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Wirtschaft Debatte um Tierwohl-Label: Pflicht oder freiwillig?
Nachrichten Wirtschaft Debatte um Tierwohl-Label: Pflicht oder freiwillig?
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00:12 12.05.2018
So sieht es aus, das neue staatliche Label für mehr Tierwohl DPA Quelle: FOTO:

Etikettenschwindel oder sinnvolle Aufklärung für Kunden? Am Tierwohl-Label von Landwirtschaft und Lebensmittelhandel scheiden sich die Geister. Tierschützer üben Kritik, etwa an den Kriterien für das Siegel. Bauern und Politiker indes befürworten diese Art der Lebensmittelkennzeichnung, sehen aber auch Probleme bei deren Umsetzung.

Hat sich der Initiative Tierwohl angeschlossen: die Schweinezuchtanlage Alt Gaarz-Blücherhof (Mecklenburgische Seenplatte). Quelle: Foto: N. Fellechner

„Die bereits bestehenden freiwilligen Tierwohl-Initiativen sind Mogelpackungen und Verbrauchertäuschung“, meint Kerstin Lenz, Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern. Die Kriterien für die Teilnahme seien einfach zu intransparent und ungenau. Die Verbraucher wüssten nicht, ob das Fleisch, das sie kaufen, wirklich von einem besser gehaltenen Schwein stammt. Nur 30 Prozent der Betriebe hätten sich um die Teilnahme an der Initiative beworben. Begrüßenswert sei jedoch: „Bauernverband und Landwirte machen sich Gedanken, dass sie in der Schweinehaltung etwas ändern müssen“, sagt Lenz. Ein staatliches, für alle Anbieter bindendes Siegel wäre ihrer Meinung nach sehr viel hilfreicher.

Das denkt auch der Schweriner Agrarminister Till Backhaus (SPD). „Wir brauchen jetzt dringend ein staatliches Tierwohl-Label.“ Wer Fleisch kaufe, sollte wissen, wie das Tier gehalten wurde. Die Verbraucher müssten „Klarheit über die Haltungsformen“ erhalten, sagt Backhaus. Die Bundesregierung müsse nun rasch handeln, fordert er. Bis Mitte der laufenden Legislaturperiode – also bis Mitte 2019 – soll eine staatliche Kennzeichnung anhand verbindlicher Kriterien für Fleisch aus besserer Tierhaltung für Schweine und Geflügel vorbereitet werden. „Tierhalter müssen bei den Investitionen für eine tiergerechte Haltung unterstützt werden“, sagt Backhaus.

Das Tierwohl-Label soll nach Plänen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) drei Stufen bekommen. Alte Pläne hatten zwei Stufen vorgesehen – eine Eingangs- und eine Premiumstufe. Klöckner will auch auf die bisher auf dem Logo angedachte Deutschland-Flagge verzichten. Dies könne fälschlich als Herkunftangabe verstanden werden. Sie zeigte sich offen dafür, dass die Label-Stufen nicht mit Sternen, sondern mit Ziffern angegeben werden könnten.

Die Kriterien für das Label würden für die Schweine u.a. bedeuten, dass sie ein Drittel mehr Platz im Stall haben, als es der gesetzliche Mindeststandard vorschreibt. Muttersauen sollen nur noch vier Tage statt vier Wochen im engen Kastenstand gehalten werden dürfen. Tierhalter müssten sich demnach einmal jährlich zu Tierschutzthemen fortbilden. Der Deutsche Bauernverband schlägt erstmals eine Kennzeichnung für Tierhaltungsbedingungen im Handel vor. Vor allem bei Schweinefleisch solle für den Verbraucher klar und eindeutig zu erkennen sein, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden, erklärt Präsident Joachim Rukwied. Der Verband stehe einem staatlichen Tierwohl-Label „offen“ gegenüber. „Wir erhoffen uns dadurch auch, dass mehr Produkte aus besseren Bedingungen gekauft werden“, sagt Rukwied.

Auch die Landwirte bewerten das Label grundsätzlich positiv, teilt der Landesbauernverband mit. Es müsse aber konkret ausgestaltet werden: „Ein staatliches Tierwohllabel muss verpflichtend für alle Vermarktungswege sein und eine Herkunftskennzeichnung umfassen“, sagt Tiergesundheitsreferentin Silvia Ey. „Der vollständige Ausgleich der finanziellen Mehraufwendungen für unsere Tierhalter und Vermarkter muss über eine marktpreisunabhängige Tierwohlabgabe kommen.“ Nötig sei auch eine gesellschaftlich akzeptierte markt- und wettbewerbsfähige Kennzeichnung, so Ey.

Kritik kommt von der Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten. „Nur eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte kann langfristig für bessere Haltungsbedingungen und damit für mehr Tierwohl sorgen“, betont Geschäftsleiter Rüdiger Jürgensen. Vier Pfoten fordere eine verpflichtende Haltungskennzeichnung für alle tierischen Produkte.

Tierwohl ist wichtig für Verbraucher

66 Prozent der Deutschen nennen das Wohl der Tiere als ihre persönlich wichtigste Erwartung an die Landwirtschaft. Das geht aus dem Ernährungsreport 2018 des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor. Gefragt wurde unter anderem nach Ernährungsgewohnheiten, -wünschen sowie -trends in Deutschland.

90 Prozent der Befragten wären demnach bereit, einen höheren Preis für Lebensmittel zu bezahlen, wenn die Tiere wirklich besser gehalten werden als es das geltende Recht vorschreibt.

79 Prozent der Deutschen befürworten ein staatliches Tierwohl-Label.

Bernhard Schmidtbauer

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