Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft „Dieselgate“ stellt alles in Frage
Nachrichten Wirtschaft „Dieselgate“ stellt alles in Frage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.09.2018
Absatzprobleme: Zahlreiche Neufahrzeuge von Volkswagen stehen auf einem großen Parkplatz in Lehrte (Niedersachsen). Quelle: Fotos: Stratenschulte/dpa; Thiessen/dpa
Wolfsburg

Eine ganze Branche im Bann einer Affäre: Die Autobauer können dem „Dieselgate“ nicht entkommen – auch im dritten Jahr nach dem Beginn des Skandals. Der Betrug mit manipulierten Dieselmotoren hat beim Volkswagen-Konzern und der gesamten Branche einen Schock hinterlassen. Rückblickend ließe sich sagen: Es war der große Wendepunkt. So fasst es auch der Autoexperte Stefan Bratzel zusammen.

Trotz glänzender Bilanz hat die tiefe Krise unerwartete Folgen für den Volkswagen-Konzern

Affäre nicht ausgestanden

Vor allem für VW, denn ohne die Abgas-Affäre wäre auch die E-Mobilität, einer der großen Branchentrends, in dieser Breite bei dem Autoriesen nicht möglich gewesen, schätzt der Fachmann. Sollte der Betrug also ein Grund für Dankbarkeit sein? Fest steht: Ausgestanden ist „Dieselgate“ lange nicht, selbst drei Jahre später. Was war passiert? Am 18. September 2015 geben die Umweltbehörden in den USA bekannt, dass bei Abgasmessungen von VW-Modellen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Zu dem Zeitpunkt scheint VW auf dem Zenit, will größter Autobauer der Welt werden. Am 20. September 2015 endet die Rekordfahrt im größten Crash der Konzerngeschichte. Die bis dahin so selbstbewussten Wolfsburger müssen „Manipulationen“ an ihren Dieselmotoren einräumen. Am 23. September fegt der Skandal den damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn aus dem Amt. Es folgen Neubesetzungen der gesamten ersten Führungsebene der Technischen Entwicklung und es entsteht ein Vorstandsressort für Integrität und Recht. VW im Ausnahmezustand – und noch immer dauert die Aufarbeitung an, wie Bratzel sagt. Nicht nur Aktionärsklagen, die im schlimmsten Fall weitere Milliarden kosten könnten, belasten den Konzern. Auch steckt das Management nach wie vor viel Arbeit in die Analyse der Fehler der Vergangenheit. Und doch gilt: Die Krise ist ein Katalysator für den Wandel in Wolfsburg. „Ohne „Dieselgate“ wäre VW in eine Sackgasse gelaufen“, meint auch Bratzels Kollege Ferdinand Dudenhöffer. Bislang hat der Skandal den Konzern rund 27 Milliarden Euro gekostet, wie ein Sprecher berichtet. Der noch von Ex-Chef Matthias Müller ausgerufene Kulturwandel, der anfangs zu haken schien, kommt den Angaben zufolge voran. In den USA sei die Aufarbeitung fast beendet. Gleichzeitig sei das Software-Update bei Autos in Deutschland nahezu abgeschlossen – 97 Prozent der Autos hätten ein neues Programm aufgespielt. In Europa seien es 78 Prozent, weltweit knapp 72 Prozent.

Klagen bedeuten hohes Risiko

Zwar sei VW „fast darüber weg“, aber in mancher Hinsicht wirke „Dieselgate“ noch nach, erklärt Dudenhöffer. Er spielt auf das Musterverfahren in Braunschweig an, wo Anleger auf Schadenersatz klagen – sie fühlen sich zu spät von Volkswagen über den Skandal informiert. Zwischenzeitlich verlieren die VW-Vorzugsaktien nach dem Skandal fast die Hälfte ihres Werts. Diese Milliardenklagen bedeuteten ein hohes Risiko, mahnt Dudenhöffer. Und das, nachdem Volkswagen für Vergleiche in Nordamerika schon Milliardensummen verbucht hat. Doch die Strafzahlungen hätten einen „positiven Effekt auf den Konzern“. VW habe eine 180-Grad-Kehre hingelegt, neues Denken sei eingezogen, zu dem auch Ex-Chef Müller viel beigetragen habe. Dafür bringt der Wandel zur Elektromobilität neue Unwägbarkeiten. Was wird mit den Beschäftigten in den Motorenwerken? Unklar ist auch, wo künftig die Batteriezellen für die Akkus der Elektroautos entstehen sollen. Wird die Branche weiterhin von Zulieferern vor allem aus Südkorea und Japan zukaufen und damit auf einen erheblichen Teil der Wertschöpfung am Auto verzichten? Und: Wann kann Volkswagen eigentlich den Skandal wirklich hinter sich lassen während gleichzeitig Anleger auf Schadenersatz klagen und weiterhin auch strafrechtlich ermittelt wird?

Es geht um möglichen Betrug und Marktmanipulation, gegen Diess, Winterkorn sowie den Ex-Finanz- und heutigen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Auf der Habenseite: Die Verkäufe erreichen immer neue Rekorde.

Thomas Strünkelnberg

Bundesverkehrsminister hält Diesel-Software-Updates für wirksamere Lösung

12.09.2018

An der Frankfurter Wertpapierbörse wurden im Späthandel am 11.09.2018 um 20:31 Uhr folgende Schlusskurse für die 30 Werte des Deutschen Aktienindex DAX festgestellt.

11.09.2018

Der Lautsprecher-Anbieter Sonos hat die Anleger mit seinem ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang im Sommer enttäuscht.

11.09.2018
Anzeige