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Rostock Eine Insel sucht Mr. X

Wer steckt hinter dem Kauf der Herzinsel? / Bund veräußert 72 Wohnungen in Rostock

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Ein Anwalt aus Frankfurt/Main ersteigerte die sogenannte Herzinsel im Namen einer Penney-Business-Limited-Gruppe für 1,7 Millionen Euro.

Quelle: Foto: Winfried Wagner/dpa

Rostock. „Ich weeß ooch nicht, ob das jetzt geschäftsschädigend ist oder im Gegenteil“, berlinert Barbara Karge ins Telefon. Die Pächterin des Inselhotels bekommt sehr viele Anrufe, seitdem die Herzinsel im Brückentinsee, auf der sie seit 25 Jahren Gäste bewirtet, für 1,7 Millionen Euro verkauft wurde. Verunsicherte Anrufer wollen wissen, ob ihre Buchung jetzt noch gültig ist. Andere sorgen sich, wer neuer Besitzer des Eilands an der Mecklenburger Seenplatte ist und was er damit vorhat. „Ich weiß es auch nicht“, sagt Barbara Karge.

 

OZ-Bild

Ist für 2,6 Millionen Euro verkauft worden – das Haus Urho-Kekkonen Straße 10-13 in Rostock-Toitenwinkel.

Quelle: Foto: Frank Söllner

Nicht nur auf der fünf Fußballfelder kleinen Insel wird zurzeit heftig über den ominösen Käufer gerätselt. Ein Frankfurter Anwalt, der bei der Zwangsversteigerung im Amtsgericht von Waren die erfolgreichen Gebote abgab, erklärte, seine Mandantin sei eine „Penney Business Limited Group“.

Im Internet fallen vor allem zwei Unternehmen mit „Penney“ im Namen auf: die Einrichtungs- und Bekleidungskette „JCPenney“ aus den USA sowie eine „Penney Group“ aus Kanada. Letztere hat ihren Sitz auf Neufundland, einer, obacht, Insel. Zu ihren Geschäftsfeldern gehören neben Ingenieurdienstleistungen und der Herstellung von Autoteilen auch Immobilienverwaltung und -entwicklung. Haben sich hier etwa reiche Insel-Kanadier ihre persönliche Märcheninsel in Europa gegönnt? Die Firmenleitung ließ Anfragen gestern unbeantwortet. Aber möglicherweise ist alles ja doch ganz anders, und der neue Besitzer versteckt sich einfach nur hinter einer Briefkastenfirma aus Panama, wie manche erfahren haben wollen.

Sicher scheint bislang nur: Um den maximalen Profit geht es eher nicht. „So eine Insel ist auf jeden Fall ein Liebhaberobjekt“, meint Cindy Hennings, Büroleiterin von Engel & Völkers in Rostock. Der hohe Preis sei keine Überraschung: Die Mecklenburgische Seenplatte entwickle sich ähnlich wie Rostock, wo siebenstellige Traumpreise für Traumimmobilien in Warnemünder Top-Lagen nicht außergewöhnlich sind. Dass internationale Kapitalgesellschaften in Betongold an der Ostsee investieren, überrascht die Expertin nicht. „Der Immobilienmarkt in Deutschland ist sehr interessant für ausländische Investoren“, sagt Hennings.

Angesichts der Wohnraumknappheit verkaufen sich inzwischen auch ausgesprochene Nicht-Märchenvillen wie geschnitten Brot. Für 2,6 Millionen Euro ersteigerte eine Privatperson am Wochenende einen sanierten Plattenbaublock mit 72 Wohnungen im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel. Verkäufer war der Bund, Käufer ist unbekannt. „Ich war es nicht“, sagt Immobilien-Unternehmer und Hansa-Rostock-Finanzierer Rolf Elgeti, der direkt nebenan einen unsanierten Wohnblock besitzt. Dem Käufer gehe es um eine „langfristige Geldanlage“, berichtet Kai Rocholl von den Norddeutschen Grundstücksauktionen in Rostock. Das Auktionshaus versteigert Grundstücke und Häuser im Auftrag der Eigentümer. Auch hier wird der Käuferkreis internationaler, aber in überschaubarem Rahmen. Rocholl:

„Bei jeder Auktion sind immer zwei, drei ausländische Unternehmen als Bieter dabei.“

Ungeschlagen im Beliebtheits-Ranking bleiben Inseln. 855000 Euro blätterte bei der Auktion ein Ehepaar hin – für ein sanierungsbedürftiges Häuschen mit nur 60 Quadratmeter Nutzfläche. Lage zählt: Es steht auf Hiddensee, wo das Angebot extrem knapp ist. Auf der gerade mal doppelt so teuren Herzinsel ändert sich trotz des Verkaufs erst einmal wenig. Der Pachtvertrag für ihr kleines Zwölf-Betten-Hotel läuft bis 2021. „Dann bin ich 65“, sagt Barbara Karge. Wenn sie dann noch Lust hat, will sie weitermachen. Vorausgesetzt, der unbekannte neue Inselbesitzer spielt mit.

Naturschutz und Stasi

1,46 Millionen Mark (747000 Euro) bezahlte Walter Kummerow mit einem Partner 1992 an die Treuhand für die Herzinsel. In den 30ern machte hier Heinz Rühmann Urlaub, später Stasi-Mitarbeiter.

Kummerow machte die Insel öffentlich zugänglich, das kleine Insel-Hotel hat sich auf Hochzeiten spezialisiert. Das Eiland liegt in mehreren Naturschutzgebieten, Bebauungen sind nur eingeschränkt möglich. Weil Kummerows Mitbesitzer Geld braucht, wurde die Insel versteigert.

Gerald Kleine Wördemann

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