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Dunja Hayali startet zweite Runde „Donnerstalk“

Berlin Dunja Hayali startet zweite Runde „Donnerstalk“

Dunja Hayali bekommt in der Sommerpause von Maybrit Illner erneut eine eigene Sendung im ZDF. Wieder interessiert sie sich für politische Themen. Bei einem hat sie persönliche Erfahrungen in der Familie.

Berlin. Im Brief eines anonymen Hetzers strich sie Dutzende Fehler an und blamierte den Schreiber damit bei Facebook. Bei der Goldenen Kamera hielt Dunja Hayali eine emotionale Dankesrede, die zum Internethit wurde. Ihre Botschaft: „Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass?“

Die 42 Jahre alte Moderatorin ist über ihren Alltags-Job beim ZDF-„Morgenmagazin“ hinausgewachsen. In der Flüchtlingskrise zeigte sich, was für ein politisch denkender Mensch sie ist, das kann man gut auch auf ihrer Facebook-Seite beobachten. Jetzt bekommt Hayali in der Sommerpause von Maybrit Illner wieder eine eigene Sendung mit jeweils drei Themen, Gesprächen und Reportagen.

Der „Donnerstalk“ startet aan diesem Donnerstag (22.15 Uhr). Vier Ausgaben sind geplant. Das ZDF verspricht Geschichten mit „sozialpolitischem Zündstoff“ und spendierte eine Werbe-Kampagne: „Herz. Haltung. Hayali.“ lautet das Motto, dazu das Bild der Moderatorin in Lederjacke.

2015 saß Til Schweiger, der bei Facebook Hetze gegen Flüchtlinge erlebt hatte, bei Hayali auf dem Sofa. Die Flüchtlingskrise war noch neu - und in jeder Sendung Thema, wie sich die Journalistin erinnert. „Deshalb wäre es spannend zu sehen: Wo stehen wir gerade jetzt, rund ein Jahr später?“

Hayali, Westfälin mit irakisch-christlichen Eltern und Wohnsitz in Berlin-Kreuzberg, wird wieder politisch. „Mir bereitet der Rechtsextremismus, genauso wie Linksextremismus, große Sorgen“, sagt sie. Das könnte ein Thema der Sendung sein, weil es exemplarisch dafür stehe, wie gespalten die Gesellschaft sei.

„Zudem zeigt sich gerade, dass wir noch immer ein Problem mit Antisemitismus, Homophobie und mehr haben“, sagt Hayali, die selbst lesbisch ist. „Es ist gruselig zu sehen, wie enthemmt auch ein Teil der sogenannten Mitte geworden ist.“ Diese zum Teil „abscheuliche Offenheit“ könnte vielleicht auch eine Chance sein: „Jetzt wissen wir, woran wir sind.“

Bei „Donnerstalk“ interessiert sich Hayali neben Themen wie Frauen in der rechtsextremen Szene und softeren Stoffen wie 3D-Brillen/Virtual Reality auch für den Komplex Pflege. Was noch nicht viele wissen: Sie hat dabei persönliche Erfahrungen durch ihre Eltern, die beide um die 80 Jahre alt sind. „Mein Vater hat Alzheimer und meine Mutter Parkinson“, erzählt Hayali. „Deswegen weiß ich sehr gut, wie es um das Thema Pflege bestellt ist. Die Kräfte machen da einen tollen Job, sind aber sowohl unterbesetzt wie unterbezahlt.“

Gerade für ein reiches Land wie Deutschland sei das unwürdig. „Was mich umtreibt: Dass Leute, die sich 40, 50 Jahre für das Land engagiert und ihre Familie ernährt haben, nicht in Würde altern können. Wenn mein Vater nicht so gut vorgesorgt hätte - ich weiß gar nicht, wie andere das finanzieren.“

2015 versprach Hayali im „Donnerstalk“, alle Kommentare zu lesen, auch Hetze und Hass. Das will sie weiter versuchen. „Ich lese - fast - alles.“ Wobei sie realistisch ist: Es sei nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Beim „Donnerstalk“ hilft das „Team Hayali“. Was die Moderatorin selbst im Netz schreibt, unterzeichnet sie gern mit „E&DH“ - das „E“ steht für ihre Hündin Emma, „DH“ sind ihre Initialen.

Privat wünscht sich Hayali mehr Urlaub, mehr Schlaf und weniger Augenringe - und außerdem „dass wir in Deutschland wieder miteinander diskutieren können, ohne Hass. Dass man seinem Gegenüber nach einer respektvollen, gerne auch mal emotionalen Diskussion, seine Meinung lässt, auch wenn sie mit der eigenen nichts zu tun hat.“

dpa

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