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Experten: Arbeitsmarkt trotz Flüchtlingen und Brexit robust

Nürnberg Experten: Arbeitsmarkt trotz Flüchtlingen und Brexit robust

Trotz Sommerpause zeigt sich der Jobmarkt in Deutschland aus Expertensicht robust. Die Auswirkungen des Brexit-Votums seien geringer als befürchtet, und auch die Flüchtlinge kommen erst mit Verzögerung am Arbeitsmarkt an.

Nürnberg. Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich im August aus Expertensicht weiter verbessert. Zwar habe die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zum Vormonat leicht zugenommen - die übliche Sommerflaute mache sich in diesem Jahr aber weniger stark bemerkbar als in den Vorjahren.

Das prognostizierten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Rechne man die saisonüblichen Schwankungen heraus, sei die Zahl der Jobsucher sogar leicht zurück gegangen - wenn auch nicht mehr ganz so stark wie in den vergangenen Monaten. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Mittwoch (31. August) veröffentlichen.

Nach Berechnungen der Fachleute waren im August 2,683 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das wären etwa 22 000 mehr als im Juli, aber rund 110 000 weniger als vor einem Jahr. In der Sommerpause zögern manche Unternehmen mit Einstellungen. Dies führt zur Jahresmitte regelmäßig zu steigenden Jobsucherzahlen.

Allmählich macht sich die wachsende Zahl von Flüchtlingen auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. „Die Auswirkungen sind derzeit aber geringer, als man das noch vor einem halben Jahr erwartet hat“, sagte Allianz-Ökonom Rolf Schneider. Denn viele Zuwanderer steckten derzeit noch in Weiterbildungs-, Sprach- oder Qualifizierungskursen. Daher werde der Effekt auf den Arbeitsmarkt vermutlich erst im kommenden Jahr wirklich sichtbar.

Felix Schröter vom Münchner Ifo Institut wies aber darauf hin: „Wenn man sich die Unterbeschäftigung anschaut, sieht man schon seit März einen monatlichen Anstieg durch die Flüchtlingsmigration.“ Die Unterbeschäftigung umfasst neben Arbeitslosen auch Jobsucher in Fortbildungs- und Trainingskursen.

Nach Einschätzung des Chefs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Frank-Jürgen Weise, ist die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt schwierig. „Es wird lange dauern und viel kosten“, sagte Weise, der auch Chef der BA ist, der „Bild am Sonntag“. 70 Prozent derer, die gekommen sind, seien zwar erwerbsfähig. Trotzdem werde „ein Großteil von ihnen zunächst in die Grundsicherung fallen, bevor wir sie in Arbeit bringen“. Den Anteil der Akademiker unter den Flüchtlingen taxierte Weise auf etwa zehn Prozent. Hinzu kämen „noch rund 40 Prozent, die zwar keine Berufsausbildung haben, aber praktische Arbeitserfahrung“.

Aus Sicht der Volkswirte ist der Arbeitsmarkt robust: „Der Stellenaufbau ist immer noch größer als das Angebot neuer Arbeitskräfte“, sagte Stefan Kipar von der BayernLB. Solange das so sei, bleibe der Arbeitsmarkt in der zweiten Jahreshälfte stark. Neu geschaffene Stellen würden allerdings nur selten mit Flüchtlingen besetzt: „Die meisten Menschen werden hier nicht problemlos Jobs annehmen können.“ Dafür fehlten Qualifikationen und Abschlüsse.

Ein Risiko ist Schröters Ansicht nach die weitere Entwicklung in der Türkei und die Frage, wie das Land sich mit Blick auf den Flüchtlings-Pakt mit der EU in den nächsten ein bis zwei Jahren verhält. Lasse das Land Migranten wieder ungehindert weiterreisen, „hätte das wahrscheinlich größere Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt“.

Beim Thema Brexit sind die Ökonomen wieder zuversichtlicher als im Vormonat. Es gebe zwar noch immer Unsicherheiten über die künftigen Handelsbeziehungen, wenn Großbritannien aus der EU austritt. Dies zeige sich unter anderem am jüngsten Ifo-Index. Schneider erwartet daher „leicht dämpfende Effekte auf das Wirtschaftswachstum in zweiten Halbjahr“ und eine eher stagnierende als sinkende saisonbereinigte Arbeitslosenzahl. Und Heiko Peters von der Deutschen Bank hält es für möglich, dass sich die Unternehmen im nächsten Jahr bei Einstellungen eher zurückhalten.

Mehrere Ökonomen halten die Auswirkungen aber für eher überschaubar. „Die Brexit-Ankündigung scheint keinerlei unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte zu haben“, sagte Schröter. Auch Kipar hält die Risiken für gering. Jörg Zeuner von der KfW-Bankengruppe sagte: „Wir gehen davon aus, dass es auf dem Arbeitsmarkt nicht sichtbar sein wird.“

dpa

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