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Die Rennpappe lebt

Grevesmühlen/Anklam Die Rennpappe lebt

Vor 25 Jahren endete die Produktion von Trabant und Wartburg / Heute sind alte DDR-Autos wieder Kult

Grevesmühlen/Anklam. Totgesagte leben länger: 25 Jahre nachdem im Zwickauer Automobilwerk Sachsenring der letzte Trabant vom Fließband rollte, ist der knatternde Plastebomber beliebt wie lange nicht mehr. „Wir sind alle mit dem Auto groß geworden“, erklärt Jens Rüberg (42) vom Trabi-Buggy-Club ‘93 aus Anklam die wiederentdeckte Begeisterung für das Auto ohne Komfort und mit Technik aus den 1960er Jahren. Erinnerungen an unzählige Schrauber-Nachmittage mit ölverschmierten Händen an Vaters Kleinwagen seien fester Bestandteil vieler DDR-Biografien, meint Rüberg. Als gestandene Erwachsene holen sich die Kinder von früher nun diesen Teil ihrer Erinnerungen zurück.

Am 10. April 1991 war Produktionsstopp für den Wartburg, der Trabant folgte am 30. April des gleichen Jahres. Nach langer Talfahrt haben die Zweitakt-Stinker inzwischen Kultstatus. 33550 Trabis waren am 1. Januar bundesweit zugelassen — 718 mehr als ein Jahr zuvor. Auch bei den Wartburgs geht‘s bergauf. Ihre Zahl stieg in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) um 152 auf 7396. Immer mehr Leute möbeln ihren Altwagen, der jahrelang im Schuppen parkte, wieder auf, vermutet KBA-Sprecher Stephan Immen. In Mecklenburg-Vorpommern waren Anfang 2015 exakt 2557 Trabis und 497 Wartburgs gemeldet.

Das wiedererwachte Interesse bleibt nicht folgenlos für den Gebrauchtmarkt: „Ein einigermaßen gesunder Trabant 601 kostet um die 1200 bis 1500 Euro“, sagt Gunnar Oldenburg (38) vom Fan-Club Trabant Kontinuum in Grevesmühlen. Dann können schon mal die Bremsen erneuerungsbedürftig sein. Wer einen Wagen in sehr gutem Zustand haben möchte, ist mit mehreren tausend Euro dabei. Nach der Wende waren die Fahrzeuge oft für ein paar Mark zu haben. Heute werden für Raritäten schnell fünfstellige Beträge verlangt. „Die Preise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagt Oldenburg, der als Kfz-Prüfingenieur arbeitet.

Für seinen Club-Freund Stephan Glür ist der Trabi mehr als nur Freizeitspaß: Der 37-Jährige besaß nie ein anderes Auto. „Als Kfz-Mechaniker sitze ich jeden Tag in allen möglichen Fahrzeugen“, sagt er. Privat bleibt für ihn der Plastebomber das Maß der Dinge. Das gilt für die täglichen 20 Kilometer zur Arbeit und Hunderte Kilometer weiten Urlaubsreisen. „Mit dem Motor ist es immer Glückssache“, erzählt Glür. Er hat schon einige verbraucht, ein Schwachpunkt seien die anfälligen Aluminiumlager der Kurbelwelle. Nicht selten stellt das Antriebsaggregat schon nach 30000 Kilometern Laufleistung für immer den Betrieb ein. Ersatzteile gibt es genug, manches werde heute noch hergestellt — und das oft in besserer Qualität als zu Sachsenring-Zeiten.

Jens Rüberg aus Anklam nutzt im Alltag „irgendwelche“ modernen Autos. Für Fahrten zum Einkaufen ins Büro einen seiner zwölf Trabis zu nehmen, hält er für „frevelhaft“. Die seien dafür zu viel schade, schließlich kostet eine fachkundige Restaurierung 6000 bis 8000 Euro. Vom 4. bis zum 8. Mai erwartet Rüberg wieder 1500 Trabi-Fans mit ihren nostalgischen Autos aus ganz Europa auf dem Anklamer Flugplatz. Nach Angaben des Vereins ist es das größte Treffen dieser Art weltweit.

Von Gerald Kleine Wördemann

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