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Die Erklärung von Günter Lubitz

Dokumentation Die Erklärung von Günter Lubitz

Günter Lubitz - Vater des Copiloten Andreas Lubitz, der vor zwei Jahren den Germanwings-Absturz verursacht haben soll - hat sich am Freitag zu Beginn einer Pressekonferenz ...

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Günter Lubitz, Vater von Andreas Lubitz, bei seiner von vielen kritisierten Pressekonferenz.

Quelle: Kay Nietfeld

Berlin. Günter Lubitz - Vater des Copiloten Andreas Lubitz, der vor zwei Jahren den Germanwings-Absturz verursacht haben soll - hat sich am Freitag zu Beginn einer Pressekonferenz ausführlich geäußert:

„Erlauben Sie mir eine persönliche Bemerkung. In einer Pressekonferenz zu sitzen, ist neu für mich - unabhängig von meinen anderen Gefühlen an diesem Tag. Erlauben Sie mir noch eine Anmerkung zu dieser Terminwahl der Pressekonferenz. Natürlich wussten wir, dass sich heute auf den Tag das tragische Unglück zum zweiten Mal jährt. Natürlich haben wir damit gerechnet, dass uns dieser Termin aus der Erfahrung des letzten Jahres übelgenommen wird, obwohl uns die massiven Beschimpfungen aufs Neue wehtun. Ich bin mir auch sicher: Egal, welchen Tag wir gewählt hätten, die Reaktionen wären immer die gleichen gewesen. Wir haben diesen Tag nicht gewählt, um die anderen Angehörigen zu verletzen. Wir haben ihn gewählt, weil er am meisten Gehör für unser Anliegen verspricht. Gehör dafür, dass unser Sohn zum Zeitpunkt des Absturzes nicht an Depressionen litt.

Es braucht für uns - und sicher auch für die anderen Angehörigen - keinen Jahrestag, um einen besonderen Schmerz zu empfinden. Seit zwei Jahren geht es mir wie all den anderen Angehörigen. Ich stehe fassungslos dieser Tragödie gegenüber. Ich glaube, ich muss ihnen diese Fassungslosigkeit und Trauer nicht näher beschreiben. Dafür gibt es keine Worte und keinen Trost. Es ist schwer, ja fast unmöglich, den unerwarteten Tod eines geliebten Menschen zu begreifen und zu verkraften.

Was ich Ihnen jetzt sage, sage ich mit großer Vorsicht, weil es leicht missverstanden wird. Meine Trauer, die Trauer meiner Frau und die meines jüngeren Sohnes, für die ich hier auch stellvertretend spreche, ist eine andere, eine ganz spezielle. Es ist eine Trauer, die sich von der Trauer aller anderen Angehörigen unterscheidet.

Wir müssen damit leben, dass wir nicht nur unseren Sohn und Bruder verloren haben, sondern dass er bereits zwei Tage nach dem Absturz nach Aussage der französischen Staatsanwaltschaft als Alleinverantwortlicher feststand und namentlich genannt wurde. Wir müssen damit leben, dass er in den Medien als depressiver Massenmörder dargestellt wurde und noch wird, der in suizidaler Absicht ein Flugzeug zum Absturz gebracht hat; und dem es angeblich egal war, dass 149 Menschen mit in den Tod gerissen wurden. Wir müssen damit leben, dass unser Sohn immer, wenn es abscheuliche Attentate auf der Welt gibt, auch jedes Mal wieder erwähnt wird. Wir müssen damit leben, dass unser Sohn in den Medien auch als dauerdepressiv dargestellt wird.

Richtig ist, dass er 2008/2009 an einer Depression litt. Sechs Jahre vor dem tragischen Absturz überwand er diese. Er fand zu seiner ursprünglichen Kraft und Lebensfreude zurück, setzte seine Pilotenausbildung fort und schloss diese erfolgreich ab. Ende 2013 erhielt er einen Anstellungsvertrag bei Germanwings.

Wir müssen damit leben, dass seine häufigen Arztbesuche in 2014/2015, die ausschließlich wegen seines Augenleidens erfolgten, gleich wieder als Hilferuf eines Depressiven interpretiert werden. Dass diese nichts mit einer aufkommenden Depression zu tun hatten, bestätigt auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf in ihrem Abschlussvermerk (Es folgt Zitat aus einer Akte).

Ich möchte hervorheben, dass wir unseren Sohn in den sechs Jahren vor dem Absturz als lebensbejahenden, verantwortungsvollen und engagierten Menschen erlebt haben. Unser Sohn war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv. Alle Institutionen, die sich mit dem Fall beschäftigt haben, haben sich aber auf einen an Depressionen erkrankten Menschen konzentriert und andere Aspekte vernachlässigt.

Wie alle anderen Angehörigen sind auch wir auf der Suche nach Antworten und der Wahrheit. Weil wir während des Aktenstudiums feststellten, dass wir mit dieser speziellen Fragestellung überfordert sind und auch die speziellen technischen Aspekte der verschiedenen Untersuchungsberichte nicht richtig einordnen können, haben wir Herrn von Beveren beauftragt, sich dieser Sache anzunehmen. Herr von Beveren wurde uns gleich mehrfach von Kollegen unseres Sohnes als renommierter Luftfahrtexperte empfohlen.“

dpa

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