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Fernbusmarkt wächst langsamer

Einen Gang runtergeschaltet Fernbusmarkt wächst langsamer

Mehr Auswahl für Reisende: Vier Jahre nach der Marktfreigabe ist der Fernbus etabliert. Spottbillig ist er aber nicht mehr. Und die Anbieter haben im Wahljahr auch Sorgen.

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Ein Fernbus des Unternehmens FlixBus.

Quelle: Julian Stratenschulte/illustration

Berlin. Wer auf dem großen Busbahnhof in Berlin aussteigt, betritt eine Baustelle. Bei laufendem Betrieb wird kräftig erweitert: Mehr Haltestellen, schnellere Abfertigung, mehr Fahrgäste sind die Ziele - wie in vielen anderen Städten auch, seit der Fernbus Deutschlands Straßen erobert hat.

Mit den Asphalt-Riesen unternahmen die Kunden in Deutschland 2016 schon 24 Millionen Fahrten - ein Plus von 4,3 Prozent gemessen am Vorjahr.

Direkt neben dem Charlottenburger Busbahnhof fragt sich an diesem Dienstag die Busbranche, ob der Boom andauert. Denn beim Kongress auf der neuen Messe Bus2Bus geht es auch um drohende Gefahren für ihr Geschäft. Vier Themen, die auch Kunden interessieren dürften:

DIE PREISE

Fernbusse sind teurer geworden. Seit Marktführer FlixBus seine Rivalen ausgestochen hat, beherrschen die grünen Busse die Straßen: 92 Prozent Marktanteil. Vorbei die Zeit, als mit Ein-Euro-Tickets um Kunden gekämpft wurde. Der Normalpreis pro Kilometer ist binnen Jahresfrist um 13 Prozent auf 9,8 Cent gestiegen, wie aus Zahlen des Marktforschungsinstituts Iges für April hervorgeht. Aktionspreise schwanken weiter um 3,7 Cent - solche Tickets werden aus Sicht der Experten aber seltener angeboten.

Iges-Geschäftsführer Christoph Gipp erwartet, dass sich das Preisniveau allenfalls geringfügig ändert. „Besonders profitieren Kunden auf Strecken, die auch mit dem Flugzeug oder der Bahn angeboten werden.“ Denn die Bahn hält mit 19- und 29-Euro-Tickets auf vielen Strecken mit dem Fernbus mit - jedenfalls, wenn es dem Kunden gleich ist, ob er zwei, drei Stunden früher oder später fährt. Günstige Spritpreise machen zudem das eigene Auto oder Mitfahrzentralen zur Alternative.

DAS ANGEBOT

„Der Fernbus-Boom ist vorbei“, lauteten Schlagzeilen zu Jahresbeginn. „Die Fahrgäste lieben den Fernbus“, sagt Karl Hülsmann, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer. Zwar waren die Zahl der Fahrten und die der Linien im Winter stärker eingebrochen als üblich, nachdem FlixBus die Konkurrenten Postbus und Megabus übernommen hatte und die Bahn-Tochter BerlinLinienBus aufgab.

Vor allem der Anbieter FlixBus, der keine eigenen Busse besitzt, sondern Mittelständler unter Vertrag nimmt, gab Doppel-Fahrten der früheren Konkurrenz auf und strich unrentable Strecken. So lastete er die Busse besser aus.

Die Zahl der Ziele in Deutschland bleibe insgesamt stabil, sagt Marktforscher Gipp. In Einzelfällen kämen noch neue Städte ans Netz. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer erwartet, dass auch 2017 mehr Menschen einsteigen.

DIE BUSMAUT

Die Unternehmer fürchten, dass im Bundestagswahlkampf Forderungen nach einer Busmaut wieder laut werden. Ihre Verfechter finden sich bei SPD, Grünen und Linken, die die Bahn im Nachteil sehen, weil sie Trassengebühren für ihre Fahrten entrichtet. „Wird der Liebling der Fahrgäste in Zukunft staatlich sanktioniert?“, fasst das Kongressprogramm die Sorge der Unternehmer in Worte, dass der Boom staatliche Begehrlichkeiten wecken könnte.

DIE DIESELKRISE

Ein gut besetzter Bus steht ökologisch passabel da. Was Treibhausgase angeht, kann er mit der Bahn mithalten, wie das Freiburger Öko-Institut für das Umweltbundesamt errechnete. Doch der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Autos könnte auch den Bus in Bedrängnis bringen - dann nämlich, wenn die vielfach geforderte blaue Plakette käme. Mit ihr dürften möglicherweise nur Fahrzeuge in die Innenstädte, die die Schadstoffklasse Euro 6 erfüllen - was längst nicht bei allen Bussen der Fall ist.

dpa

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