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Ex-Finanzchef: Schlecker-Insolvenz war fast vermeidbar

Pleite wegen einer Lastschrift Ex-Finanzchef: Schlecker-Insolvenz war fast vermeidbar

Drohte Schlecker schon vor 2012 die Zahlungsunfähigkeit? Das ist eine entscheidende Frage im Prozess gegen den ehemaligen Drogeriebetreiber. Das Topmanagement sah die Lage bis zuletzt ähnlich optimistisch wie Anton Schlecker.

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Anton Schlecker neben seinem Anwalt Maximilian Heiß: Die Familie Schlecker steht wegen des Vorwurfs des vorsätzlichen Bankrotts und möglicher Beihilfe vor Gericht.

Quelle: Marijan Murat

Stuttgart. Im Bankrottprozess gegen die Familie Schlecker hat der ehemalige Finanzchef die Darstellung Anton Schleckers gestützt. Der Drogeriemarktkönig war nach eigenen Angaben bis zuletzt davon ausgegangen, sein Unternehmen fortführen zu können.

Auch der frühere Finanzchef sagte am Montag vor dem Landgericht Stuttgart, die Situation sei nicht so ausweglos gewesen, wie sie aus heutiger Sicht erscheine. „Am Ende mussten wir Insolvenz anmelden wegen einer geplatzten Lastschrift“, sagte der Manager, der von 2010 an im Konzern tätig war.

Die Drogeriekette hatte 2012 Insolvenz angemeldet, Zehntausende Mitarbeiter verloren ihren Job. Die Fragen zum genauen Ablauf der Pleite sind wichtig. Denn die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Schlecker schon Ende 2009 die Zahlungsunfähigkeit drohte. Die Anklage wirft Schlecker vor, in den Jahren vor der Insolvenz Vermögen in Höhe von mehr als 25 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen zu haben. Für Anton Schlecker hingegen war die Pleite seines Lebenswerks nach seinen Angaben bis zuletzt ausgeschlossen.

In dem Prozess war mehrfach beschrieben worden, dass das Geld bei Schlecker üblicherweise Anfang des Jahres knapp wurde, weil neben dem laufenden Betrieb die Weihnachtsware bezahlt werden musste. Anfang 2012 spitzte sich die Lage angesichts dreistelliger Millionenverluste im Jahr 2011 zu. Nach Einschätzung des Ex-Finanzchefs war die Lage aber nicht aussichtslos. So sei ein Warenhaus in Ehingen verkauft worden, um den Engpass zu überbrücken. Nur: Die 30 Millionen Euro trafen zu spät auf dem Konto ein. „Mit diesem Geld hätten wir vermutlich die Rate bezahlen können, die zur Insolvenz geführt hatte.“

2011 sei den Mitarbeitern trotz des bereits laufenden Umbauprogramms noch Weihnachtsgeld gezahlt worden. „Wenn wir mit der Insolvenz im Januar gerechnet hätten, wovon ich nicht ausgegangen bin, dann hätten wir wohl vehement das Weihnachtsgeld eingefordert.“ Denn, so der Finanzmanager: „Es ist üblich, dass in einer Restrukturierung alle einen Beitrag leisten.“ In einer Mitarbeiterbefragung sei durchaus Bereitschaft zum Gehaltsverzicht erkennbar gewesen, die Gewerkschaften hätten sich aber gesperrt. Bei Schlecker habe 2011 angesichts des geplanten Umbaus eine Aufbruchsstimmung geherrscht.

Ende 2011 waren bereits Zahlungen verschoben worden, weil die erhofften Umsätze ausblieben. Ein wichtiger Kreditgeber - das Unternehmen Markant, das die Zahlungsflüsse zwischen Schlecker und Lieferanten regulierte - und der Kreditversicherer Euler Hermes, der die Lieferungen absicherte, waren im Januar 2012 nicht mehr bereit, weitere Risiken zu tragen. Schlecker wollte damals nach Angaben des Markant-Geschäftsführers 50 Millionen Euro Kredit und Zahlungen im Wert von 150 Millionen Euro aufschieben. Der Deal kam nicht zustande, alle Lieferungen an Schlecker wurden zunächst gestoppt. Wenige Tage später meldete die Drogeriemarktkette Insolvenz an.

dpa

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