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Wirtschaft Ende der Schonzeit: Bund gibt Jagd auf Wildschweine frei
Nachrichten Wirtschaft Ende der Schonzeit: Bund gibt Jagd auf Wildschweine frei
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20:11 23.02.2018

Berlin/Rostock Die Bundesregierung verstärkt die Vorkehrungen gegen das Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest. Unter anderem soll die Schonzeit für Wildschweine bundesweit aufgehoben werden, beschloss das Kabinett gestern in Berlin. Allerdings können die Länder eigene Regelungen zu Schonzeiten umsetzen. In MV wurde die für Wildschweine bereits vor Jahren aufgehoben.

Eine Rotte Wildschweine. Wegen der drohenden Schweinpest sollen noch mehr Tiere geschossen werden. Quelle: Foto: Dpa

Der Landesjagdverband MV begrüßt die Entscheidung dennoch: „Das ist ein Fingerzeig in die richtige Richtung“, sagte Wildmeister Henning Voigt der OZ. Allerdings dürfe die Freigabe nicht dazu führen, dass der Tierschutz missachtet werde. „Der Schutz von Muttertieren gilt weiter“, betont der Experte. Dass in MV nun mehr Schwarzwild geschossen wird, glaubt er nicht: „Die Jäger im Land haben schon vorher so viel gejagt, wie es ihnen möglich ist.“

Damit würde sich auch nichts an der Marktsituation von Wildschweinfleisch ändern. Während der Hauptjagdzeit bis Ende Januar hatte der verstärkte Abschuss dazu geführt, dass die Preise abstürzten und die Jäger Schwierigkeiten hatten, ihr Fleisch loszuwerden. Inzwischen habe sich die Lage entspannt, sagt Voigt.

Ende Januar hatten sich Wildhändler, Fleischer, Jäger und Behörden an einem Runden Tisch zusammengefunden, um über bessere Vermarktungswege zu reden. „Dabei waren wir uns einig, dass die Nachfrage nach Wildbret durchaus vorhanden, der Markt aber noch ausbaufähig ist“, sagt Hella Stein, die für das Agrarministerium mit am Tisch saß.

Unter anderem sollen nun Möglichkeiten ausgelotet werden, wie Wildschwein auch in größeren Städten besser angeboten werden kann. „Der Kunde fragt oft beim Fleischer gar nicht nach, weil er dort Wild nicht vermutet“, sagt Stein. Dabei arbeiteten viele Fleischer mit Jägern zusammen und könnten jederzeit Wildschweinfleisch besorgen.

Ein Problem ist die Belieferung großer Handelsketten mit Wildschwein. „Das Problem ist, dass Wildschwein eher saisonal verfügbar ist und kaum Liefersicherheit garantiert werden kann“, sagt Stein.

Eine Alternative sei die Belieferung einzelner Märkte. „Ein kleiner Edeka-Markt hat die Möglichkeit, eigene Aktionen zu machen“, erklärt Stein. Als Beispiel führt Stein den Edeka-Markt Schneider in Greifswald an. Dort ist Wildschwein sowohl gefroren als auch an der Selbstbedienungstheke zu haben. „Das wird von den Kunden sehr gut angenommen“, sagt Fleischereifachverkäuferin Nicole Haese. „Wir müssen jede Woche nachbestellen.“ Unter anderem tiefgekühltes Wildschweingulasch oder Leberwurst im Glas ist gefragt. Lieferant ist unter anderem der Händler Wildbret MV in Süderholz (Kreis Vorpommern-Rügen).

Bei Frischfleisch sieht es noch etwas anders aus, erklärt Christina Raschke vom Landesinnungsverband des Fleischerhandwerks: „Nicht jeder Fleischer bietet Wild an. Die Nachfrage ist nicht so groß, dass es sich lohnen würde, eigene Fleischtheken mit Wild vorzuhalten.“ Denn wegen der strengen Hygienestandards darf Wild nicht neben anderem Fleisch liegen, zudem ist es verderblich. Doch Raschke ist überzeugt: „Wild ist ein hochwertiges Produkt. Das Angebot lässt sich sicher noch ausbauen.“

Länder zahlen Abschuss-Prämien

Die Wildschweinjagd lohnt sich in Deutschland immer weniger. Mehrere Länder haben begonnen, den Jägern Prämien für erlegte Sauen zu zahlen. Doch die Preise für das Fleisch sind infolge des großen Angebots so tief gesunken, dass sich die Sauenpirsch für viele Jäger nicht mehr lohnt.

In Bayern etwa zahlen die Behörden für einen erlegten Frischling oder eine Bache ohne Jungtier 20 Euro. In MV sind es 25 Euro pro erlegte Sau, in Brandenburg sogar 50 Euro – allerdings erst, wenn die Jagdstrecke der Saison 2014/15 übertroffen ist.

Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich, rafft aber Schweine schnell dahin. 2007 in Georgien gemeldet, hat die Seuche mittlerweile Tschechien und Polen erreicht. Ein Überspringen auf Deutschland würde für die Schweinehalter große Schäden bringen. Obwohl Hausschweine in der Regel keinen Kontakt zu Wildschweinen haben, fürchten die Behörden eine Übertragung des Erregers.

Im Jagdjahr 2016/17 erlegten die Jäger knapp 590 000 Sauen, gut doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Trotzdem bevölkern immer mehr Wildschweine Deutschlands Wälder.

Axel Büssem

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