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Nachrichten Wirtschaft Experten beraten über Gefahren durch Drohnen
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06:48 14.09.2016
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Braunschweig

In der britischen Krankenhaus-Serie „Casualty“ gab es vor ein paar Wochen folgende Szene: Ein Rettungshubschrauber fliegt mit einem Patienten an Bord das Krankenhaus an - doch in der Luft kollidiert er mit einer Drohne, kommt ins Wanken.

Bei der Bruchlandung kracht er in einen Krankenwagen, der ein Baugerüst an einer Fassade umreißt. Scheiben splittern, Menschen werden verletzt, das Chaos ist riesig.

Die Verkettung unglücklicher Umstände in dieser Episode mag manchem übertrieben erscheinen. Dennoch sind viele besorgt, dass solche Szenen Realität werden könnten. Seit es Drohnen für jedermann im Elektromarkt zu kaufen gibt, steigt ihre Zahl am Himmel - und damit auch das Unfallrisiko. Ab heute beraten Wissenschaftler, Politiker und Piloten beim dreitägigen Kongress der Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig deshalb, wie sie den Luftraum sicherer machen können. Denn wo mehr Menschen mit dem Flugzeug unterwegs sind und mehr Drohnenpiloten ihre Multikopter steigen lassen, kommt es auch immer häufiger zu Beinahzusammenstößen.

400 000 Drohnen gibt es in Deutschland laut Schätzungen der Deutschen Flugsicherung (DFS). Im Juli und den ersten beiden Augustwochen meldeten Piloten der DFS insgesamt neun Störungen im Zusammenhang mit Drohnen. In Deutschland ist es zwar bisher zu keinem Unfall gekommen. Für viele Experten ist das jedoch nur noch eine Frage der Zeit.

„Die unkontrollierte Nutzung der Drohnen ist eine Gefahr“, meint Dieter Moormann, der an der RWTH in Aachen das Institut für Flugsystemdynamik leitet. „Die Piloten verlieren die Kontrolle, die Systeme hauen ab und irgendwann kommen sie dann runter, das ist eine Gefahrenstelle.“ Fliegen die Piloten innerhalb ihrer Sichtweite gebe es aber gute Regeln, sagt Moormann. „Wir brauchen deshalb nicht mehr davon, sondern wir müssen dafür sorgen, dass die Regeln beim Nutzer ankommen.“

Darüber, wie das am besten gehen könnte, streiten sich die Experten. Die DFS fordert einen Drohnen-Führerschein und die Registrierung der Drohnen. „Weiß ich als Drohnenpilot, dass ich einem Hubschrauber ausweichen muss? Weiß ich, ob ich über Menschenansammlungen fliegen darf?“, fragt Kristina Kelek von der DFS. „Das alles würde man lernen, wenn man den Drohnen-Führerschein macht.“

Beim Deutschen Modellfliegerverband sieht man das anders. „Das Gesetz verbietet eh schon vieles, man müsste die Verstöße aber auch mal bestrafen“, sagt Geschäftsführer Frank Weigand. Bislang darf eine Drohne bei gewerblicher Nutzung ohne extra Erlaubnis nicht höher als 100 Meter steigen. An Orten ohne Sonderregeln - ausgeschlossen sind zum Beispiel Flughäfen - darf der Hobbypilot die Drohne bis zu 762 Meter hoch steigen lassen. Vorausgesetzt, er kann sie noch sehen.

Weigand schlägt eine Kennzeichenpflicht wie am Auto vor, damit auch der Polizist auf Streife die Drohnen kontrollieren könne. Was die steigende Unfallgefahr angeht, hält Weigand die Situation aber für „hochgepusht“. „Objektiv an den Zahlen gemessen, ist das doch reiner Popanz“, meint er. Er vermutet dahinter den Wunsch, den Luftraum für autonome Drohnen frei zu machen, die Pakete oder Medikamente transportieren sollen.

Im Bereich außerhalb der Sichtweite, wo solche Drohnen wohl am ehesten unterwegs wären, gibt es laut Moormann noch keine gängigen Regeln. Er erforscht, wie die Warenlieferung in Zukunft per Drohne funktionieren kann. Bei Tests werden die Flüge mit den einzelnen Gemeinden und Landesluftfahrtbehörden abgesprochen.

Moormann sagt: „Ich glaube nicht an die Pizzalieferung per Drohne.“ Für Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen oder beim Transport von Gewebeproben von einem Krankenhaus zum nächsten seien die Systeme jedoch wichtig. Deshalb sei verantwortliches Handeln bei dem Thema so wichtig: „Was tun wir? Wie tun wir es? Und wie schaffen wir Akzeptanz?“ In Braunschweig wollen die Experten Lösungen suchen.

dpa

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