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Dorsch-Krise: Abwrackprämie soll Kutterfischer entlasten

Rostock Dorsch-Krise: Abwrackprämie soll Kutterfischer entlasten

Die drastische Senkung der Fangquote im kommenden Jahr bedeutet für viele Fischer in MV das Aus / Die Politik will mit Subventionen gegensteuern

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Fischer Kai Dunkelmann (36) aus Boltenhagen hat einen Dorsch im Netz. Damit könnte es bald vorbei sein.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Auf der Insel Poel lässt sich der Niedergang eines uralten Berufsstands beispielhaft nachzeichnen: „Meine Kollegen hören alle auf“, sagt Steffen Hartig. Alle – das sind drei der derzeit noch vier aktiven Fischer. „Schon in den vergangenen Jahren haben sieben oder acht Mann aufgehört“, erklärt Hartig (40), der in der vierten Generation als Fischer arbeitet.

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Die drastische Senkung der Fangquote im kommenden Jahr bedeutet für viele Fischer in MV das Aus / Die Politik will mit Subventionen gegensteuern

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Und der ab Januar der letzte Fischer auf Poel sein wird, wenn seine Kollegen sich in den Vorruhestand verabschiedet haben. Weil die Fischerei nichts mehr einbringt.

Auslöser für den finalen Schritt war die Ankündigung, im nächsten Fangjahr müsse die Dorschquote um satte 88 Prozent gekürzt werden. Das empfiehlt der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES), und in der Regel folgt die EU-Kommission den Einschätzungen der Wissenschaftler. Die haben festgestellt, dass der Dorschnachwuchs in der deutschen und dänischen Ostsee auf zehn Prozent der Vorjahre zurückgegangen sei.

Die Politik ringt derweil um Lösungen für die Fischer. Dass die drastische Kürzung der Dorschquoten einem Fangverbot für den wichtigen Wirtschaftsfisch gleichkommt, steht außer Frage. Es sei eine „für viele Fischereibetriebe äußerst kritische Situation“, sagt die EU-Fischereiexpertin Ulrike Rodust (SPD). Daher müssten Modelle entwickelt werden, die das Überleben der Fischer sichern.

Ein Modell könnte dabei eine sogenannte Abwrackprämie für ganz oder zeitlich befristet stillgelegte Kutter sein. Das Problem: Prämierte Abwrackung ginge „der deutschen Flottenkapazität unwiderruflich verloren“, sagt die Sprecherin des Schweriner Fischereiministeriums, Eva Klaußner-Ziebarth. Wie hoch eine solche Prämie ausfallen könnte, stehe noch nicht fest.

Als Ausgleichszahlungen für stillgelegte Schiffe ist Medienberichten zufolge eine Summe von vier Millionen Euro im Gespräch. Die EU und der Bund würden sich die Mittel demnach teilen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium nannte die Angaben „spekulativ“.

Vier Millionen Euro seien zu wenig, kritisiert Norbert Kahlfuß vom Vorstand des Kutter- und Küstenfischerverbands MV. Wenn Kutter tatsächlich über Monate in den Häfen liegen bleiben müssten, würde das Geld längst nicht ausreichen, um Ausfälle zu kompensieren. Durch die drohende Dorschquotenkürzung gebe es „ eine Krisen-Situation wie nie zuvor“.

Auch für den Fischer Kai Dunkelmann (36) aus Boltenhagen ist das drastische Fangminus eine Katastrophe. Es sei unverständlich, warum Dorschfänge von Anglern nicht ebenfalls begrenzt werden. Außerdem sei ein Rückgang der Dorschbestände nicht der Fischerei anzulasten, sondern „das kommt von den Schadstoffeinträgen durch die Landwirtschaft“.

Für das nächste Fangjahr würde eine Quotenreduzierung um 88 Prozent vor der Küste von MV einen Gesamtverlust in Höhe von 900000 Euro bedeuten, erklärt der Schweriner Fischereiminister Till Backhaus (SPD). Statt der derzeit erlaubten 821 Tonnen dürften dann nur noch 98 Tonnen Dorsch gefangen werden.

WWF fordert Fang-Limits für Dorsch-Angler in Ostsee

Angesichts des schlechten Dorschbestands in der westlichen Ostsee fordert der Umweltverband WWF FangLimits für Angler. „Die Angelfischerei wirkt sich gravierend auf den schrumpfenden Dorschbestand aus, ist aber bis auf eine Mindestgröße für Fisch überhaupt nicht reguliert“, sagt die WWF-Fischereiexpertin Stella Nemecky. Der Landesanglerverband lehnt hingegen Dorschfang-Limits ab. Stattdessen könne das Mindestmaß der zu fangenden Dorsche von 38 auf 40 Zentimeter heraufgesetzt werden.

Axel Meyer

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