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Deutsche Börse wirbt für Fusion mit LSE

Frankfurt/Main Deutsche Börse wirbt für Fusion mit LSE

Im dritten Anlauf soll es klappen: Die Deutsche Börse und die Londoner LSE wollen sich zur europäischen Superbörse zusammenschließen. Doch Aktionäre der Frankfurter sind noch skeptisch.

Frankfurt/Main. Die Deutsche Börse treibt die Fusion mit der Londoner Börse LSE ungeachtet eines drohenden Austritts Großbritanniens aus der EU mit Macht voran.

Die Entscheidung über die Zukunft Großbritanniens in der Europäischen Union (EU) sei keine Voraussetzung für den milliardenschweren Zusammenschluss zur europäischen Superbörse, sagte Vorstandschef Carsten Kengeter auf der Hauptversammlung der Deutschen Börse in Frankfurt.

Allerdings könnte es zu einer Umverteilung der Geschäfte in der neuen Gruppe kommen. Davon könne Frankfurt profitieren, betonte Aufsichtsratschef Joachim Faber. „Dieser Zusammenschluss ist nicht nur im Interesse unserer Kunden und unseres Standortes, er ist auch und vor allem im Interesse der Aktionäre“, warb Kengeter bei den Aktionären für die Fusion. „Größe ist in unserer Branche das A und O.“ Sorgen, dass Frankfurt an Bedeutung verliere, nehme er ernst, halte er aber für unbegründet. „Frankfurt bleibt die Stadt des Dax.“

Die Deutsche Börse und die LSE wollen sich zu einem weltweit führenden Börsenbetreiber zusammenschließen - zwei Versuche waren in der Vergangenheit gescheitert. Die Frankfurter sollen gut 54 Prozent an dem fusionierten Unternehmen halten, als Sitz der Holding ist London vorgesehen. Kengeter soll das Unternehmen führen. Die Zentralen in Eschborn bei Frankfurt und London sollen bleiben. „Jeder Partner muss etwas geben, jeder bekommt etwas“, sagte Kengeter.

Das fusionierte Unternehmen kommt auf einen Börsenwert von mehr als 25 Milliarden Euro. Den bisherigen Planungen zufolge soll der Zusammenschluss Ende 2016 oder im ersten Quartal 2017 abgeschlossen sein.

Kengeter betonte, dass das fusionierte Unternehmen ein großes Eigeninteresse an einem Zugang zur Mainmetropole habe, schließlich sei die Stadt das Tor zur größten Volkswirtschaft in Europa und mit der Europäischen Zentralbank ein währungspolitisches Zentrum von Weltrang. „Niemand im Vorstand und ganz sicher niemand unter den Anteilseignern der neuen Holding würde die Vorteile, die daraus erwachsen, leichtfertig verspielen“.

Aktionärsvertreter äußerten dennoch Sorgen. „Warum verlegt der größere, stärkere Partner den Sitz nach London“, fragte ein Kleinaktionär. Andreas Lang von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) äußerte Bedenken, ob der Zusammenschluss sich auch im Fall eines EU-Austritts Großbritanniens (Brexit) noch lohne. „Dann wird der Wert der LSE deutlich sinken.“ Damit bestehe die Gefahr, dass die Deutsche Börse mit dem LSE-Deal viel Geld versenkt.

Kengeter sieht in der Fusion dagegen große Vorteile für ganz Europa. „Wir schaffen einen europäischen Akteur, der auf globaler Basis wettbewerbsfähig ist“. Als Gewinner sieht er auch gerade die deutsche Wirtschaft. „Der Zugang zu Kapital wird leichter“.

Der Börsenchef ist zuversichtlich, dass die Aufsichtsbehörden weltweit der Fusion zustimmen werden. Es gebe bei den geschäftlichen Aktivitäten beider Unternehmen kaum Überschneidungen. Dies müsse für Wettbewerbshüter in der EU ein überzeugender Grund für die Genehmigung sein. Sie hatten 2012 die geplante Übernahme der New Yorker Börse durch die Deutsche Börse verhindert.

Das für die Frankfurter Börsenaufsicht zuständige hessische Wirtschaftsministerium hatte zuletzt zudem ein Fragezeichen hinter die Pläne gemacht, den rechtlichen Sitz der geplanten europäischen Superbörse nach London zu verlagern. Man sei mit den hessischen Behörden in einem konstruktiven Austausch, sagte Kengeter.

Die Aktionäre der Deutschen Börse sollen in einigen Wochen ein Umtauschangebot erhalten, dem mindestens drei Viertel zustimmen müssen. Die Hauptversammlung wird dazu nicht gefragt. Bei der LSE entscheiden die Anteilseigner an einem einzigen Tag bei einem außerordentlichen Aktionärstreffen. Ob diese noch vor dem britischen Referendum über den EU-Austritt stattfindet, gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob das Land weiter Mitglied in der Europäischen Union bleibt.

dpa

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