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Dorsch-Krise: Bringt neue Quote das Aus für viele Berufsfischer?

Luxemburg/Rostock Dorsch-Krise: Bringt neue Quote das Aus für viele Berufsfischer?

Gestern tagten die EU-Fischereiminister / Bei einer drohenden Reduzierung der Fangmenge um 88 Prozent wird fast jeder zweite Fischer aufgeben müssen

Luxemburg/Rostock. Mit bangem Blick schauen die Fischer aus Mecklenburg-Vorpommern nach Luxemburg. Dort tagen seit gestern die Fischereiminister der Europäischen Union (EU). Das Top-Thema: die drohende Senkung der Dorschquote in der westlichen Ostsee um 88 Prozent. Bei den Gesprächen wurde bis Redaktionsschluss aber noch kein Ergebnis erzielt. Deutschland wollte sich nach Aussage von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gegen die drastische Kürzung einsetzen: Ein solcher Schritt könne „ein Ende der Fischerei darstellen“.

Dass „so eine drastische Kürzung“ für viele Fischereibetriebe das Aus bedeutet, betonte auch der Geschäftsführer der Freester Fischereigenossenschaft „Peenemündung“ (Vorpommern-Greifswald), Michael Schütt. Zwei seiner Kollegen hätten bereits angekündigt, aus dem Grund mit der Fischerei aufhören zu müssen.

„Unser Brotfisch ist zwar der Hering, aber trotzdem fehlen unseren Fischern die Dorscherlöse“, sagte Schütt. Auch auf der Insel Poel (Nordwestmecklenburg) werden mehrere Fischer zum Jahresende den Beruf an den Nagel hängen. Von den einst mehr als zehn Fischern wird ab kommendem Jahr nur noch ein Fischer arbeiten.

In diesem Jahr dürfen die Fischer aus MV 821 Tonnen Dorsch fangen – was bereits eine Kürzung um 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet (2015: 1451 Tonnen). Sollte die EU-Kommission den Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) folgen, könnten die Fischer im kommenden Jahr nur noch 98 Tonnen Dorsch fangen.

Ach wenn es dazu führt, dass etwa jeder zweite Berufsfischer seinen Beruf aufgeben wird, halten die Experten des Rostocker Thünen-Instituts eine Reduzierung der Fangmengen für unausweichlich. Der Dorsch in der westlichen Ostsee werde seit 20 Jahren überfischt. 2015 sei zudem die Nachwuchsproduktion dramatisch eingebrochen (OZ berichtete).

Von einem „Dorschdrama an der Ostsee“ sprach der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbands, Holger Ortel, und stellte die Erhebungen der Wissenschaftler infrage: Es habe unter anderem „jahrelange Fehler bei der Altersbestimmung von Dorschbeständen“ gegeben. Daher seien „die vielversprechenden Prognosen der Vorjahre für die Dorschfischerei über den Haufen geworfen“ worden.

Die Politik ringt derweil um Lösungen. Der Schweriner Agrarminister Till Backhaus (SPD) fordert, finanzielle EU-Hilfen „unbürokratisch bereitzustellen“ – etwa für eine Stilllegung von Fischereifahrzeugen. Um die zu erwartenden Fangausfälle zu kompensieren, benötigten die Fischer aus dem Bundes- und EU-Haushalt insgesamt acht Millionen Euro, betonte der EU-Abgeordnete aus MV, Werner Kuhn (CDU). Michael Schütt aus Freest gab sich skeptisch: Die Modelle für die Stilllegungsprämien seien noch unausgereift.

Diskutiert wird auch eine Fangbeschränkung von Freizeitanglern, die Untersuchungen zufolge genauso viel Dorsch aus der Ostsee holen wie die Berufsfischer. Im Gespräch sind etwa Tageslimits von fünf Fischen pro Angler. Davon hält der Präsident des Landesanglerverbands MV, Karl- Heinz Brillowski, nichts: Zum einen seien die Fänge der Bootsangler kaum zu kontrollieren. Zum anderen würde ein Limit Angelurlauber abschrecken, die extra aus anderen Bundesländern anreisen.

Die Angler seien aber bereit, ihren Beitrag für die Schonung der Dorschbestände zu leisten, betonte Brillowski. Als eine Möglichkeit sei angeboten worden, das Fangmaß für Dorsche, die von Booten aus gefangen werden, von 38 auf 45 Zentimeter zu erhöhen, eine andere Möglichkeit der Verzicht des Fangs von Laichdorschen.

Axel Meyer

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