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00:00 26.09.2018
Ditmar Schmidt, Mitbegründer des Vereins Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern, zeigt Kollektoren vor dem Gutshaus. Quelle: Foto: B. Wüstneck/dpa
Lübow

Am Solarzentrum Wietow vorbeizufahren, ohne es wahrzunehmen, ist praktisch unmöglich: Anlagen zur Sonnenenergie-Nutzung, wohin das Auge schaut. Auffallend ist hier in Nordwestmecklenburg auch das Gutshaus mit seiner leuchtend gelben Fassade – ein Sonnenschein der speziellen Art. In diesen Tagen feiert der dortige Verein Solarinitiative Mecklenburg-Vorpommern sein 15-jähriges Bestehen. Brigitte und Ditmar Schmidt haben ihn 2003 gegründet. Sie sanierten das vom Verfall bedrohte Gutsgelände und machten das zwischen 1850 und 1905 in mehreren Etappen errichtete Gutshaus zu einem Musterbeispiel für eine optimale Solarenergienutzung. Mit ökologischen Baustoffen und selbst entwickelter Technik, um es je nach Wetterlage warm oder kühl zu haben. Die gesamte Außenhülle des Gebäudes dient als Energiespender und -speicher. Auf dem Vereinsgelände unweit von Wismar finden wissenschaftliche Veranstaltungen und Erfahrungsaustausche statt, um neue Ideen zu vermitteln, Anstoßeffekte auszulösen. Ein Tagungshaus und Übernachtungsmöglichkeiten bieten ideale Voraussetzungen.

Bund und Land haben den Start auf dem Weg zu einer heute weithin bekannten Begegnungsstätte in puncto Sonnenenergienutzung seinerzeit mit 2,5 Millionen Euro gefördert. So manches weitere Projekt wurde finanziell unterstützt, doch längst nicht alles läuft wie gewünscht. Seit knapp zwei Jahren bemüht sich Ditmar Schmidt beim Agrar- und Umweltministerium um die Förderung eines von ihm entwickelten Projektes zur Fischaufzucht. In dem Kreislauf sollen verschiedene Fischarten sowie Obst und Gemüse gleichzeitig optimal gedeihen.

„Ein wegweisendes Projekt, in vielen Punkten besser als bisher genutzte Technologie“, urteilt Erich Reppenhagen, Chef der lokalen Aktionsgruppe Westmecklenburgische Ostseeküste. Diese war vor einigen Jahren eigens dafür gegründet worden, die Entwicklung des ländlichen Raumes durch Ansiedlung innovativer Firmen zu unterstützen. Doch der Antrag der Initiative zur Förderung einer Pilotanlage schmort im Ministerium. Aus dem zuständigen Fischereireferat heißt es, es fehlten wichtige Details. „Mein anfangs eingereichtes Konzept umfasst über 20 Seiten. Inzwischen habe ich über 250 Seiten nachgereicht“, sagt Schmidt.

Aufgeben will er jedoch auf keinen Fall. Seine ersten Erfahrungen mit Sonnenenergie sammelte Ditmar Schmidt vor 40 Jahren in Mosambik, im Südosten Afrikas. „Es gab keine funktionierende Stromversorgung, aber viel Sonne. Also haben wir uns etwas einfallen lassen“, erzählt der studierte Elektrotechniker. Zurück an der Hochschule Wismar, gründete er 1985 einen Lehrstuhl für erneuerbare Energien. Als der nach der Wende abgewickelt wurde, machte er sich selbstständig, um seine Visionen von einem solaren Zeitalter umsetzen zu können. „Wir denken, die Sonnenenergie-Nutzung wird irgendwann zum Selbstläufer“, sagen die Protagonisten bei der Solarinitiative MV. Gebaut hat Schmidt unterdessen sein Gewächshaus der Zukunft, das in Wietow nahezu alle Gebäude überragt. In der Pilotanlage sind neben Tomaten und Gewürzen gerade auch Ananas und Bananen reif. „Wir haben ein spezielles Glas entwickelt, das die Sonnenstrahlen optimal nutzt. Unser Gewächshaus ist somit klimaunabhängig. Es kann überall auf der Welt stehen. In der Tundra oder in der Wüste. Mit verschiedenen Techniken können wir Umweltbedingungen erzeugen, die gerade gefragt sind“, so Schmidt. „Wenn wir den Klimawandel bewältigen wollen, müssen wir unsere Lebensmittel wieder regional erzeugen. Und nicht über Tausende Kilometer transportieren.“

Jürgen Drewes

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