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E10 kaum noch günstiger als herkömmliches Benzin

Rostock E10 kaum noch günstiger als herkömmliches Benzin

Marktanteil des Biosprits sinkt auf 12,9 Prozent / Grund ist auch der geringe Preisunterschied zum Super E5 / Biokraftstoffverband setzt auf schärfere Umweltgesetze

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Sport- und Fitnesskauffrau Claudia Skuppien (22) aus Stralsund tankt nur in Ausnahmefällen E10 Super.

Quelle: Christian Rödel

Rostock. Vom Hoffnungsträger zum Außenseiter: Der Bio-Sprit E10 verliert immer weiter an Boden. Im ersten Halbjahr 2016 sank der Marktanteil auf 12,9 Prozent – so wenig war es nicht mehr seit der Markteinführung 2011. Ein Grund dafür ist neben dem niedrigen Ölpreis eine Gesetzesänderung aus dem vergangenen Jahr.

 

OZ-Bild

Jürgen Ziegner, ZTG-Geschäfts- führer

Quelle: ZTG

Deutlich mehr Diesel als Super

8,86 Millionen Tonnen Otto-Kraftstoff wurden im ersten Halbjahr 2016 in Deutschland getankt. Davon waren 7,32 Millionen Super E5 und 1,14 Millionen E10. Am Gesamtabsatz von 54,3 Millionen Tonnen Mineralöl hatte Diesel mit

18,59 Millionen den größten Anteil.

Der Preisfaktor ist leicht erklärt: E10 enthält bis zu zehn Prozent Bio-Ethanol aus Getreide oder Zuckerrüben. Nun ist der Preis für Erdöl in den letzten Jahren deutlich gesunken, der für Bio-Ethanol aber nicht. „Die Beimischung pro Liter ist daher relativ gesehen teurer geworden“, sagt Jürgen Ziegner, Geschäftsführer beim Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG). Der Preisunterschied von E10 zum herkömmlichen E5-Kraftstoff sei daher von ursprünglich vier auf heute noch zwei Cent gesunken.

Die Tankstellen haben laut Ziegner bereits auf die schwächelnde Nachfrage reagiert: „Die meisten haben E10 in kleinere Tanks gefüllt. Sie können es sich nicht leisten, die Logistik an der Nachfrage vorbeilaufen zu lassen.“ Für die Tanks sei das technisch kein Problem, da sowohl E10 als auch E5 Otto-Kraftstoffe sind. Auch moderne Zapfsäulen ließen sich ohne größeren Aufwand umstellen.

Der zweite Grund für den Misserfolg von E10 liegt in der veränderten Gesetzeslage für Bio-Sprit. Seit 2015 wird den Mineralölkonzernen kein bestimmtes Mischungsverhältnis mehr vorgeschrieben. Sie müssen stattdessen einen gewissen Prozentsatz des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) einsparen. Derzeit sind es 3,5 Prozent im Vergleich zu reinem Mineralöl, ab 2017 sind es vier und ab 2020 sechs Prozent. Wie viel Bio-Kraftstoff die Konzerne dafür zumischen, bleibt ihnen überlassen.

Da heute der reine Bio-Kraftstoff deutlich effizienter ist und so mehr CO2 einspart als noch vor einigen Jahren, muss auch weniger beigemischt werden, um die Einsparziele zu erreichen. Laut Gesetz muss der reine Bio-Kraftstoff 35 Prozent CO2 einsparen, technisch möglich ist heute bereits das Doppelte. Damit sinkt auch der Ehrgeiz der Konzerne, E10 an den Mann zu bringen. Für Frank Brühning, Sprecher des Biokraftstoffverbands VDB, ist das zu kurz gedacht: „Die Mineralölbranche sollte ein Interesse daran haben, an E10 festzuhalten. Spätestens 2020, wenn sechs Prozent Emissionen eingespart werden müssen, wird sie es brauchen.“

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) hätte sich einen Zwischenschritt von fünf Prozent gewünscht, damit sich Industrie und auch Verbraucher besser auf den Bio-Sprit einstellen können. Gerade bei den Autofahrern hapert es mit der Akzeptanz von E10 weiterhin. „Dabei ist bis heute kein Fall bekannt, dass es wegen E10 zu technischen Problemen gekommen ist“, sagt Brühning.

Auch viele Umweltverbände sehen E10 weiter kritisch. „Für den Anbau der Rohstoffe für den Bio-Kraftstoff werden große Mengen an Dünger und Pflanzenschutzmitteln eingesetzt und auch viel Energie verbraucht“, sagt Ulrich Söffker, Energie-Experte beim BUND MV. „Es wäre daher sinnvoller, die Elektromobilität auszubauen, zumal MV einen großen Anteil erneuerbarer Energie produziert.“

Axel Büssem

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