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Energiekonzern Steag streicht bis zu 1000 Arbeitsplätze

Essen Energiekonzern Steag streicht bis zu 1000 Arbeitsplätze

Steag setzt den Rotstift an. Der Stromproduzent plant tiefe Einschnitte in sein Kraftwerksnetz. Damit wackeln viele Stellen. Auch Stadtwerke einiger großer Ruhrgebietsstädte bekommen das zu spüren.

Essen. Der Stromproduzent Steag will in Deutschland etwa die Hälfte seiner Kraftwerksblöcke vom Netz nehmen und deshalb bis zu 1000 Arbeitsplätze streichen. 

„In Deutschland werden wohl 800 bis 1000 Stellen wegfallen“, sagte Konzernchef Joachim Rumstadt dem „Handelsblatt“ (Montag). Damit stehe von bundesweit 3500 Stellen etwa jede Vierte auf der Kippe. Von den acht Steinkohle-Kraftwerksblöcken in Deutschland drohe ungefähr jedem zweiten das Aus. Betriebsbedingte Kündigungen sollen nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ aber möglichst vermieden werden.

Steag plant angesichts gesunkener Großhandelspreise im Heimatmarkt eine Neuausrichtung und einen umfassenden Konzernumbau, der 2022 abgeschlossen sein soll. Die Stadtwerke einiger Ruhrgebietsstädte müssen sich darauf einstellen, dass sie in den kommenden Jahren als Anteilseigner weniger Dividende als gewohnt von der Steag erhalten werden. Ein neues Loch im Haushalt der Stadt entstehe dadurch aber nicht, erklärte ein Sprecher der Stadt Dortmund.

Im Detail sieht das Konzept „Steag 2022“ Einschnitte bei den eigenen Kraftwerken und im eigenen Stromhandel in Deutschland vor. Steag erzeugt Strom aus Steinkohle. Zudem werden in der Kraftwerkssparte auch Verkäufe geprüft. Als Beispiele wurden in dem Zusammenhang am Montag von dem Essener Konzern das Fernwärmegeschäft in Deutschland und Windkraftanlagen im Ausland genannt. Die Erlöse aus möglichen Verkäufen will der Konzern in seine Wachstumsfelder investieren.

So sollen Dienstleistungen rund um Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung von Kraftwerken stärker national und international angeboten werden. Auch beim Service für einen sicheren Rückbau von Atomkraftwerken und Projekten zur dezentralen Energieversorgung wird großes Potenzial gesehen.

Steag leidet wie viele Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken unter der Energiewende und einem dramatisch gesunkenen Strompreis im Großhandel. „Wir prüfen derzeit, welche Kraftwerksstandorte wir stilllegen, einmotten oder in einen Auslaufbetrieb bringen werden“, sagte Rumstadt der „WAZ“. In NRW verfügt die Steag über Kraftwerke in Bergkamen, Duisburg-Walsum, Herne, Lünen und Voerde. Im Saarland hat Steag Standorte in Bexbach, Völklingen-Fenne und Weiher. Zu einzelnen Standorten seien noch keine Entscheidungen getroffen worden, hieß es.

Die Stadtwerke der Ruhrgebietsstädte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Oberhausen und Dinslaken bekommen als Steag-Eigentümer die Situation ebenfalls zu spüren. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir in den nächsten Jahren keine Ausschüttung der Steag erhalten“, sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke, der auch Steag-Aufsichtsratschef ist, der „WAZ“. Voraussichtlich ab 2020 sei wieder eine ordentliche Dividende zu erwarten. Die Stadtwerke waren erst vor einigen Jahren bei der Steag eingestiegen.

Bei der Gewerkschaft IG BCE war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis ist Vize-Aufsichtsratschef der Steag. Das Konzept war vergangene Woche der Belegschaft vorgestellt worden.

dpa

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