geflügelbranche anders. „15000 Euro sind 15000 Euro“, meint Verbandsgeschäftsführerin Ey. „Und es wäre ein Signal, dass das Ministerium die Landwirte in dieser schwierigen Situation unterstützt.“

Eier werden EU-weit einheitlich

gekennzeichnet. Die erste Zahl steht für das Haltungssystem, dann folgen das Kürzel für das Herkunftsland, die Ziffer für das Bundesland sowie die Stallnummer.

0: Öko-Erzeugung, 1: Freiland-

haltung, 2: Bodenhaltung, 4: Käfighaltung (in der EU verboten)

DE: Deutschland, NL: Niederlande, BE: Belgien, AT: Österreich Bundesländer:

01 = Schleswig-Holstein,

02 = Hamburg, 03 = Niedersachsen, 04 = Bremen,

05 = Nordrhein-Westfalen,

06 = Hessen, 07 = Rheinland-Pfalz, 08 = Baden-Württemberg,

09 = Bayern, 10 = Saarland,

11 = Berlin, 12 = Brandenburg,

13 = Mecklenburg-Vorpommern ,

14 = Sachsen, 15 = Sachsen-Anhalt,

16 = Thüringen

Elke Ehlers

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