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Der Brenner aus Wismar

Wismar Der Brenner aus Wismar

Destillerien aus MV machen den traditionellen Herstellern von Whisky aus Schottland und Irland mit ihren Spirituosen Konkurrenz.

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Der Whisky-Brenner: Stefan Beck prüft den Geruch des Baltachs. FOTOS (3): DIETMAR LILIENTHAL

Wismar. Eine kupferfarbene Destille und einige Fässer stehen bei Hinricus Noyte’s No.1 in Wismar. In den Fässern duftet es nach süßlichem Alkohol. Die Brennerei ist ein Teil des Brauhauses am Lohberg und eine von wenigen in Mecklenburg-Vorpommern, die Whisky herstellt.

OZ-Bild

Destillerien aus MV machen den traditionellen Herstellern von Whisky aus Schottland und Irland mit ihren Spirituosen Konkurrenz.

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Im Jahre 1452 wurde das Brauhaus von Hinricus Noyte gegründet, nur zwölf Jahre später soll es in Wismar ganze 183 Braustätten gegeben haben. „Die Wismarer Mumme, ein kräftiges dunkles Bier, war weltweit beliebt“, erzählt Stefan Beck, geschäftsführender Gesellschafter und Brenner bei Hinricus Noyte’s. 500 Jahre lang diente das Haus zum Beispiel auch als Provianthaus oder Speicher, bis es 1995 vom jetzigen Brauherren wieder als Brauhaus genutzt wurde.

Stefan Beck kam dann 2002 zum Jubiläum auf die Idee, das im Mittelalter beliebte Starkbier einmal nachzubrauen. Weil dies ein Erfolg war, wollte er 2007 herausfinden, wie lange sich das Bier hält und legte zwei Fässer beiseite. „Ich hatte die schon ganz vergessen und dann irgendwann wiederentdeckt“, sagt Beck. Daraufhin probierte er aus, wie ein Bierbrand aus ebendiesem Starkbier schmecken würde.

So entstand 2010 die heutige Brennerei, die in Gedenken an den ersten Brauherren Hinricus Noyte’s No. 1 heißt.

„Die Brauerei ist der erste Schritt der Brennerei“, erklärt Beck, der seit 2000 auch als Brauer beim Brauhaus tätig ist. Für Whisky wird mit Gerstenmalz und Whiskyhefe gebraut. „Whiskymaische ist Bier ohne Hopfen.“ Diese wird in der kupfernen Brennblase destilliert, um dann mindestens drei Jahre in Eichenfässern zu lagern. Aus einer Abfüllung werden circa 1000 Flaschen der Spirituose abgefüllt. Der so in Wismar entstehende Whisky „Baltach“ ist ein Single Malt, also nur aus Gerstenmalz und aus der einen Brennerei. Der Wismarer Whisky lagert erst in einem Bourbon- und dann in einem Sherryfass.

Das Holz der Fässer ist stark mit dem Alkohol und so auch mit dem Geschmack von Bourbon und Sherry durchtränkt. Der Whisky nimmt diese Aromen aus den Fässern auf und bekommt so seine Farbe. Der Bourbon verleiht ihm einen Vanille- und Karamellcharakter, durch den Sherry riecht er nach dunklen Früchten. „Zimt und Nelken hat auch schon mal jemand rausgerochen“, sagt Beck.

Nach drei Jahren in einem 500-Liter-Sherryfass ist dieses 30000 bis 40000 Euro wert. Das liege auch am sogenannten Angels Share, denn vier Prozent Alkohol im Jahr verdunsten einfach.

Lagert ein Fass länger, wird es noch teurer, schnell kann der Wert auch bei über 100000 Euro liegen. Vom Baltach, der letztes Jahr von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zum besten Whisky gekürt wurde, gibt es nur noch Abfüllungen, die drei Jahre gelagert wurden. Es sind aber schon längere, auch zwölfjährige Reifezeiten geplant. „Dann können sich die Schotten aber warm anziehen“, sagt Beck. Denn der Baltach könne dann locker mit den schottischen und irischen Whiskys mithalten.

Die Fässer liegen in einem alten, umgebauten Bullenstall. Am Tag des deutschen Whiskys, dem 30. Juni, wird es hier einige Aktionen geben. Interessierte können den Brenner Stefan Beck und seine Spirituosen bei der Messe „Hanse Spirit“, am 2. und 3. Februar in Hamburg kennenlernen. Hier zeigt er seinen Whisky und zum Beispiel auch den Bierbrand und Liköre.

Noch mehr Whisky aus Mecklenburg-Vorpommern

1. Rügener Whisky: Bei der Mönchguter Hofbrennerei „Zur Strandburg“ gibt es einen Single Malt and Grain Whisky, den dreijährigen „Pommerscher Greif“. Auch Obst- und Kornbrände werden hier produziert, unter anderem Liköre und Geister.

2. Whisky aus Stralsund: Die Störtebeker Braumanufaktur ließ bei der Mönchguter Hofbrennerei ihren Whisky destillieren und lagern. Die Maische dafür haben sie selbst hergestellt.

3. Loitzer Whisky: In der Hafendestillerie wird schottischer Whisky mit einer Note aus regionalem Torf von der Ostsee verfeinert. So wird er dann zum „Whisky & Torf“.

4. Whisky aus Rostock: In der Rittmeister-Destille der Hansestadt entsteht der „Gryphon“, ein Pure Rye Whisky aus 100 Prozent Roggen. Aber auch Gin, Liköre und Brände werden hier hergestellt.

5. Vielanker Whisky: Im Vielanker Brauhaus wird der „AurOx“ Single Malt Whisky gebrannt. Zudem gibt es einen Bierbrand aus hausgebrautem Bier, Kräuter-, Sanddorn-, Rhabarber- und Pflaumenlikör.

Christin Tute

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