Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Die letzten Kohl-Bauern in MV: Wenn er quietscht, ist alles gut

Ikendorf Die letzten Kohl-Bauern in MV: Wenn er quietscht, ist alles gut

Der Familienbetrieb Elgeti baut bei Rostock das Gemüse noch auf vier Hektar an

Voriger Artikel
DAX: Schlusskurse im Späthandel am 25.11.2016 um 20:30 Uhr
Nächster Artikel
Volkswirte: Deutscher Wirtschaft vorerst ohne „Trump-Effekt“

Frisch vom Feld: Monika Elgeti putzt immer nur so viel Kohlköpfe wie am selben Tag an den Handel ausgeliefert werden können. FOTOS: BERND WÜSTNECK/DPA

Ikendorf. . Monika Elgeti putzt mit einem stabilen Kohlmesser die von ihrem Mann eingebrachte Ernte. Etliche Blätter fallen zu Boden, bis der Kohlkopf den Qualitätsanforderungen entspricht. Jetzt wiegt er nur noch etwa zwei Kilogramm. Zuvor war er fast doppelt so schwer. Nahezu die Hälfte ist Abfall.

OZ-Bild

Der Familienbetrieb Elgeti baut bei Rostock das Gemüse noch auf vier Hektar an

Zur Bildergalerie

„So soll er aussehen: Die Blätter müssen eng anliegen, und es dürfen keine Schädlingsspuren mehr zu sehen sein. Wenn er jetzt noch quietscht, ist alles in Ordnung“, erklärt die Gemüsebäuerin auf ihrem Hof in Ikendorf bei Rostock. „Wir putzen immer nur so viel, wie wir am gleichen Tag verkaufen können. Bei uns ab Hof, oder im Lebensmitteleinzelhandel“, erklärt Ehemann Herwig Elgeti.

2016 war ein schwieriges Jahr für Rot- und Weißkohl, berichtet der Landwirt, der übrigens der Vater von Hansa-Investor Rolf Elgeti ist. Da es im Frühjahr wie im Sommer wochenlang kaum regnete, ist der Kohl schlecht gewachsen. „Dafür haben sich Schädlinge optimal entwickelt. Das hier sind deren Fraßspuren“, deutet Monika Elgeti auf die schwarzen Punkte auf den Außenblättern, die sie Stück für Stück abschlägt. Dabei wird sie von den am Hof grasenden Schafen beobachtet. „Die hatten es in diesem Jahr auch schwer. Selbst auf der Weide wollte es nicht grün werden. Wir mussten permanent zufüttern. Die Kohlblätter haben sie inzwischen als Delikatesse für sich entdeckt“, erzählt die Bäuerin und wirft in hohem Bogen eine Handvoll vom Abfallberg über den Weidezaun. Die Elgetis sind die einzigen verbliebenen größeren Kohlanbauer in MV. Doch ihre Fläche ist lediglich vier Hektar groß.

Zum Vergleich: In Niedersachsen wird Kohl auf 2800 und in Schleswig-Holstein auf 4000 Hektar angebaut. Dort befindet sich um die Kreisstadt Heide in Dithmarschen mit 3000 Hektar das größte Kohlanbaugebiet Europas.

Vor Jahren hatte auch die Insel Rügen einen Namen im Kohlanbau. Doch ging es dort seit der Wende stetig bergab. Statt mehrere hundert Hektar, wie zu DDR Zeiten, waren es 2012 nur noch zehn. Anhaltender Preisverfall und sinkende Nachfrage zwangen die Agrar GmbH Wittow Süd in Altenkirchen vor vier Jahren zur Aufgabe. Damit war das Ende des Kohlanbaus auf Rügen besiegelt, der 1935 auf der Halbinsel Wittow begonnen hatte. Geschichte sind die Kohlfeste, die den Touristenstrom in der Nachsaison deutlich anschwellen ließen. Heute wächst Kohl auf Rügen nur noch in Haus- und Kleingärten.

„Wir wollen unbedingt weitermachen. Auch wenn es in diesem Jahr aufgrund des Wetters nicht gut lief“, sagt Monika Elgeti und zeigt auf ihre relativ kleinen Weiß- und Rotkohlköpfe. Ihr Ehemann hievt etliche Kohlkisten auf seinen Transporter. Gerade geputzt, werden die Köpfe ausgefahren und wenig später liegen sie schon in den Verkaufsregalen. „So funktioniert Frische“, meint er. Insgesamt bewirtschaftet das Familienunternehmen in Ikendorf 25 Hektar. Angebaut werden auch Kartoffeln, Petersilie, Dill und Wruken sowie Schaf-F utter.

Frank Meißler, Chef im Globus-Markt Roggentin bei Rostock, erwartet den Kohl der Elgetis schon. Er ist von dessen Qualität überzeugt. „Wir setzen auf Lebensmittel aus der Region. Die Kunden wollen wissen, woher das Fleisch, die Wurst, der Fisch oder das Gemüse kommen.“ Aktuell versorgt sich Deutschland laut Statistischem Bundesamt nur zu 36 Prozent mit Gemüse aus eigenem Anbau.

Sauerkraut: gesund und lecker

Sauerkraut gehört wohl zu den beliebtesten Weißkohl-Speisen. Oft landet Supermarktware auf dem Teller, dabei lässt sich das gesunde Gemüse problemlos zu Hause haltbar machen. Ein Rezeptvorschlag.

Zutaten: 1 kg frischer, fester Weißkohl, 20 g Salz, Gewürze (z.B. Lorbeerblätter, Kümmel oder Wacholder) nach Geschmack

Den Kohl in Streifen hobeln, Salz und Gewürze beigeben. Kräftig kneten oder im Tontopf stampfen, bis Saft austritt und den Kohl bedeckt. 4-6 Tage abgedeckt und warm lagern, dann zwei Wochen an einem dunklen und kühleren Ort ruhen lassen.

Jürgen Drewes

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Ribnitz-Damgarten
Geschäftsführer Mirko Ohm (l.) und Tischler Sven Lehr in der Werkstatt der Marlower Möbel GmbH. FOTOS: ANIKA WENNING

Unternehmen beliefert Schulen, Kitas und Privatkunden / Aufträge auch aus Dubai / Fachkräfte fehlen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.