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00:10 05.12.2017
Bewerber Leszek Calka und Arbeitsvermittlerin Kerstin Kieper von Manpower bei einem Treffen für polnische Arbeitskräfte. Quelle: Foto: M. Skolimowska/dpa

. „Ich kenne Deutschland sehr gut“, sagt Leszek Calka. Er schiebt seinen Lebenslauf über den Tisch. Eine Mitarbeiterin der Personalvermittlungsfirma aus Potsdam blättert die Seiten durch. Zum Infotag im polnischen Arbeitsamt in Gorzów Wielkopolski im Grenzgebiet zu Brandenburg hat es Dutzende gezogen. Sie s uchen Arbeit in Deutschland. Auch wegen des Fachkräftemangels blicken viele Firmen hierzulande verstärkt ins Nachbarland. Die Zahl in Deutschland arbeitender Polen steigt.

Calka hat schon mal einen Vorteil: er kann Deutsch. Ihm schwebt ein Job als Fahrer vor. Kerstin Kieper von der Firma Manpower Group Deutschland fragt, ob er sich die Arbeit als Lastwagenfahrer vorstellen könne. Und sie zählt weitere Jobs auf, die zu haben sind. „Wir suchen auch Gabelstaplerfahrer im Logistikbereich.“

Betriebe, mit denen die Personalvermittlungsfirma zusammenarbeitet, stellen sich zunehmend auf polnische Mitarbeiter ein. Teamleiter etwa sprechen häufig auch polnisch, es gibt zweisprachige Schilder in Firmen. Die Personalvermittler kamen zum ersten Mal zum Infotag nach Gorzów Wielkopolski. „Es wird immer schwieriger, Fachpersonal zu bekommen und deshalb suchen wir auch weiter weg“, begründet das Kieper.

Die Zahl polnischer Staatsangehöriger mit sozialversicherungspflichtigen Jobs in Deutschland nimmt zu. Im März waren es laut Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg rund 366 400. Zum Vergleich:

2012 waren es 157 000 Polen. Den Anstieg führt die Behörde auch auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit zurück, die seit 2011 für Polen gilt. Das heißt, sie können ohne Beschränkungen hier arbeiten. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern belegt Polen Platz zwei. Die Gruppe türkischer Arbeitnehmer in Deutschland ist deutlich größer (März 2017: über 522 000).

Mit dem EU-Beitritt Polens 2004 gab es zunächst einen regelrechten Boom. Viele aus der Grenzregion wollten in Deutschland arbeiten, sagt Regina Gebhardt-Hille von der Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder). Sie ist „Eures“-Beraterin, von denen es im deutschen Grenzgebiet zu Polen mehrere gibt. Die Berater sind Teil eines europäischen Netzwerks, um grenzüberschreitende Arbeit zu fördern. Einmal im Monat kommt sie nach Gorzów Wielkopolski und bringt ab und zu auch Firmen mit wie die Personalvermittler.

Seit 2011 habe sie 7500 Menschen beraten. Das Interesse sei gleichbleibend. „Viele wollen eher pendeln oder zumindest das Wochenende über in Polen bei der Familie sein“, sagt Gebhardt-Hille.

Es gebe etwa einige, die in Hotels in Berlin arbeiten und jeden Tag allein für eine Strecke eine Fahrzeit von drei Stunden in Kauf nehmen, um abends zu Hause zu sein. Immer wieder hört man auf dem Gang des polnischen Arbeitsamtes, dass vor allem bessere Löhne in Deutschland attraktiv seien. „Es geht ums Geld“, bringt es eine 47-Jährige auf den Punkt. Auch Sozialleistungen wie Kindergeld und Sozialversicherungen gelten als Plus. Von der Arbeitsagentur im sächsischen Bautzen heißt es: „Die Bereitschaft der Oberlausitzer Unternehmen, auch polnische oder tschechische Arbeitskräfte einzustellen, ist über die Jahre hinweg gestiegen.“ Seit Frühjahr 2012 habe sich die Zahl der polnischen Arbeitnehmer im Agenturbezirk bis heute fast versechsfacht. Im März seien es fast 5400 gewesen.

Im Grenzgebiet bei Greifswald in MV hat das Interesse von Polen an den Infotagen in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen, wie die dortige „Eures“-Beraterin Sabine Teubner-Schoebel sagt.

In diesem Jahr gab es bisher 35 Vermittlungen in Arbeit und 26 in Ausbildung in dem Bundesland. „In Polen sinkt die Arbeitslosigkeit“, begründet Teubner-Schoebel das zurückgegangene Interesse. Viele finden demnach im eigenen Land einen Job. Die Vermittlungen nach Deutschland glücken auch nicht immer. Oftmals scheitere es daran, dass Deutschkenntnisse oder berufliche Qualifizierungen fehlen.

Trotzdem setzen viele Firmen ihre Hoffnungen auf Polen. Das zeigt auch ein Arbeitsagentur-Projekt, bei dem in MV und Brandenburg um polnische Auszubildende geworben wird. Das bestätigt „Eures“-Beraterin Aleksandra Drückler. Es gebe immer wieder Firmen, die bislang keine polnischen Arbeitskräfte hatten und es einmal ausprobieren wollen.

Anna Ringle und Monika Skolimowska

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