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Wirtschaft Feinfühlig am Euter – Melker ermitteln ihre Besten
Nachrichten Wirtschaft Feinfühlig am Euter – Melker ermitteln ihre Besten
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00:05 15.03.2018
Beim Landeswettbewerb im Melken stellt sich ein Teilnehmer am Melkkarussell der Agrarvereinigung MiFeMa Plauerhagen den Prüfern. Quelle: Foto: Wüstneck/dpa
Plauerhagen

„Ist ja gut“, raunt Oliver Klühs der Milchkuh zu und greift vorsichtig ans Euter. „Strip, strap“, schießt ein Milchstrahl in einen Becher, zweimal pro Zitze. Gegenüber am Melkkarussell in Plauerhagen (Kreis Ludwigslust-Parchim) pfeift Konkurrentin Stefanie Mantey ein Lied. „Das soll die Kühe und mich auch beruhigen“, sagt die Landwirtin, die mit Klühs beim Landesmelkwettbewerb startet. Bis heute ermitteln 16 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 52 Jahren ihre „Champions“ in zwei Altersklassen. „Dabei ist das Ansprechen der Tiere enorm wichtig“, erläutert Joachim Kanz vom Landeskontrollverband für Leistungs- und Qualitätsprüfung Mecklenburg-Vorpommern in Güstrow.

Je acht Kühe müssen die Teilnehmer in Plauerhagen unter Aufsicht melken, haben dafür etwa 20 Minuten Zeit. Das Motto heißt „Vom ersten Strahl bis zum Dippen.“ Experten bewerten, wie grob oder feinfühlig die Melker die Tiere behandeln, ob die Euter ausgemolken – also geleert – sind und wie sie danach wieder „gedippt“ – desinfiziert – werden. Bei den ersten Startern treten die Kühe immer wieder mit den Hinterläufen zu. „Sie sind ganz schön nervös“, sagt Mantey.

Überhaupt fallen den Teilnehmern viele Gleichnisse mit menschlichen Verhaltensweisen ein: „Kühe sind wie manche Frauen – manche richtig zickig und andere ganz treu“, ist die Erfahrung des 21-jährigen Klühs, der zweimal Kreismeister auf Rügen war. Zickige und eher gelassene Kühe kennt auch Christian Schönsee, der in Plauerhagen arbeitet. „Das Schöne an dem Job ist, kein Tag ist wie der andere“, sagt er. Mantey, die zuletzt Landesmeisterin war, drückt sich vorsichtiger aus: „Kühe sind sehr sensibel und neun Monate schwanger.“

Wie wichtig gute Melker sind, weiß Christian Schwager. Der 33-Jährige leitet den Plauerhäger Betrieb mit rund 650 Milchkühen, 2000 Hektar Acker und 30 Beschäftigten. Zwischen 18 000 und 19

000 Liter Milch pro Tag liefert er. Da braucht man gut qualifizierte Leute und am besten einen besseren Milchpreis als derzeit. „Die Zeiten der Arbeit schrecken viele ab“, sagt Schwager. In Plauerhagen haben Melker entweder Tagschicht, je vier Stunden von 6 bis 10 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, oder Nachtschicht. Dazu kommen Wochenenden und Feiertage.

„Kühe müssen 365 Tage im Jahr betreut werden, das macht man nur, wenn man damit verwachsen ist“, sagt Kanz. Der Verdienst sei eher niedrig. Eine Melkerin sagt, sie bekomme etwa neun Euro pro Stunde, was 1300 Euro netto im Monat sind. Wenn Verbraucher etwas mehr für Milch bezahlen würden, müsste das dort ankommen, sagt Kanz. „Aber Melker sind für die Betriebe immer noch enorm wichtig, weil sie den ersten und intensivsten Kontakt zu den Tieren haben“, erläutert Martin Piehl, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbands. Tierwohl und Tiergesundheit bekämen immer höheren Stellenwert. Im ganzen Nordosten gibt es knapp 160000 Milchkühe. „Der Umgang mit den Tieren ist das Schönste am Beruf“, sagt der 25-jährige Schönsee. Mantey freut sich immer auf die Zeit, wenn die Kälber geboren werden. Trotz größerer Herden und fortschreitender Automatisierung – die Melkroboter nehmen den Melkern die körperlich schwere Arbeit ab – bleibt manchmal auch noch Zeit, den Tieren Namen zu geben.

„Eine Kuh bei uns heißt ,Stulle’“, erläutert Schönsee. Das komme daher, dass sie gern Brot frisst.

Die Sieger in beiden Altersklassen stehen heute fest. Der Praxisteil wird mit 60 Prozent, der Theorieteil in Güstrow mit 40 Prozent gewertet. Der Beste in der Klasse unter 25 Jahren wird Mecklenburg-Vorpommern diesmal bei der Bundesmeisterschaft im April in Niedersachsen vertreten. Einmal kam die Bundesbeste auch schon aus dem Nordosten.

Start mit Praxistest

Die Teilnehmer haben sich unter knapp 120 Melkern im Nordosten durchgesetzt. Sie starten in zwei Altersklassen: 16 bis 25 Jahre und älter als 25 Jahre. Nur die Jüngeren können sich für den Bundeswettbewerb Ende April in Echem in Niedersachsen qualifizieren. Die Melker müssen jeweils acht Kühe möglichst effizient, sauber und tierwohlgerecht melken. Die Tiere stehen im Melkkarussell.

Winfried Wagner

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