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Wirtschaft Exotisches Soja wird im Norden heimisch Pflanze wegen des hohen Weltmarktpreises für Landwirte immer interessanter
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00:05 22.07.2017
Belm

. Jürgen Unsleber hält eine lange grüne Pflanze in der Hand und zeigt seinen Zuhörern die Wurzeln. Gerade hat er das Gewächs aus einem Feld bei Belm im Osnabrücker Land herausgezogen. Es handelt sich um eine Soja-Pflanze, und in der Wurzel sind kleine Knötchen zu sehen. Zusammen mit Bakterien geht die Pflanze eine Symbiose ein und sammelt in diesen Knötchen Stickstoff, den die Pflanze aus der Luft aufnimmt.

Fachberater Christian Kreikenbohm

FOTO: FRISO

GENTSCH/DPA

Während viele Verbraucher bei Soja vielleicht zuerst an Tofu und vegetarische Ernährung denken, ist die aus Asien stammende Pflanze für Landwirte vor allem als Futtermittel für Tiere wichtig. Denn Sojabohnen, die zusammen mit der Ackerbohne, der Erbse und der Lupine zu den sogenannten Leguminosen gehören, enthalten viel und qualitativ hochwertiges Eiweiß. „Es ist vergleichbar mit tierischem Eiweiß“, sagt Unsleber, der überregionaler Berater beim deutschlandweiten Soja-Netzwerk ist. Zu Hause in der Nähe von Würzburg baut auch er Soja an.

Das Thema, die exotische Pflanze Soja auch in Europa anzubauen, sei um 2009 herum aktuell geworden, sagt Unsleber. Die Nachfrage nach Soja sei weltweit hoch; vor allem auch aus China. Entsprechend sind die Preise hoch, besonders dann, wenn die Kunden garantiert gentechnikfreie Waren haben wollen, wie es in Europa der Fall ist. Die Sojapflanze auch in Europa und Deutschland heimisch zu machen, hat viele Vorteile: In Übersee, etwa in Südamerika werden wegen des boomenden Sojaanbaus wertvolle Urwaldflächen vernichtet, beklagt etwa der World Wild Fund For Nature. Heimischer Sojaanbau hingegen erfolgt ohne Raubbau an der Natur. Sojapflanzen binden Stickstoff, was gut für den Boden und die Luft ist.

In Deutschland sind die großen Soja-Anbauregionen Bayern mit mehr als 8600 Hektar und Baden-Württemberg. Die aktuell vorliegenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes seien schon veraltet, sagt Fachberater Christian Kreikenbohm von der Landwirtschaftskammer. „Derzeit sind es 480 Hektar Anbaufläche in Niedersachsen“, sagt er. Wie viele Betriebe die Feldfrucht anbauen, weiß er nicht genau – aber es sind weniger als 100. „Die Größen der Anbauflächen gehen von einem bis 50 Hektar.“

Landwirt Christian Holtmeyer baut inzwischen im vierten Jahr Sojabohnen an, auf anderthalb Hektar. Dazu gekommen war er, weil ein benachbarter Biobetrieb ihn darauf aufmerksam gemacht hatte. In Niedersachsen sind laut Kreikenbohm etwa zwei Drittel der Sojaanbauer Biobetriebe – anders als etwa in Bayern oder in Nordrhein-Westfalen. Treiber der Nachfrage nach Bio-Sojafutter sei die gestiegene Nachfrage nach Biofleisch, sagt Kreikenbohm.

Warum sind die Anbauflächen in Nordwestdeutschland im Verhältnis noch so spärlich gesät? Das hat ursprünglich einerseits klimatische Gründe, denn die Sojapflanze liebt wärmeres Wetter. „Inzwischen gibt es aber viele Züchtungen, die auch mit dem Klima hier gut klarkommen“, sagt Kreikenbohm. Der wichtigere Grund sei, dass im Gegensatz zu Süddeutschland die Landwirte in Niedersachsen nicht so viele Flächen für den Anbau haben. In Westniedersachsen etwa brauchen die Landwirte wegen des hohen Tierbestandes Pflanzen, die man düngen kann. Die genügsame Sojapflanze aber braucht keinen Dünger – sie nutzt den Stickstoff aus der Luft. In anderen Regionen konkurriert der Sojaanbau mit der Zuckerrübe oder dem Futtermais – und kann in puncto Wirtschaftlichkeit noch nicht mithalten.

Holtmeyer wird seine anderthalb Hektar beispielsweise nicht ausbauen können. „Die Fläche habe ich nicht“, erzählt er. Bei Pachtpreisen von rund 1000 Euro pro Hektar könne er nicht erweitern.

Bei wenig Anbaufläche lohnt es sich aber auch für die Futtermittelhersteller nicht, Soja abzunehmen. „Die wollen nur ganze Lkw-Ladungen voll davon haben“, erklärt Kreikenbohm. Denn nur Rinder können die Sojabohnen ohne Weiterbehandlung fressen. Soja, das ins Geflügel- und Schweinefutter soll, muss in einem Zwischenschritt wärmebehandelt – „getoastet“ – werden. Das lohnt sich für die Futtermittelindustrie nur in großen Mengen, die es in Süddeutschland inzwischen gibt. Holtmeyer verfüttert Sojabohnen an seine Kühe.

Dennoch – langsam aber sicher wachsen auch die Soja-Anbauflächen in Niedersachsen, vor allem im Osten, im Wendland, und im südlichen Niedersachsen, sagt Kreikenbohm: „Da werden wohl weitere Flächen dazukommen.“

Soja-Anbau in Deutschland verdoppelt

16 000

Hektar wurden In Deutschland im Jahr 2016 mit Sojabohnen bebaut. Der Anbau hat sich innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt.

Ein großer Vorteil des heimischen Sojaanbaus ist, dass er hierzulande im konventionellen Anbau nahezu ohne Pflanzenschutzmittel auskommt – und völlig ohne Pflanzenschutz im Bio-Anbau. Optimale Klimabedingungen für die Pflanze herrschen nur in Süddeutschland.

Elmar Stephan

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