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Wirtschaft Der geplatzte Traum des Werftbesitzers Jussufow
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00:00 16.04.2016

/Wismar/Stralsund. Die finanzielle Situation der Nordic-Yards-Werftengruppe ist schon viel länger angespannt, als bisher bekannt war. Das geht aus der Bilanz für das Jahr 2014 hervor, die das Unternehmen erst jetzt, mit reichlich Verspätung, veröffentlicht hat. Mit 1400 Mitarbeitern zählt es zu den größten Industrieunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern — und lebt offenbar seit Jahren vom Geld seines russischen Eigentümers.

Nordic-YardsEigner Witalij Jussufow Quelle: dpa

Allein 2014 flutete Witalij Jussufow (36) seine Werften mit frischem Geld in Höhe von 66 Millionen Euro. Im gleichen Jahr ließ sich der Moskauer Unternehmer den Kauf der Stralsunder Volkswerft weitere fünf Millionen Euro kosten. Dabei liefen die Geschäfte schon damals alles andere als zufriedenstellend: Nordic Yards fuhr in jenem Jahr einen Rekordverlust von 82 Millionen Euro ein. Ein Grund dafür war ein Rechtsstreit mit Siemens, Auftraggeber von drei Offshore-Plattformen, um nicht eingehaltene Termine — der für die Werften mit einem teuren Vergleich endete. Trotz üppiger Geldspritze schrumpfte die Eigenkapitalquote auf mickrige fünf Prozent, Creditreform stufte die Bonität auf die zweitschlechteste Stufe („CC“) herab.

Zumindest zeitweise spielte eine Briefkastenfirma eine wichtige Rolle bei den Werft-Finanzen. Eine „Prosal Investment Limited“, registriert auf den Britischen Jungferninseln, stellte einen Rahmenkredit über 50 Millionen bereit, abrufbar bis März 2016. Wer sich hinter der Offshore-Adresse verbirgt, ist unbekannt. Die Werftleitung lässt Anfragen dazu und zur Herkunft der vielen Millionen, die in die Schiffbaubetriebe flossen, unbeantwortet. „Unsere internen Themen sind derzeit andere und sicher nicht die kommentierte Analyse der Bilanz 2014 in einer Regionalzeitung“, teilt Sprecher Stefan Sprunk mit.

Jussufow war erst 29 Jahre alt, als er die Werften — zunächst Wismar und Warnemünde — nach der Wadan-Pleite 2009 für 40,5 Millionen Euro übernahm. Beim Thema Geld drehte der Sohn des ehemaligen russischen Energieministers trotz seines vergleichsweise jungen Alters in MV ein großes Rad. Allerdings zumindest auf den ersten Blick nicht sonderlich erfolgreich: Unter dem Strich machte der Alleineigentümer mit seinen Werften bis 2014 knapp 143 Millionen Euro Verlust — nachzulesen in den Bilanzen. Jussufow schoss immer wieder Kapital nach und gab Gesellschafterkredite, die zumindest teilweise später in Eigenkapital umgewandelt wurden.

Woher das viele Geld kommt, ist unklar. Nicht nur in der Landespolitik vermuten viele den russischen Staat als heimlichen Investor. Offen sagen will das aber niemand. Die Schweriner Landesregierung stellt Bürgschaften für Nordic Yards bereit. Zu den Finanzen des Unternehmens will sich das Wirtschaftsministerium nicht äußern. Das seien „unternehmensinterne Angelegenheiten“.

Jussufows Traum, mit Nordic Yards drei Werften zu einer Top-Adresse für maritimen Anlagenbau zu vereinen, ist mit dem Verkauf an die Genting-Gruppe für 230 Millionen Euro geplatzt. Die neuen Besitzer wollen Kreuzfahrtschiffe bauen. Wie die siebenjährige Episode für den künftigen Ex-Werftbesitzer Jussufow finanziell endet, weiß nur er selbst. Der hohe Verkaufspreis legt nahe, dass unter dem Strich doch ein paar Euro übrig bleiben könnten. Die letzte Offshore-Plattform „Dolwin gamma“ ist aber noch nicht fertig. Abgerechnet wird zum Schluss.

Schiffe, Mobilfunk, Banken

Der Schiffbau ist nur eines von mehreren Betätigungsfeldern von Witalij Jussufow. Seit 2010 gehören ihm Anteile am russsischen Mobilfunkunternehmen Osnova Telecom. Er und sein Vater Igor Jussufow gelten als gut vernetzt im Moskauer Kreml. Vor der Gründung von Nordic Yards leitete er das Moskauer Büro von North Stream, Betreiber der Ostsee-Pipeline, die russisches Erdgas nach Deutschland liefert. Im Jahr 2011 wirkte Jussufow junior bei der Übernahme der Bank of Moscow durch die vom russischen Staat kontrollierte Bank VTB mit. Jussufow soll als Mittelsmann des damaligen Staatspräsidenten Dmitri Medwedew gedient haben, indem er Anteile aufkaufte.

Von Gerald Kleine Wördemann

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