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Der Norden hat Geschmack

Ahrenshoop Der Norden hat Geschmack

Auf dem Norddeutschen Ernährungsgipfel in Ahrenshoop zeigte die Branche, was sie zu bieten hat. Die Entwicklung neuer Produkte unterstützt das Land mit Darlehen.

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Produktionschef Alexander Häbe (47) von der Classic Conditorei Röntgen in Steffenshagen vor einem Baumkuchen

Quelle: Fotos: D. Lilienthal /o. Arscholl

Ahrenshoop. Rhabarbersaft von Elmenhorster, Kuchen aus den Mecklenburger Backstuben, Landpute-Fleisch aus Severin bei Schwerin, Störtebeker Bier aus Stralsund, Flammkuchen aus dem Oetker-Werk in Wittenburg, Mineralwasser von Güstrower Schlossquell – den größten Teil des Buffets hatten die Firmen selbst beigesteuert. Beim 1. Norddeutschen Ernährungsgipfel gestern in Ahrenshoop (Vorpommern-Rügen) zeigte die Lebensmittelbranche, was sie zu bieten hat.

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Auf dem Norddeutschen Ernährungsgipfel in Ahrenshoop zeigte die Branche, was sie zu bieten hat. Die Entwicklung neuer Produkte unterstützt das Land mit Darlehen.

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„Wir stehen für ehrliche Produkte aus der Region, das ist der Geschmack des Landes“, sagte Tobias Blömer, Chef der Rostocker Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH zur Eröffnung des erstmals länderübergreifend organisierten Branchentreffs. 170 Gäste waren gekommen – mehr als zu den früheren Branchentagen der Ernährungswirtschaft. Mit dabei: Interessenten aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen. Denn: Die Lebensmittelhersteller des Landes wollen über ihr gemeinsames Netzwerk – den in Rostock-Bentwisch ansässigen Agrarmarketingverein MV – stärker überregional agieren.

Einen Wechsel – Generationswechsel – gibt es auch an der Spitze des Netzwerkes: Ursprünglich sollte der 39-jährige Blömer als neuer Vorsitzender das Agrarmarketing-Vereins offiziell den Staffelstab von Günther Neumann (67), dem Chef der Mecklenburger Backstuben, übernehmen. Aber: „Wir müssen das auf Mai verschieben, weil Günther Neumann nach einer Operation heute leider nicht hier sein kann“, bedauerte Blömer.

Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) würdigte, dass Neumann als erfolgreicher Unternehmer sich 14 Jahre in diesem Ehrenamt mit viel Engagement für die Ernährungswirtschaft im Land einsetze.

„Dafür gebühren ihm Dank und großer Respekt.“

„Generationswechsel und Neuausrichtung, das praktizieren wir im Unternehmen auch gerade“, sagte Frank Röntgen, Chef der Classic Conditorei Röntgen. Die Betriebsstätte in Steffenshagen (Landkreis Rostock) wird umgebaut und erweitert. „Wir investieren in neue Produkte, in Technik, internationale Ausrichtung – und in Menschen“, berichtete der Unternehmer, selbst Gründungs- und Vorstandsmitglied im Agrarmarketing-Netzwerk. Mit dem neuen Produktionsleiter Alexander Häbe, der lange im Ausland gearbeitet hat, sollten neue Akzente gesetzt werden. „Praktischen Wissentransfer“, nennt Röntgen das.

Er begrüßte, dass Agrarminister Till Backhaus (SPD) die Land- und Ernährungswirtschaft auf dem Branchengipfel zu „Technologiesprüngen“ ermunterte. „Im Wettbewerb um knapper werdende Ressourcen wird nur der bestehen, der Effizienzsteigerungen sucht“, sagte Backhaus. Doch oft falle es Firmen schwer, gute Produktideen bis zur Marktreife zu entwickeln. Wegen „zurückhaltender Finanzierungsbereitschaft der Hausbanken“ hätten gerade kleine und mittelständische Firmen wenig Chancen, an Kredite zu kommen – und könnten deshalb ihre Potenziale nicht ausschöpfen. Backhaus:

„Ihnen fehlt Geld – das aber für die Einführung neuer Produkte von entscheidender Bedeutung ist.“ Für Klein- und Kleinstunternehmen der Land- und Ernährungswirtschaft habe Mecklenburg-Vorpommern deshalb einen speziellen Darlehensfonds aufgelegt. Knapp zwölf Millionen Euro stellt das Land für sogenannte ErLa-Darlehen zur Verfügung. Vorhaben in Höhe von 80000 Euro bis zu einer Million Euro könnten damit gefördert werden, erläuterte Backhaus. „Wir erwarten, dass dadurch Arbeitsplätze im ländlichen Raum entstehen und gute Löhne gezahlt werden können.“ Gute regionale Produkte seien Werbung für MV, betonte der Minister. Er erlebe immer wieder, dass Touristen Lebensmittel, die sie im Urlaub probiert hätten, auch gern zu Hause kaufen wollten. Backhaus: „Da ist noch Luft nach oben.“

Wie schwer es sein kann, regionale Erzeugnisse am Markt zu etablieren, schilderte Lars Gräning von der Störtebeker Braumanufaktur Stralsund. „Wer wollte nach 1990 regionale Marken haben?“ Doch neben dem „Stralsunder“-Bier entwickelte die Brauerei die Marke Störtebeker, „die eine größere Kraft besitzt“. Heute produziert das vorpommersche Unternehmen 17 Biersorten, einige in Bio-Qualität. Mit großem Erfolg: Einige sind in ihrer Kategorie als „Weltbestes Bier“ ausgezeichnet.

Ernährungswirtschaft – stärkster Zweig des produzierenden Gewerbes

4,6 Milliarden Euro Umsatz verzeichnete die Ernährungsindustrie Mecklenburg-Vorpommerns im vorigen Jahr. Damit erwirtschaftete sie ein Drittel des Gesamtumsatzes des verarbeitenden Gewerbes und ist dessen stärkster Zweig. Es gibt 86 Unternehmen, die mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen. Insgesamt gehören zum verarbeitenden Gewerbe in MV rund 300 Betriebe mit etwa 46 200 Beschäftigten.

Davon arbeitet rund ein Drittel (14600) in der Produktion von Lebens- und Genussmitteln.

Mit 60 Lebensmittelherstellern in Industrie und Handwerk – im konventionellen und Bio-Bereich – ist der Agrarmarketingverein MV das Netzwerk der Land- und Ernährungswirtschaft im Land. Im Verbund werden u.a. Branchentreffs wie der Norddeutsche Ernährungsgipfel, Messeauftritte, Workshops und Verkaufsaktionen im Handel organisiert.

Elke Ehlers

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