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Ex-Minister auch privat nicht zahlungsfähig

Brandenburg/Havel Ex-Minister auch privat nicht zahlungsfähig

Früherer CDU-Politiker steht bei Gläubigern mit einem Millionenbetrag in der Kreide

Brandenburg/Havel. Erst Firmeninsolvenz, dann auch noch privat zahlungsunfähig: Der frühere Bundesverkehrsminister Günther Krause (62), Geschäftsführer der zahlungsunfähigen Unternehmensberatung IBP, steht mit einem Millionenbetrag in der Kreide. Die OZ erfuhr jetzt: Seit mehr als drei Jahren läuft Krauses Privatinsolvenzverfahren. Die Forderungen der Gläubiger belaufen sich auf einen „deutlich siebenstelligen Betrag“, teilt der Rostocker Insolvenzverwalter Herbert Hülsbergen auf Anfrage mit.

 

OZ-Bild

Günther Krause 2009 in seiner Villa in Brandenburg

Quelle: Joachim Liebe

Vor rund zwei Wochen hatte das Amtsgericht Potsdam das Insolvenzverfahren gegen Krauses IBP eröffnet. Bei Verbindlichkeiten von rund 800000 Euro ist sie nicht mehr zahlungsfähig. Günther Krause beteuert gegenüber der OZ hingegen weiterhin, dass seine Firma keineswegs pleite sei, er spricht von einer „aktuellen Liquiditätsschwäche“. Das Gutachten des Insolvenzverwalters attestiere der IBP ein Vermögen von 1,065 Millionen Euro. Dem gegenüber stünden Verbindlichkeiten von 755000 Euro. Die IBP könne die Schulden also in naher Zukunft zurückzahlen, so der frühere CDU-Politiker.

IBP-Insolvenzverwalterin Nadine Wild spricht allerdings keineswegs von einem Millionenvermögen. Der Ex-Minister hätte dem Berliner Insolvenzverwalterbüro Sponagel zwar ein Aktienpaket der Firma Neutrino Inc. aus Montana/USA über eine Million Euro vorgelegt. Bislang stellte Wild, Rechtsanwältin im Büro Sponagel, aber noch keine Werthaltigkeit fest. Sie taxierte es daher nur auf einen Euro.

Selbst wenn die Werthaltigkeit bestätigt würde, müsste sie erst einmal jemanden finden, der die Aktien kaufen möchte, erklärt sie. Wild: „Ein solcher Interessent steht aber nicht zur Verfügung.“

Auch Krauses Rostocker Privatinsolvenz-Verwalter Hülsbergen würde die Aktien gegebenenfalls gern zu Geld machen, um die privaten Gläubiger zu befriedigen. Hülsbergen hat den Ex-Minister wegen der Aktien schon angeschrieben. Die titulierten Millionenforderungen gegen den Privatmann Krause kommen laut Hülsbergen von diversen Gläubigern und gelten 30 Jahre lang. Die Verbindlichkeiten resultieren zum Teil aus Krauses früherer wirtschaftlicher Tätigkeit in den 1990er Jahren, als er persönlich haftete.

Der Verwalter konnte nur den pfändbaren Teil des Gehalts einbehalten, das Krause bisher als IBP-Geschäftsführer verdient hat. Nun muss er sich an dessen Insolvenzgeld halten. Krause selbst möchte sich nicht zu seinen Privatschulden äußern, wie er sagt.

IBP-Insolvenzverwalterin Nadine Wild prüft derzeit, inwiefern das Grundstück im brandenburgischen Kirchmöser verwertbar ist, Krauses Villa also. Sie klärt auch die Eigentumsverhältnisse. Im Grundbuch sei die Firma IBP als Eigentümerin eingetragen.

Die Firmen-Insolvenz der IBP hatte im Frühjahr nicht Geschäftsführer Krause angemeldet. Vielmehr hatten laut Nadine Wild vier Gläubiger Anträge bei Gericht gestellt. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittele noch nicht gegen Krause. Ehe dies geschehen könne, müssten ihr Unterlagen des Insolvenzgerichts vorliegen, erklärt Staatsanwalt Christoph Lange.

Mehrere Gläubiger der IBP haben sich bei der Insolvenzverwalterin gemeldet. Darunter sind nicht nur institutionelle Gläubiger wie Krankenkassen, sondern auch mehrere ehemalige Arbeitnehmer der IBP und Gastronomieunternehmen. Die Gläubigerversammlung ist für den 31. August vorgesehen.

Vom Überflieger zum Unternehmer ohne Erfolg

37 Jahre war Günther Krause (CDU) alt, als ihn Helmut Kohl 1990 zum Bundesminister für besondere Aufgaben berief. Später wurde er Verkehrsminister. Die Politik-Karriere des Überfliegers war rasch vorbei: Krause stürzte drei Jahre später über die „ Putzfrauen-Affäre“. Er selbst erklärte, Kohl habe ihn abgesägt, weil er eine Pkw-Maut wollte. 1995 kandidierte der Informatik-Professor vergeblich als Rostocker OB. Er gründete Firmen, doch der Erfolg blieb aus. 2013 zog er nach Brandenburg.

Jürgen Lauterbach

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