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Die Folgen für Geldanleger

London Die Folgen für Geldanleger

Rutschende Aktionkurse, steigende Goldpreise, billiges Pfund.

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Eine britische Fahne vor der Anzeigetafel für den Dax-Index.

Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa

London. George Soros hat mit seinen 85 Jahren schon viele Krisen gesehen, und eine Woche vor der Entscheidung der Briten war die Linie des legendären US-Investors klar: Er ging auf Nummer sicher und kaufte im großen Stil Gold. Er sollte recht behalten. Während rundum die Kurse rutschen, steigt der Goldpreis. Die Folgen des Brexit für Geldanleger:

Sparkonten und Tagesgeld

Keine Panik, es geht „nur“ um den EU-Austritt, nicht um die Währungsunion. Das Pfund bleibt, der Euro bleibt, Banken und Kapitalmärkte funktionieren. Die Konditionen für Bankprodukte ändern sich nicht, es sind keine Schieflagen von Banken erkennbar. Die Stiftung Warentest  warnt allerdings Sparer, die Geld zum Beispiel auf britischen Tagesgeldkonten angelegt haben. Auch dort gilt zwar die Einlagensicherung, sie beziehe sich aber auf Pfund-Beträge: 75 000 Pfund sind dort abgesichert, was einmal den in der EU vorgeschriebenen 100 000 Euro entsprach. Wegen des Pfund-Sturzes sind das aber nur noch  94 000 Euro.

Zinsen

Die Zinsen dürften noch länger als gedacht extrem niedrig bleiben. Zum einen kann es die Europäische Zentralbank angesichts der allgemeinen Unruhe jetzt noch weniger als bisher riskieren, geldpolitisch die Zügel anzuziehen.  Von Zinserhöhung ist auf absehbare Zeit keine Rede, eher vom Gegenteil. Zum anderen  suchen die großen Anleger  Sicherheit und kaufen vor allem amerikanische, aber auch deutsche Staatsanleihen. Wer sie schon besitzt, kann sich über Kurssteigerungen freuen. Wer jetzt noch Bundesanleihen kaufen will, muss mit extrem hohen Preisen und in der Folge meist negativer Rendite leben.

Aktien

Die Kurse rutschen – bisher aber nicht ins Bodenlose.  Eine britische Rezession wird auch Unternehmen in anderen Ländern schaden, bringt aber nicht die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht. Insgesamt warnen Experten vor panischen Reaktionen. Wegen der niedrigen Zinsen bleiben Aktien auf Dauer wichtig.  Sollte der Euro unter Druck bleiben, würde das gerade den deutschen  Exporteuren sogar helfen. Mutige sehen deshalb jetzt Einstiegschancen. Wie immer gilt: Aktien sind nichts für den Notgroschen, dort gehört nur Geld hin, das man nicht zu einem bestimmten Termin braucht.

Fonds

Besondere Aufmerksamkeit brauchen im Moment Fonds, die europäisch ausgerichtet sind. Dort haben britische Aktien einen spürbaren Anteil,  und die könnten dauerhafter leiden als Werte in anderen Ländern. Wenn ein Fonds also zum Beispiel an europäischen Aktienindizes wie EuroStoxx oder MSCI Europe gekoppelt ist, könnte er sich in den nächsten Monaten unterdurchschnittlich entwickeln. Das gilt vor allem für die weit verbreiteten ETF-Fonds, die automatisch der Entwicklung eines bestimmten Index folgen.

Gold

George Soros hat es vorgemacht, seit dem frühen Morgen folgen ihm viele Anleger: Der Preis für eine Unze Feingold ist um fast 5 Prozent auf mehr als 1300 Dollar gestiegen. Das ist der höchste Preis seit zwei Jahren. In den vergangenen Jahren waren Zweifel am Gold als „Krisenwährung“ aufgekommen, weil der Preis auf Unruhe an den Märkten kaum reagiert hatte. In den vergangenen Monaten hat sich das Blatt auch angesichts der zugespitzten Brexit-Diskussion aber gewendet. Seit Jahresbeginn ist der Preis um ein Drittel gestiegen. Generell gilt bei Gold: Der Preis schwankt nicht weniger als Wertpapierkurse, meist aber antizyklisch  - bietet in Krisenzeiten also oft Ausgleich für andere Verluste.

Währungen

Das Pfund ist drastisch gefallen, und daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern. Urlaub auf der Insel wird also günstig, auch britische Produkte sind in Euroland in Zukunft wohl  billiger zu haben. Der Euro ist ebenfalls – aber deutlich weniger - unter Druck.  Aus der Sicht der weltweiten Anleger ist  die Zukunft der gesamten Europäischen Union jetzt schwer vorauszusagen.  Wie lange das so bleibt, hängt vom Verlauf der politischen Diskussion zum Beispiel über weitere Austrittkandidaten und Reformen in der EU ab. Die USA gelten dagegen mehr denn je als sicherer Hafen, was den Dollar nachhaltig stärken dürfte – und die US-Reise teurer macht.

RND

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