Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Deutsche Post testet seltenere Briefzustellung
Nachrichten Wirtschaft Deutsche Post testet seltenere Briefzustellung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:02 02.09.2017
Wer soll entscheiden, wann ein Brief zugestellt wird, der Absender oder der Empfänger? Quelle: Oliver Berg
Bonn

Die Deutsche Post experimentiert damit, einigen Kunden Briefe nicht mehr jeden Werktag zuzustellen. Anfang Juli startete das Unternehmen unbemerkt von der Öffentlichkeit ein Pilotprojekt, das die bisherige Formen der Briefzustellung grundlegend verändern könnte.

Ausgewählte Kunden können wählen, ob sie Briefe als Sammelzustellung an einem Wochentag, an drei Wochentagen oder an fünf Tagen, dann aber an den Arbeitsplatz, geliefert bekommen wollen.

„Wir testen neue Zustelloptionen, um Kundenbedürfnisse zu erforschen“, sagte ein Postsprecher. Er bestätigte damit einen Bericht des „Bonner Generalanzeigers“. Schon vor einem Jahr war das Unternehmen wegen angeblicher Pläne, die Montagszustellung zu streichen, in die Schlagzeilen geraten.

Die Post möchte herausfinden, ob die drei neuen Formen der Zustellung bei den Postkunden auf fruchtbaren Boden fallen. Dazu hätten 18 geschulte Briefträger in den vergangenen Wochen Kunden bundesweit angeworben, die bereit seien, in einer Testphase auf eine tägliche Zustellung zu verzichten und eine andere Form zu wählen, sagte der Sprecher. Ausgeschlossen sind dabei Einschreiben, der Versand von Dokumenten oder auch Eilbriefe, die sofort ausgetragen werden.

Die Dienstleistungswerkschaft Verdi reagierte mit Empörung. Sie befürchtet, dass sich die Deutsche Post, die gesetzlich zu einer flächendeckenden Grundversorgung verpflichtet ist, aus ihrer Pflicht Schritt für Schritt verabschieden wolle. „Bei uns brennt die Hütte“, zitierte die Zeitung die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Sollte die Briefzustellung künftig seltener werden, könnten auch zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen.

Der Briefmarkt in Deutschland sei ausgesprochen stabil. „Wenn die Deutsche Post nun Kunden anbietet, auf diese Dienstleistung verzichten zu wollen, untergräbt sie die Auflagen einer flächendeckenden Grundversorgung und sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt“, kritisierte die Gewerkschafterin, die auch stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Post ist. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass eine Verringerung der Zustellfrequenz und damit längere Laufzeiten postalische Dienstleistungen unattraktiv machten.

Hintergrund der Pläne ist das seit Jahren schrumpfende Briefgeschäft. Die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft mit E-Mail und Messengerdiensten wie Whatsapp, Facebook, Twitter & Co verdrängen den traditionellen Brief. Im Geschäftsjahr 2006 wurden noch im Schnitt 70 Millionen Briefe pro Werktag zugestellt, zehn Jahre später waren es noch 59 Millionen. Die reine Briefkommunikation schrumpfte 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent auf 8,2 Milliarden Stück.

Trotz aller Kritik gibt sich die Post gelassen: Der Test, der noch bis Ende September laufe, sei ergebnisoffen und eine Entscheidung noch lange nicht gefallen. Auch die Bundesnetzagentur sei über den Testlauf vorab unterrichtet worden. Es sei überhaupt unklar, ob ein Kundenbedarf vorhanden sei und ob sich neue Formen der Zustellung betrieblich einsetzen ließen. Die Post werde sich auf keinen Fall aus ihrem Versorgungsauftrag mogeln, bekräftigte der Sprecher.

dpa

Mehr zum Thema

Die Arbeitsmarktzahlen sind gut, die Arbeitslosigkeit ist niedrig. Trotz einer festen Stelle gehen aber immer mehr Menschen nach Feierabend zum Beispiel in den Supermarkt - hinter die Kasse.

29.08.2017

Fit for future? Seit Jahren versucht sich VW vergeblich an einer Neuauflage des Bulli. Jetzt haben die Wolfsburger offenbar einen Weg gefunden, den Urtyp ihres Busses wiederzubeleben. Denn als ID Buzz kommt die Hippie-Ikone zurück - mit Elektroantrieb und Autopilot.

30.08.2017

Der Führungswechsel beim umstrittenen Fahrdienstvermittler Uber ist wie angekündigt über die Bühne gegangen. Der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi soll dafür sorgen, dass das hoch bewertete Skandal-Start-up wieder hoffähig wird.

30.08.2017

Die Serie „Twin Peaks“ ist Kult. In wenigen Tagen geht die dritte Staffel mit einer Doppelfolge zu Ende. Während die deutschen Zuschauer sie auf Sky schauen können, dürfen sich Amazon-Prime-Abonnenten auf die Fortsetzung eines anderen Klassikers freuen.

02.09.2017

Fußball ist und bleibt ein Quotenbringer. Mit der deutschen Nationalmannschaft hat sich am Freitagabend auch RTL den Sieg geholt. Den zweiten Platz belegte das ZDF mit einer Krimi-Serie.

02.09.2017

Der Flughafen Tegel ist nach Aussage des Berliner Finanzsenators Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) nach Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER nicht mehr profitabel.

02.09.2017