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Die Löwenhöhle von Mecklenburg

Gallin Die Löwenhöhle von Mecklenburg

Im Logistikzentrum Gallin zeigt TV-Mann und Produktekönig Ralf Dümmel, was er auf Lager hat

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Produkte aus der Vox-Show sind der Renner: DS- Mitarbeiterin Alexandra Cala (20) mit der „Abfluss-Fee“

Quelle: Fotos: Frank Söllner (3); Vox, Benno Kraehahn

Gallin. In der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ macht Ralf Dümmel Jagd auf Gründer und ihre innovativen Produkte. Seine Beute bringt der smarte Geschäftsmann in seine eigene, die echte Löwenhöhle. Die befindet sich im Südwesten Mecklenburgs. In Gallin (Ludwigslust-Parchim) hat Dümmels Firma, die DS Produkte GmbH, ihr Zentrallager. Der Umschlagplatz für Abertausende Artikel ist so gut versteckt, dass ihn manch Lkw-Fahrer erst beim zweiten Anlauf findet, nachdem er sich vom Navi ins 110 Kilometer entfernte Gallin bei Lübz hat leiten lassen.

OZ-Bild

Im Logistikzentrum Gallin zeigt TV-Mann und Produktekönig Ralf Dümmel, was er auf Lager hat

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Wer Dümmels heilige Hallen betritt, wird von der Fülle an Konsumgütern fast erschlagen. Auf 30000 Quadratmetern stapeln sich Paletten voll bepackt mit Artikeln aus der Vox-Show: Der „Bügel-Clou“, der Duftstein-Stöpsel „Abfluss-Fee“ und die Anti-Knoblauch-Geruch-Brause „Papa Türk“ stecken in unzähligen Kartons. Den meisten Platz aber nehmen DS-Eigenprodukte ein, von denen „sicher fast jeder in Deutschland schon einmal eines gekauft hat“, wie Dümmel stolz betont. Wassersprudler, Bratpfanne, Fitness-Trainer und Friteuse – mehr als 4000 unterschiedliche Artikel hat DS im Sortiment. Etliche davon bringt der Konzern mit Promihilfe an den Kunden: Rainer Calmund bewirbt Grills, Verona Pooth Bauch-weg- Höschen.

Die DS-Firmenzentrale steht in Stapelfeld bei Hamburg. Herzstück des weltweit agierenden Handelsimperiums (400 Mitarbeiter, 250 Millionen Euro Jahresumsatz) aber ist das Galliner Logistikzentrum. Herr über die Hochregale ist Frank Müller. Die Dümmel-Deals bescheren dem Betriebsleiter und seinen 190 Mitstreitern einen Haufen Arbeit. Kaum ist die Dienstagabend-Show zu Ende, schnellen in Gallin die Bestellzahlen hoch, sagt Müller. An Durchschnittstagen schicken seine Leute an die 9000 Pakete raus. Hat’s in der „Höhle der Löwen“ ordentlich „gedümmelt“ – sprich: hat der Chef mehrere Deals abgeschlossen – sind es doppelt so viele. Drei Hallen bieten in Gallin Platz für mehr als 30000 Paletten. „Auf etwa 2000 davon steht Gründerware aus der ,Höhle der Löwen’“, sagt Frank Müller. Fernsehbonus zählt hier nicht: Bevor sie ins Lager dürfen, müssen die Artikel aus der Show genauso durch den Qualitätscheck wie die DS-Hausmarken. Die lässt Ralf Dümmel vorrangig in Fernost produzieren. Billiger China-Ramsch sei das deshalb aber keinesfalls, versichert Müller. „Wir testen die Ware bis ins Detail. Schlechte Qualität könnten wir uns gar nicht erlauben.“ Bummeln auch nicht, deshalb machen Lageristen und Staplerfahrer Dampf. Binnen 67 Tagen werde die Ware, die in Gallin lagert, einmal komplett umgeschlagen, sagt Müller. „Eine Topleistung.“ Die würde er nur zu gern ausbauen. „Wir suchen ständig neue Mitarbeiter.“

Nach den Produkten, die Ralf Dümmel bei „Die Höhle der Löwen“ eingekauft hat, müssen Fans der Sendung nicht lange Ausschau halten. Die Marktmacht des 49-Jährigen mit Hang zu knallbunten Einstecktüchern und farblich passenden Socken zeigt sich gleich am Tag nach der Ausstrahlung. Drogerien, Supermärkte, Discounter: 40000 Filialen beliefert Dümmels Firma. Das brachte ihm den Spitznamen „Mr. Regal“ ein. Vermarktet werden die Produkte auch online und im Teleshopping. Den Erfolg verdanke er seinem Team, betont Dümmel. Auch ein TV-Löwe ist eben nichts ohne sein Rudel.

TV-Löwe hat Blut geleckt

OZ: Sie waren bis vor kurzem wohl den wenigsten ein Begriff. Durch „Die Höhle der Löwen“ wissen jetzt Millionen, wer Sie sind.

Ralf Dümmel: Es war eigentlich nie unser Ziel, in die Öffentlichkeit zu gehen, weder als Firma noch ich als Person. Wir haben lange überlegt, ob wir das machen sollen.

Warum haben Sie Ja gesagt?

Dümmel: Wir leben von neuen Produkten. Die Sendung hilft uns, neue Leute mit tollen Ideen kennenzulernen. Mir macht es sehr viel Spaß, Gründern und Start-ups zu helfen. Natürlich ist das keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Ich investiere Geld mit dem Ziel, daraus einen Mehrwert zu erzielen.

Was bieten Sie dafür?

Dümmel: Bei mir gibt’s mehr als nur Geld. Ich biete bei Produkten das Rundum-Sorglos-Paket: Logistik, Einkauf, Vertrieb, Marketing, Rechtsbeistand. So jemand hat in der Sendung bislang gefehlt.

Wie viel von dem, was Vox uns Zuschauern zeigt, ist echt?

Dümmel: Viel. Da war ich sehr überrascht. Als ich den Vertrag unterschrieben habe, dachte ich, dass man vorher mal eine Bilanz oder ein Produkt zu sehen bekommt. Aber wir Löwen wissen nichts, so lange, bis die Studiotür aufgeht und der Gründer reinkommt.

Aber Sie müssen doch nicht wirklich binnen weniger Minuten entscheiden, ob Sie Zehntausende Euro lockermachen oder?

Dümmel: Durchschnittlich dauert so ein Pitch eineinhalb Stunden. Davon sehen Sie 15 bis 20 Minuten. Es wäre ja auch langweilig, wenn man immer die gleichen Standardfragen der Löwen zeigen würde.

Was muss ein Gründer mitbringen, um Sie zu überzeugen?

Dümmel: Er muss brennen für sein Thema. Ich muss das Gefühl haben, dass er für sein Produkt alles tut. Er muss auf kritische Fragen eine Antwort haben und den Willen, für sein Unternehmen auch mal auf eine Stunde Freizeit zu verzichten.

Nicht jeder Gründer kriegt den Deal. Kennen Sie Rückschläge?

Dümmel: Ich war bisher zum Glück oft auf der Siegerstraße unterwegs. Aber es wäre Quatsch, zu sagen, ich wäre nie hingefallen. Ich sage immer: kämpfen, kämpfen, kämpfen. Es gibt für alles eine Lösung.

Schauen Sie sich die Sendung an?

Dümmel: Ja. Den Zusammenschnitt bekommen wir Löwen vor der Ausstrahlung nicht zu sehen. Deshalb ist jeder Dienstag spannend.

Ihr TV-Debüt hat gut geklappt. Haben Sie Blut geleckt?

Dümmel: (lacht) Ich kann Sie beruhigen: Ich werde zukünftig weder „Wetten, dass..“ moderieren noch die Tagesschau. Ich genieße es, im Fernsehen zu sein, aber ich konzentriere mich lieber weiter auf meine Firma. Aber ich denke über die vierte Staffel „Höhle der Löwen“ nach. Noch ist nichts entschieden. Wir werden uns die nächsten Wochen damit auseinandersetzen.

Interview: Antje Bernstein

• Das komplette Interview gibt’s online: www.ostsee-zeitung.de

Antje Bernstein

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