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Deutsche und Russen auf Tuchfühlung

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Beim Russlandtag kommen sich Politiker und Unternehmer näher / Alle wünschen sich ein Ende der Sanktionen

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Kontakte knüpfen: Martin Nätscher (l.), Bio am Sund, Stralsund, und Rolf Kammann (l.), Wirtschaftsförderung Vorpommern.

Von „Freunden“ ist am Rande des Russlandtags in Rostock oft die Rede. Aleksander Drosdenko , Gouverneur des Leningrader Gebietes, duzt Ministerpräsident Erwin Sellering . Es geht herzlich zu. Alexey Likhachev , Vize-Minister für wirtschaftliche Entwicklung in Russland, attestiert den Norddeutschen „russische Gastfreundschaft“. Ein Kompliment der Extraklasse. Der Wunsch nach Entspannung der Beziehungen zwischen beiden Ländern ist nahezu greifbar. Claus Ruhe Madsen , Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock, schreibt schnell noch seine Rede auf Papier. Neben ihm sitzt Georgy Semenenko , Chef der Kirov-Gruppe, die weltweit im Geschäft ist mit Maschinenbau. „Ich werde ihn mal fragen, ob ich ein U-Boot haben kann“, witzelt Madsen. Semenenko lobt gemeinsame Tugenden: Russen und Deutsche seien sich so ähnlich. Was läge also näher, als miteinander Geschäfte zu machen?

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Beim Russlandtag kommen sich Politiker und Unternehmer näher / Alle wünschen sich ein Ende der Sanktionen

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Agrarminister Till Backhaus (SPD) und Amtskollege Sergey Yakhnyuk tauschen sich über jüngere Erfolge aus. Nach starkem Einbruch des Exportes nach Russland gebe es Lichtblicke: „Wir haben bis Mai 10 000 Tonnen Saatkartoffeln geliefert“, so Backhaus.

Der erste Russlandtag 2014 habe Türen geöffnet, der zweite solle weitere Fortschritte bei der Verständigung geben, ist zu hören. Unter den 620 Teilnehmern sind viele Firmenchefs aus MV, auch ausgewiesene Russland-Experten. Frank Soßnowski , Insellogistik Rügen-Hiddensee, spricht perfekt Russisch. Seit 23 Jahren sei er mit einer Weißrussin verheiratet, verrät er. Seine Firma sei auf das Geschäft mit dem Riesen im Osten angewiesen. Mit den EU-Sanktionen brach das Geschäft ein; der Umsatz halbierte sich, so Soßnowski. Er wolle „Flagge zeigen, weil ich die Sanktionen für unsinnig halte“.

Auch Helmut Helmut Holter , Fraktionschef der Linken im Landtag, hat eine enge Beziehung zu Russland. Seine Frau, eine Armenierin, habe er beim Studium in Moskau kennengelernt. An der russischen Kultur schätze er die „Gelassenheit und Großzügigkeit“. Davon könnten die Deutschen durchaus lernen, die sich oft selbst zu viele Grenzen setzten. Martin Nätscher , Firma Bio am Sund aus Stralsund, plaudert mit Rolf Kammann von der Wirtschaftsförderung Vorpommern. Er spüre Aufbruchstimmung. „Ich habe das Gefühl, dass die Verantwortlichen stark motiviert sind“, so Nätscher. Er wolle Kontakte knüpfen. Zwar seien Bioprodukte derzeit in Russland noch nicht stark verbreitet, aber das könne sich bald ändern. „Dann will ich vorbereitet sein.“

Frank Pubantz

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