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Dem Kalender zwei Wochen voraus: erste Obstbäume blühen

Rostock Dem Kalender zwei Wochen voraus: erste Obstbäume blühen

Fachleute raten zu Geduld / Empfindliche Pflanzen noch nicht ins Freiland

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„„Eine frühe Obstblüte bedeutet aber noch nicht, dass auch die Früchte eher reif sind.“Johannes Eggert, Obstgut Stralsund

Rostock. Sie sind die ersten Obstbäume, die in voller Blüte stehen: Wildpflaumen wie Kreeken und Mirabellen entfalten in Parks und Gärten, an Feldwegen und Waldrändern wieder ihre weiße Pracht. „So zeitig wie dieses Jahr blühen sie selten“, sagt Dr. Rolf Hornig vom Verband Mecklenburger Obst und Gemüse. Auch Aprikosen, Schlehen und einige Birnbäume zeigen schon erste Blüten, an geschützten Stellen sogar die frühen Süßkirschsorten. Die Vegetation sei dem Kalender zehn bis zwölf Tage voraus, schätzt der Obstbau-Experte, der bei der Schweriner LMS Agrarberatung arbeitet.

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Das zeitige Frühjahr zeigt sich auch auf den Feldern. „Die Kulturen sind in ihrer Entwicklung weiter als voriges Jahr um diese Zeit“, meint Frank Schiffner vom Landesbauernverband in Neubrandenburg.

„Wann hatten wir sonst schon so früh Spargel aus der Region?“ Das Wachstum des Königsgemüses werde zwar unter spezieller Folie beschleunigt, doch die Wärme der vergangenen Tage treibe den Ertrag voran. Raps und Getreide stehen ebenfalls gut. Schiffner: „Der Raps ist jetzt schon kniehoch.“ Sein gelber Blütenteppich wird um den 1. Mai herum wieder auf vielen Feldern leuchten.

Johannes Eggert, Senior-Chef im Obstgut Stralsund, hat in fast 50 Jahren Berufserfahrung schon jedes Wetter erlebt. „Die Süßkirschen sind dieses Jahr wirklich sehr weit“, meint er. Eine frühe Blüte bedeute jedoch noch nicht, dass auch die Früchte eher reif sind. „Bis zur Ernte kommen meistens noch ein paar Kälteperioden, oft verliert sich der Vegetationsvorsprung wieder.“

Agrarberater Hornig ist sogar froh, dass für die nächsten Tage kühleres Wetter angesagt ist. „Das bremst das Wachstum etwas.“ Er sorgt sich um die kommende Apfelernte. Mit 1500 Hektar Anbaufläche sind Äpfel vor Erdbeeren (790 Hektar) in MV die wichtigsten heimischen Früchte. Im professionellen Obstbau wurden 2016 rund 43 700 Tonnen Äpfel geerntet – über 80 Prozent der gesamten Obsternte im Land. Blühen Apfelbäume jedoch sehr zeitig, könnten ihnen mögliche Kälteeinbrüche schaden. Deshalb darf es ruhig noch einige Tage etwas kühler sein.

Frost wollen Landwirte und Kleingärtner im April und Mai jedoch nicht mehr. Alle hoffen, dass vor allem die „Eisheiligen“ zwischen dem 10. und 14. Mai glimpflich ablaufen. „Frost in der Obstblüte schädigt den Fruchtansatz“, sagt Obstbau-Experte Hornig. Auch die Keimlinge der Sommerkulturen auf dem Acker – etwa der Kartoffeln – sind empfindlich gegen Frost, weiß Frank Schiffner vom Bauernverband. Kleingärtner sollten sich durch die Sonne der vergangenen Tage nicht zu sehr verleiten lassen, meint Thomas Heinemann vom Rostocker Gartenfachmarkt „Grönfingers“. Ein Teil der Jungpflanzen, darunter Kohlrabi und Salat, können zwar schon ins Beet gepflanzt werden. „Sie sollten bei Frost dann aber mit einem leichten Vlies abgedeckt werden.“ Für Tomaten- und Gurkenpflanzen sei es im Freiland aber viel zu früh. „Die brauchen derzeit noch ein beheiztes Gewächshaus.“ Auch auf Balkon und Terrasse rät Heinemann noch zu Geduld. Petunien, Geranien und Fuchsien sind Sommerblumen. „Wer sie schon ins Freie setzt, riskiert, dass sie nicht weiterwachsen.“ Noch sei die richtige Zeit für Primeln und Stiefmütterchen.

An der Blüte der Wildpflaumen aber hat der Gartenbauingenieur seine helle Freude. Mirabellen seien eine alte, leider unterschätzte Obstart. „Die gelben oder roten Früchte haben ein kräftiges Aroma“, sagt Heinemann. „Sie eignen sich gut für Kompott und Gelee.“

Elke Ehlers

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