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Wirtschaft Fall Chaschukdschi: Türkei erhöht Druck auf Saudi-Arabien
Nachrichten Wirtschaft Fall Chaschukdschi: Türkei erhöht Druck auf Saudi-Arabien
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07:13 09.10.2018
Der saudische Journalist Dschamal Chaschukdschi ist spurlos verschwunden. Quelle: Virginia Mayo/ap
Istanbul

Im Fall des in Istanbul verschwundenen und möglicherweise ermordeten saudi-arabischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi erhöht Ankara den Druck. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche bestellte das türkische Außenministerium den Botschafter des arabischen Königreiches ein.

Außerdem beantragten die türkischen Behörden am Montag eine Erlaubnis, um das Konsulat zu durchsuchen, wie der Sender CNN Türk unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete. Der Fall Chaschukdschi könnte zu einer diplomatischen Krise zwischen Ankara und Riad führen.

Erstmals äußerte sich auch US-Präsident Donald Trump zu dem Fall. „Ich bin besorgt“, sagte er am Montag im Weißen Haus. Er hoffe auf eine positive Lösung. „Im Moment weiß niemand etwas darüber, aber es kursieren einige böse Geschichten. Das gefällt mir nicht.“

Auch US-Vizepräsident Mike Pence zeigte sich „zutiefst besorgt“ über die Berichte. Sollten diese Berichte über den Tod Chaschukdschis wahr sein, wäre dies „ein tragischer Tag“, twitterte Pence. „Gewalt gegen Journalisten weltweit ist eine Bedrohung der Pressefreiheit und der Menschenrechte“, schrieb er und forderte Aufklärung. „Die freie Welt hat Antworten verdient.“

Der 59 Jahre alte Journalist und Regimekritiker Chaschukdschi wird nun schon seit fast einer Woche vermisst. Er betrat das saudi-arabische Konsulat in Istanbul am Dienstag, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, war aber nicht wieder herausgekommen. Seine Verlobte wartete nach eigenen Angaben stundenlang vor dem Eingang auf ihn. Medien und Freunde berichteten dann unter Berufung auf türkische Ermittler und Regierungskreise, Chaschukdschi sei ermordet worden.

Saudi-Arabien wies die Vorwürfe zurück und teilte mit, Chaschukdschi sei erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan forderte am Montag bei einem Besuch in Ungarn, Saudi-Arabien müsse Beweise vorlegen, sollte der Journalist das Gebäude wirklich verlassen haben.

Dem Botschafter Saudi-Arabiens sei bei seiner Einbestellung mitgeteilt worden, dass die Türkei eine „vollständige Zusammenarbeit bei den Ermittlungen“ erwarte, um das Verschwinden Chaschukdschis aufzuklären, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Demnach wurde der Botschafter schon am Sonntag ins Außenministerium gerufen.

Auch Deutschland sorgt sich um das Schicksal des Journalisten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, man wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, aber alle Beteiligten müssten zu einer schnellen Aufklärung beitragen.

Die der türkischen Regierung nahe stehende Zeitung „Sabah“ berichtete, Spezialisten der Istanbuler Polizei und des Geheimdienstes MIT gingen davon aus, dass Chaschukdschi ermordet und zwei Stunden nach Betreten des Konsulats in einem schwarzen Kleinbus mit verdunkelten Fensterscheiben herausgebracht worden war.

Chaschukdschi war im Vorjahr wegen seiner kritischen Berichterstattung ins Visier der saudi-arabischen Staatsmacht geraten und nach Washington geflohen. Der Journalist war zwischenzeitlich auch Medienberater für einige Mitglieder der Königsfamilie in Saudi-Arabien. Er schrieb auch unter dem englisch transkribierten Namen Jamal Khashoggi für die „Washington Post“.

Nach Ansicht von Beobachtern ist das Verschwinden Chaschukdschis kein Einzelfall, sondern Muster einer immer aggressiveren Außenpolitik des 33 Jahre alten saudi-arabischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman.

dpa

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