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10:02 28.07.2016
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Frankfurt/Main

Nach einem herben Gewinneinbruch deutet die Deutsche Bank eine härtere Gangart bei ihrem Radikalumbau an.

„Ich möchte hier nichts beschönigen: Sollte es bei diesem schwachen wirtschaftlichen Umfeld bleiben, müssen wir bei unserem Umbau noch ehrgeiziger werden, als wir es ohnehin schon sind“, erklärte Konzernchef John Cryan am Mittwoch. „Und wir werden schon jetzt alles daran setzen, die geplanten Schritte zu beschleunigen.“

Im zweiten Quartal 2016 blieb dem Frankfurter Dax-Konzern ein Mini-Überschuss von gerade einmal 20 Millionen Euro. Das den Aktionären zurechenbare Konzernergebnis betrug sogar nur 18 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte die Bank noch 818 Millionen Euro verdient.

„Bei allen Schwierigkeiten sollten wir nicht übersehen, dass wir inzwischen ein gutes Stück vorangekommen sind“, bilanzierte Cryan, der den Konzern seit gut einem Jahr führt. „Das spiegelt sich im Ergebnis des zweiten Quartals leider größtenteils noch nicht wider.“

Auf den Weg gebracht hat der Vorstand die Schließung von bundesweit 188 Filialen und den Abbau von knapp 3000 Vollzeitstellen in Deutschland. Über die Streichung von etwa 1000 weiteren Stellen im Heimatmarkt wird noch verhandelt. Weltweit will die Bank bis 2018 unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze abbauen. Aus zehn Auslandsmärkten und manchen Geschäften im Investmentbanking zieht sich die Deutsche Bank ganz zurück.

Bei der geplanten Trennung von der Postbank sieht sich der Vorstand nicht unter Zeitdruck. „Einige glauben, dass wir die Postbank 2017 verkaufen müssen - das ist nicht der Fall“, sagte Finanzchef Marcus Schenck. Die Bonner Tochter steht seit dem vergangenen April auf der Verkaufsliste. Pläne für einen Börsengang der Postbank liegen wegen des Kurseinbruchs für Bankaktien vorerst auf Eis. Schenck wies Gerüchte zurück, wonach die Deutsche Bank eine Aufspaltung in einen Teil für das Kapitalmarktgeschäft und einen für das Privat- und Firmenkundengeschäft durchspiele.

Im zweiten Quartal sackten die Erträge - die gesamten Einnahmen der Deutschen Bank - zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro ab. Dabei gab es in allen Geschäftsbereichen Einbußen - mit Ausnahme der Postbank.

Die Kosten für den Umbau drückten ebenso auf die Quartalsergebnisse wie die allgemeine Unsicherheit an den Kapitalmärkten unter anderem nach dem Nein der Briten zur Europäischen Union (Brexit-Votum). Zudem schlagen die anhaltend niedrigen Zinsen - wie bei anderen Instituten auch - immer stärker auf die Ergebnisse durch. Handlungsdruck wegen des Brexit-Votums vom 23. Juni sieht Cryan derzeit nicht. „Die Auswirkungen sind für uns unter dem Strich gering, da wir ohnehin unser Hauptquartier mitten in der Eurozone haben“, sagte der Brite.

Cryan hatte 2016 zum Übergangsjahr erklärt und mehrfach betont, er schließe nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro 2015 rote Zahlen für das laufende Jahr nicht aus. Für die ersten sechs Monate 2016 steht nun ein Überschuss von 256 Millionen Euro in den Büchern.

Finanzchef Schenck äußerte sich zuversichtlich, bei den juristischen Altlasten in diesem Jahr die größten Posten vom Tisch zu bekommen. Dazu zählen Vergleichsverhandlungen in den USA wegen krummer Hypothekengeschäfte und ein Geldwäscheverdacht in Russland. In den vergangenen drei Monaten erhöhte der Konzern die Rückstellungen für Rechtsrisiken um 120 Millionen auf 5,5 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr könnte es zu weiteren Belastungen kommen, warnte Schenck.

Cryan betonte trotz der mageren Gewinnzahlen die Stärke des Instituts. Man dürfe nicht „außer Acht lassen, dass das Risikoprofil der Deutschen Bank selten so gut war wie heute - allen gegenteiligen Spekulationen an den Finanzmärkten zum Trotz“.

Die Deutsche-Bank-Aktie ist seit Monaten auf Talfahrt. Seit Jahresbeginn verlor das Papier gut 40 Prozent seines Wertes. Im Februar sah sich die Bank wegen des Kurssturzes gar genötigt, öffentlich ihre Zahlungsfähigkeit zu betonen. Am Mittwoch rutschte die Aktie bis zum Mittag mit einem Minus von gut vier Prozent auf etwa 12,30 Euro ans Dax-Ende.

dpa

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